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Löw und die DFB-Zukunft : Das Pokerspiel ist eröffnet

Kein Grund zur Eile: Joachim Löw entscheidet erst nach der WM, ob er Bundestrainer bleiben will Bild: dpa

„Löw bleibt.“ Die Nachricht sorgte am Freitag für Kopfschütteln in Südafrika. Entschieden ist noch nichts. Eine Zu- oder Absage des Bundestrainers und seines Stabs lässt auf sich warten. Der Poker beginnt nach der WM.

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          Der Bundestrainer ist erkältet, nicht verschnupft. Darauf legt man im Kreis der Nationalmannschaft vor dem letzten WM-Wochenende ausdrücklich Wert. Und die Erkältung, die sich Joachim Löw nach dem verlorenen Halbfinale in Durban eingefangen hat, wird wohl auch nicht dazu führen, dass er an diesem Samstag in Port Elizabeth im Spiel um den dritten Platz gegen Uruguay (20.30 Uhr / FAZ.NET-WM-Liveticker) nicht wie gewohnt am Spielfeldrand seine Mannschaft anleiten kann – selbst wenn er am Freitag während des Trainings im Mannschaftsquartier mit Schüttelfrost lag und sich erholen musste.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Und wenn er dabei den Fernseher eingeschaltet hat, dann flimmerte dort über die Laufbänder der Nachrichtensender, was keine Nachricht ist, aber zur Annahme führen könnte, der Bundestrainer sei verschnupft: „Löw bleibt“ lautet die Schlagzeile, die vor dem Wochenende in Deutschland Karriere macht – aber im Mannschaftshotel in der Steppe Afrikas nur für Kopfschütteln sorgt.

          Entschieden ist in der Sache Löw nämlich überhaupt nichts, und die Gedanken, die sich DFB-Präsident Theo Zwanziger dazu macht, sind Gedanken, die sich Theo Zwanziger bisher alleine macht. „Von dieser Nachricht wissen wir nichts. Sie stimmt nicht“, sagte Manager Oliver Bierhoff am Freitag im Mannschaftsquartier.

          Und er erklärte noch einmal nachdrücklich, dass es eine Entscheidung in dieser Sache in Südafrika nicht geben werde, und auch nicht unmittelbar nach der Rückkehr am Montagmorgen. „Dann braucht man auch mal drei, vier Tage Zeit zum Durchschnaufen“, sagte Bierhoff, bevor das erste Gespräch mit Löw über die Möglichkeiten und Bedingungen einer weiteren Zusammenarbeit diskutiert werden. Erst danach stehen die konkreten Vertragsgespräche mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) auf dem schon lange festgelegten Zeitplan.

          „Langfristige Verpflichtungen sind nicht so gut“

          Der DFB-Präsident unterbreitete im Fernsehen schon erste Vorstellungen über die Vertragslaufzeit eines Vertrages, auf dessen personelle und finanzielle Grundzüge es noch keine Hinweise gibt. „Langfristige Verpflichtungen sind nicht so gut, auch aus wirtschaftlichen Erwägungen. Es ist vernünftig, immer von Turnier zu Turnier zu denken“, sagte Zwanziger mit Blick auf die Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine.

          Auch der DFB-Präsident betonte, dass es keine Verabredungen mit Löw gebe, schon gar keine Einigung. „Aber die Chancen stehen gut, weil der Bundestrainer weiß, dass wir hinter ihm stehen.“ Die Hoffnung, dass Joachim Löw weitermachen möchte, ist natürlich begründet, aber diese Hoffnung gab es ja schon vor einem guten halben Jahr – bevor die Verhandlungen platzten.

          „Was im Februar passiert ist, ist ausgeräumt, ist abgehakt“

          Die Nationalmannschaftsführung bekräftigte am Freitag noch einmal nachdrücklich, dass es – wie angekündigt und gefordert – während der nun fast fünf Wochen in Südafrika kein einziges Gespräch mit dem Verband über die Frage der vakanten Vertragsverlängerung gegeben habe, nicht einmal innerhalb des Teams zwischen dem Bundestrainer, seinem Assistenten Hansi Flick, Manager Oliver Bierhoff und Torwarttrainer Andreas Köpke. Vor allem die Rolle und die Ziele Bierhoffs gelten als ungeklärt.

          Viele Monate schien es so, als wäre eine Einigung unmöglich. Zwanziger ging stark auf Abstand. Danach schien auch das Interesse Bierhoffs an einer Vertragsverlängerung, wenn sie denn überhaupt zustande käme, immer geringer. Aber zuletzt, auch angesichts der Erfolge der Nationalmannschaft, ging Zwanziger wieder auf den Manager zu. „Oliver Bierhoff ist immer einer meiner großen Vertrauten gewesen. Und es ist Fakt, was wir beide schon fünfmal gesagt haben: Was im Februar passiert ist, ist ausgeräumt, ist abgehakt. Unser Verhältnis ist intakt.“ Aber Bierhoff und auch Löw haben sich in Südafrika nicht in die Karten schauen lassen. Der Poker beginnt erst nach der Weltmeisterschaft.

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