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Löw kontert Kritik : „Niemand beweihräuchert sich“

  • -Aktualisiert am

Bundestrainer Löw: Podolski muss noch lernen Bild: ddp

Bundestrainer Joachim Löw hat sich vor den Länderspielen in der EM-Qualifikation gegen Irland und Tschechien gegen die Kritik aus München gewehrt und abermals Nationalstürmer Lukas Podolski verteidigt.

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          Es fehlt nur noch das I-Tüpfelchen, dann ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft so früh wie keine ihrer Vorgängerinnen für das nächste große Turnier, die EM 2008 in Österreich und der Schweiz, qualifiziert. Dass sie das Klassenziel schon am kommenden Samstag beim EM-Qualifikationsspiel gegen Irland in Dublin erreichen soll, daraus machte Bundestrainer Joachim Löw am Freitag bei der Bekanntgabe seines Aufgebots für diese und die am Mittwoch darauf folgende Münchner Begegnung mit dem Gruppenzweiten Tschechien keinen Hehl. „Wir sind selbstbewusst genug“, sagte Löw in der Frankfurter Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), „den einen Punkt, den wir noch brauchen, mit nach Hause zu nehmen.“

          Wer so souverän wie die Deutschen mit 22 Punkten (vor Tschechien/20 und Irland/14) seine Qualifikationsgruppe anführt, hat gut reden, und doch achtet Löw bei seinen Worten peinlich genau darauf, dass bei ihm auch nicht ein Hauch von Überheblichkeit durchklingt. Eine Steilvorlage, einige Dinge pädagogisch korrekt geradezurücken, hatte ihm vor einer Woche Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München, geliefert.

          Müssen vieles optimieren

          Rummenigge glaubte in einem Interview, ein öffentliches „Beweihräuchern“ der Erfolgsgeschichte der Nationalelf anmerken zu müssen. Dem hielt Löw, manchmal auch ein methodischer Therapeut und Aufbauhelfer, entgegen: „Bei uns beweihräuchert sich niemand. Wir haben auch keinen Grund dazu. Wir sind am Anfang einer Entwicklung, in der wir vieles optimieren müssen, und bei weitem nicht in der Lage, alle Mannschaften zu dominieren.“

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          Auch andere strenge Worte aus München, dass etwa ein Lukas Podolski zu einer gewissen Bequemlichkeit neige, konterte Löw: „Ich glaube nicht, dass Lukas Podolski manche Dinge nicht tut, weil er es nicht möchte, sondern, weil er sie noch lernen muss. Er fragt im Gegenteil permanent nach.“

          Lob für Jermaine Jones

          In Berlin, wo sich Löw und sein Team vom Dienstag an treffen, stoßen auch drei Bremer Rekonvaleszenten wieder zur Nationalmannschaft: Torsten Frings, Tim Borowski und Clemens Fritz. Die drei haben in ihrem Verein nach längeren Verletzungen gerade wieder die ersten, noch zögerlichen Schritte zurück in die Normalität des Profilebens getan. Frings vor allem, „einer unserer Führungsspieler“, wie Löw hervorhob, wird vielleicht schon in Dublin wieder gebraucht. Wie auch Torhüter Jens Lehmann, der seine Ellbogenverletzung auskuriert hat und wieder im Tor stehen soll. Andere Stammkräfte wie die verletzten Ballack, Klose und Lahm werden in Dublin und München fehlen. Einem Neuling in spe machte der Bundestrainer Hoffnungen, demnächst dabei zu sein: Der Neu-Schalker Jermaine Jones hat auch Löw zuletzt imponiert. Der dynamische Mittelfeldspieler könne für die Nationalelf „ein sehr interessanter Spieler werden“.

          So konsequent der Bundestrainer derzeit an der international wertvollsten deutschen Fußball-Erfolgsgeschichte der Gegenwart weiterstrickt, so heftig hat ihn das bisherige Abschneiden der besten Bundesligaklubs in der Champions League erschreckt. Nur ein Sieg in bisher sechs Partien, „das ist nicht absolut erfreulich“, hob Löw hervor. Zumindest seine Mannschaft dagegen versteht es, die überwiegende Mehrheit der deutschen Fußballfans zu begeistern - durch ihre vielen Siege, stärker noch durch ihr hochtouriges und hochklassiges Spiel. Fortsetzung folgt, möglichst schon in einer Woche in Dublin.

          Das deutsche Aufgebot für die Spiele gegen Irland und Tschechien:
          Tor: Timo Hildebrand (FC Valencia), Jens Lehmann (Arsenal London)
          Abwehr: Gonzalo Castro (Bayer Leverkusen), Arne Friedrich (Hertha BSC), Manuel Friedrich (Bayer Leverkusen), Clemens Fritz (Werder Bremen), Marcell Jansen (Bayern München), Per Mertesacker (Werder Bremen), Christoph Metzelder (Real Madrid)
          Mittelfeld: Tim Borowski (Werder Bremen), Torsten Frings (Werder Bremen), Roberto Hilbert (VfB Stuttgart), David Odonkor (Betis Sevilla), Simon Rolfes (Bayer Leverkusen), Bernd Schneider (Bayer Leverkusen), Bastian Schweinsteiger (Bayern München), Piotr Trochowski (Hamburger SV)
          Angriff: Mario Gomez (VfB Stuttgart), Patrick Helmes (1. FC Köln), Stefan Kießling (Bayer Leverkusen), Kevin Kuranyi (Schalke 04), Lukas Podolski (Bayern München)

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