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Löw trifft Bierhoff : Zu langsam

  • -Aktualisiert am

Rechtzeitig in Frankfurt? Bundestrainer Joachim Löw auf dem Weg zum Krisengespräch Bild: dpa

Joachim Löw ist wieder aufgetaucht. Die Kritik am Nationaltrainer lässt nicht nach, der Druck wächst. Daher war es dem DFB wichtig zu demonstrieren, dass die Analyse des Desasters begonnen hat. Ein Kommentar.

          Joachim Löw liegt nicht am Strand. Das wissen wir nun. Weil der Bundestrainer am Mittwoch von Journalisten beim Betreten der Frankfurter Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) beobachtet wurde. Und wir wissen nun auch, dass dieses Treffen mit dem Stab und Chefmanager Bierhoff weder das erste war noch das letzte gewesen sein soll vor dem Tag der Wahrheit, wenn die Analyse des Desasters vorgestellt werden soll, am 24. August. Jedenfalls hat das der DFB am Mittwoch mitgeteilt. Zu Ergebnissen, gar zu Konsequenzen, also zur Zukunft der Nationalmannschaft und ihrer Führung aber gar nichts. Im Grunde gab es am Mittwoch nur einen formalen Hinweise: Es gibt für die zentralen Figuren gar keine Sommerpause!

          Was auch sonst?, könnte der geneigte wie gequälte Fußball-Freund anmerken. Schließlich ist die Spielqualität der deutschen Auswahl ein quicklebendiges Thema drei Wochen nach dem Exitus in Russland. So lässt sich die – nur zufällig? – gut dokumentierte Nachricht aus der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise nach Wochen des beredten Schweigens über das Prozedere der Selbstbefragung Löws auch als Reaktion auf den Druck erklären.

          Denn die angebliche Betriebsamkeit im (bis Mittwoch) Verborgenen verhinderte nicht den Gärungsprozess. Hier kritisiert der ehemalige Kapitän Lahm den Führungsstil seines früheren Coaches, dort wird der ehemalige Chefausbilder der Trainer für das „Aussterben“ von deutschen Spielertypen á la Mbappé verantwortlich gemacht. Schließlich stellt der Präsident des Landesfußball-Verbandes Sachsens, Winkler, in der ARD die Kernfrage mit Blick auf die vorzeitige Vertragsverlängerung für Löw: ob das Leistungsprinzip nicht mehr gilt.

          Er verband die Vorstellung des DFB, die Analyse en detail erst zum Start der Bundesliga veröffentlichen zu wollen mit einem süffisanten Hinweis: Das sei so, als lade man die Freunde zu einer Grillparty ein, wohlwissend, dass alle im Urlaub seien: „Wir wollen nicht veralbert werden.“ Die Chefs der Landesverbände wollen stattdessen Antworten. Sie sollen sich, behauptet die Deutsche Presse-Agentur, bis zu ihrem Treffen bedeckt halten. Es geht der Präsidiumssitzung des DFB an diesem Freitag voraus. Auch dort kommen Experten zusammen, die Erklärungen erwarten. Sie alle wissen, dass auf Weltklasseniveau die Geschwindigkeit einer (richtigen) Handlung über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, nicht nur bei Ballannahme und -weiterleitung. Nur wer dieses Spiel beherrscht und wagt, bekommt, was er zum Neuaufbau braucht: Ruhe.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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