https://www.faz.net/-gtl-9kld5

Stilfrage beim Nationalteam : Dilettantischer Fußball-Bund

  • -Aktualisiert am

Vor der Laterne, vor dem großen Untergang: Der DFB hat eine Menge Mitarbeiter, PR-Fachleute scheinbar nicht. Bild: dpa

Von Zeit zu Zeit muss eine Mannschaft mit neuem Personal aufgefrischt werden. Zwei Zeitpunkte bieten sich dafür an. Löw und die Strategen beim DFB haben beide verpasst.

          2 Min.

          Dass der Deutsche Fußball-Bund über eine Menge Mitarbeiter verfügt, weiß man ja nicht erst seit der großen Crew, die sich im vergangenen Jahr mit der Nationalmannschaft zur Mission Titelverteidigung nach Watutinki aufmachte. PR-Fachleute können nicht darunter gewesen sein, das konnte man schon ahnen, als die Fotos von Joachim Löw, lässig nach der Auftaktniederlage auf der Strandpromenade in Sotschi posierend, die Runde machten. Seitdem aber läuft es dauernd richtig schief, wenn rund um die Nationalmannschaft doch etwas unbedingt richtig gemacht werden sollte, weil man sich keine Fehler in der Öffentlichkeit mehr erlauben darf. Nun also dieser vollkommen misslungene Abschied von drei Nationalspielern, den man stilloser kaum abwickeln kann.

          Der Gegenwind, der Löw deshalb entgegenschlägt, kann ihn kaum überraschen. Dass sich die Bayern über den Zeitpunkt der hektischen Mission von Löw zu dieser Phase der Meisterschaft und so kurz vor dem Champions-League-Spiel gegen Liverpool mokieren, kann der Bundestrainer dabei leicht wegschweigen. Bayern-Präsident Uli Hoeneß hatte erst Ende Februar seinen Innenverteidigern via Fernsehen den Rat gegeben, sie müssten sich angesichts der in Aussicht stehenden Zugänge für die neue Saison überlegen, ob sie den Konkurrenzkampf annähmen oder nicht. Ein uneingeschränkter Vertrauensbeweis für Hummels und Boateng, die sich im Verein als zweiter Innenverteidiger neben dem gesetzten Süle auch nur noch abwechseln, war das jedenfalls nicht. Deshalb haben die Bayern nun zwar trotzdem ihr Unverständnis mitgeteilt, aber insgeheim denken sie vermutlich gar nicht so anders. Und sie können sogar darauf bauen, dass die ausgebooteten Spieler eine Trotzreaktion zeigen.

          Die Aufregung ist dennoch groß, sie betrifft aber vornehmlich die Art und Weise, wie dilettantisch Löw und der DFB diesen Abgang vorbereiteten und sich so angreifbar machten. Personell folgt Löw urplötzlich einer Einsicht, die er schon viel früher hätte haben müssen. Von Zeit zu Zeit muss eine Mannschaft mit neuem Personal aufgefrischt werden – und zwei Zeitpunkte bieten sich dafür idealerweise an: Entweder nach einem großen, vor allem aber nach dem größten Erfolg oder nach dem größtmöglichen Misserfolg. Beides ist rund um die Nationalmannschaft allerdings auf allen Ebenen entweder ganz ausgeblieben oder nur halbherzig betrieben worden.

          Aussortiert im Nationalteam: Boateng, Hummels, Müller
          Aussortiert im Nationalteam: Boateng, Hummels, Müller : Bild: AFP

          Die Saat für das Scheitern 2018 war schon im Sommer 2014 ausgeworfen worden, als der WM-Titel so manchem den trügerischen Eindruck vermittelte, er könne fortan auch über Wasser gehen. Löw setzt erst jetzt ganz auf jene Jugend, der er den Umbruch vor ein paar Monaten partout noch nicht zutraute – mit Blick auf die Altersstruktur des Teams und die Geschwindigkeitsdefizite, die bei der WM 2018 zum größten Problem wurden, ist der Generationswechsel aber absolut notwendig. Das klingt erst einmal mutig vom Bundestrainer, aber das Risiko ist für ihn in Wahrheit doch so klein wie möglich: Deutschland muss in der Qualifikationsgruppe mit den Niederlanden, Nordirland, Estland und Weißrussland einen der beiden ersten Gruppenplätze belegen, um sich für die EM 2020 zu qualifizieren. Das sollte möglich sein.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Folgen:

          Weitere Themen

          „Es sind die Adduktoren“

          Neymars frühe Auswechslung : „Es sind die Adduktoren“

          Dicker Verband, aber nur leichte Sorgen: Die frühe Auswechslung von Superstar Neymar im Spiel bei Basaksehir bezeichnet PSG-Trainer Tuchel als Vorsichtsmaßnahme: „Ich hoffe nicht, dass es eine Verletzung ist.“

          Gladbach empfängt Real Video-Seite öffnen

          Fußball : Gladbach empfängt Real

          Borussia Mönchengladbach und Trainer Marco Rose freuen sich auf das Heimspiel gegen Real Madrid mit Trainer Zinedine Zidane. Marco Rose sagt, sein Team wolle gut spielen.

          Es piept am Flughafen

          Ana Carrasco zeigt Röntgenbild : Es piept am Flughafen

          Die Motorrad-Weltmeisterin veröffentlicht nach einem Sturz Röntgenbilder von ihren verschraubten Rippen. Sie will damit die Arbeit der Ärzte würdigen. Bei allen Schmerzen bewahrt sie ihren Sinn für Humor.

          Topmeldungen

          Oberster Mahner aus Bayern: Markus Söder (CSU)

          Kanzlerkandidatur der Union : Söders Dilemma

          Vergrößert der Streit in der CDU die Chancen des CSU-Vorsitzenden auf die Kanzlerkandidatur? Sie wäre für den bayerischen Doppelmonarchen mit erheblichen Risiken verbunden.
          Trumps Konterfei auf einem falschen Dollarschein

          Amerikanische Währung : Der Dollar mag Trump nicht mehr

          Die Präsidentenwahl könnte auch die Wechselkurse der amerikanischen Währung beeinflussen. Eine Prognose ist schwierig. Jedoch gibt es Lehren aus der vorigen Wahl.
          Logo des Online-Konzerns Amazon

          F.A.Z. exklusiv : Wettbewerbsverfahren gegen Amazon und Apple

          Das Bundeskartellamt nimmt die beiden Internetriesen ins Visier: Dabei geht es um Kooperationen von Amazon mit einigen Händlern auf seiner Plattform. Deshalb gerät auch Apple in den Blickpunkt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.