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Analyse nach WM-Aus : Viele Worte, wenig Neues

Das unterfütterte der Bundestrainer mit ein wenig Zahlenmaterial, so lag die durchschnittliche Zeit zwischen Ballannahme und -weitergabe bei 1,51 Sekunden – gegenüber 1,19 Sekunden 2014 und 1,2 Sekunden 2010. So lässt sich keine kompakte Abwehr auseinandernehmen. Gemessen daran ist es fast ein Wunder, dass das Team zwar zu 24 Torabschlüssen pro Spiel kam, aber auch deren Qualität sagt am Ende etwas über die Gesamtqualität. Löw bemängelte schließlich auch, dass das nötige „Feuer“ und der „Enthusiasmus“ gefehlt hätten. Weil all diese Mängel aber schon in Russland offenkundig waren, stellte sich die Frage, warum der Bundestrainer auf all das nicht schon viel früher reagiert hat.

Welchen Anteil am Scheitern sieht Löw bei sich?

Dass es ohne eine Portion Selbstkritik nicht gehen würde, war zuvor schon klar gewesen. Löw wurde dann auch recht deutlich, als er es als „schon fast arrogant“ bezeichnete, wie er sein Mantra des Ballbesitzfußballs verfolgte. „Ich wollte das auf die Spitze treiben und perfektionieren“, sagte er und klang in diesem Moment mehr wie ein (gescheiterter) Missionar denn wie ein Fußballtrainer. Auch den Mangel an Leidenschaft kreidete er sich in Teilen an. „Es wäre auch meine Aufgabe gewesen, das innerhalb der Mannschaft zu forcieren und einzufordern.“ An anderen Stellen hingegen klang er eher wie der alte Löw, der ein wenig trotzig seine Sicht verteidigt.

Thomas Schneider (rechts) wird künftig nicht mehr Ko-Trainer von Joachim Löw sein.
Thomas Schneider (rechts) wird künftig nicht mehr Ko-Trainer von Joachim Löw sein. : Bild: dpa

Die Nachfrage, warum er nicht früher eingegriffen habe, beantwortete er jedenfalls eher dünn: Man dürfe die Eindrücke im Trainingslager nicht zu hoch hängen, behauptete er zum Beispiel. Wobei es auch Kenner gibt, die sagen, dass genau da schon zu erkennen sei, wohin die Richtung geht. Auch auf die Erkenntnis, dass auch das erste WM-Spiel in gewisser Weise schon ein K.o.-Spiel sei und man die Mannschaft entsprechend darauf hätte vorbereiten müssen (weniger Risiko), hätte man früher kommen können. Was die Personalauswahl angeht, wollte der Bundestrainer keine Fehler im eigentlichen Sinne sehen. Von Leroy Sané sei er zum Zeitpunkt der Nominierung nicht überzeugt gewesen, und er glaube auch nicht, dass ein, zwei andere Personalien etwas am Gesamtbild geändert hätten, so Löw. Die Mannschaft habe „in der Summe versagt“.

Wie gestört war die Atmosphäre?

Löw bestätigte das, was im Grunde jeder sehen und spüren konnte: Dass es nicht den besonderen Teamgeist wie etwa 2014 gegeben habe. Der aber entstehe normalerweise auch erst im Laufe eines Turniers – anders gesagt: Dafür waren die Deutschen diesmal nicht lange genug dabei. Löw legte aber Wert darauf, dass die Mannschaft sich „sehr professionell“ verhalten habe und „gut miteinander ausgekommen“ sei, eine „Cliquenbildung“ habe er „nicht identifizieren“ können, jedenfalls nicht in Form von „unüberbrückbaren Differenzen“ – und Rassismus schon gar nicht. Was das angeht, wurde Löw regelrecht emotional, als er betonte, dass es in seiner Zeit bei der Nationalmannschaft „nie auch nur einen Ansatz von Rassismus“ gegeben habe.

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