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Stilfrage beim Nationalteam : Dilettantischer Fußball-Bund

  • -Aktualisiert am

Vor der Laterne, vor dem großen Untergang: Der DFB hat eine Menge Mitarbeiter, PR-Fachleute scheinbar nicht. Bild: dpa

Von Zeit zu Zeit muss eine Mannschaft mit neuem Personal aufgefrischt werden. Zwei Zeitpunkte bieten sich dafür an. Löw und die Strategen beim DFB haben beide verpasst.

          Dass der Deutsche Fußball-Bund über eine Menge Mitarbeiter verfügt, weiß man ja nicht erst seit der großen Crew, die sich im vergangenen Jahr mit der Nationalmannschaft zur Mission Titelverteidigung nach Watutinki aufmachte. PR-Fachleute können nicht darunter gewesen sein, das konnte man schon ahnen, als die Fotos von Joachim Löw, lässig nach der Auftaktniederlage auf der Strandpromenade in Sotschi posierend, die Runde machten. Seitdem aber läuft es dauernd richtig schief, wenn rund um die Nationalmannschaft doch etwas unbedingt richtig gemacht werden sollte, weil man sich keine Fehler in der Öffentlichkeit mehr erlauben darf. Nun also dieser vollkommen misslungene Abschied von drei Nationalspielern, den man stilloser kaum abwickeln kann.

          Der Gegenwind, der Löw deshalb entgegenschlägt, kann ihn kaum überraschen. Dass sich die Bayern über den Zeitpunkt der hektischen Mission von Löw zu dieser Phase der Meisterschaft und so kurz vor dem Champions-League-Spiel gegen Liverpool mokieren, kann der Bundestrainer dabei leicht wegschweigen. Bayern-Präsident Uli Hoeneß hatte erst Ende Februar seinen Innenverteidigern via Fernsehen den Rat gegeben, sie müssten sich angesichts der in Aussicht stehenden Zugänge für die neue Saison überlegen, ob sie den Konkurrenzkampf annähmen oder nicht. Ein uneingeschränkter Vertrauensbeweis für Hummels und Boateng, die sich im Verein als zweiter Innenverteidiger neben dem gesetzten Süle auch nur noch abwechseln, war das jedenfalls nicht. Deshalb haben die Bayern nun zwar trotzdem ihr Unverständnis mitgeteilt, aber insgeheim denken sie vermutlich gar nicht so anders. Und sie können sogar darauf bauen, dass die ausgebooteten Spieler eine Trotzreaktion zeigen.

          Die Aufregung ist dennoch groß, sie betrifft aber vornehmlich die Art und Weise, wie dilettantisch Löw und der DFB diesen Abgang vorbereiteten und sich so angreifbar machten. Personell folgt Löw urplötzlich einer Einsicht, die er schon viel früher hätte haben müssen. Von Zeit zu Zeit muss eine Mannschaft mit neuem Personal aufgefrischt werden – und zwei Zeitpunkte bieten sich dafür idealerweise an: Entweder nach einem großen, vor allem aber nach dem größten Erfolg oder nach dem größtmöglichen Misserfolg. Beides ist rund um die Nationalmannschaft allerdings auf allen Ebenen entweder ganz ausgeblieben oder nur halbherzig betrieben worden.

          Aussortiert im Nationalteam: Boateng, Hummels, Müller

          Die Saat für das Scheitern 2018 war schon im Sommer 2014 ausgeworfen worden, als der WM-Titel so manchem den trügerischen Eindruck vermittelte, er könne fortan auch über Wasser gehen. Löw setzt erst jetzt ganz auf jene Jugend, der er den Umbruch vor ein paar Monaten partout noch nicht zutraute – mit Blick auf die Altersstruktur des Teams und die Geschwindigkeitsdefizite, die bei der WM 2018 zum größten Problem wurden, ist der Generationswechsel aber absolut notwendig. Das klingt erst einmal mutig vom Bundestrainer, aber das Risiko ist für ihn in Wahrheit doch so klein wie möglich: Deutschland muss in der Qualifikationsgruppe mit den Niederlanden, Nordirland, Estland und Weißrussland einen der beiden ersten Gruppenplätze belegen, um sich für die EM 2020 zu qualifizieren. Das sollte möglich sein.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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