https://www.faz.net/-gtl-9govh

Medienpreis in Mainz : Die Mahnung des Jürgen Klopp

Jürgen Klopp war bei der Rückkehr nach Mainz bestens gelaunt. Bild: dpa

Der Liverpool-Trainer kehrt nach Mainz zurück, um einen Medienpreis zu bekommen. Dabei mokiert sich Jürgen Klopp zunächst über Fragen von Journalisten. Danach kommt bei der Veranstaltung eines zu kurz.

          In den fanatischsten Fußballstädten heißt es gerne, dass die Leute schon ins Stadion strömen, wenn nur das Flutlicht angeht. In Mainz strömen die Menschen derweil überall dorthin, wo Jürgen Klopp auftaucht. Am Freitagabend warteten vor der Christuskirche 500 Glückliche, die eine der Karten für die Verleihung des Mainzer Medienpreises ergattern konnten. Der heutige Trainer des FC Liverpool hat also offenbar nichts von seiner Popularität eingebüßt, die ihn nach elf Jahren als mäßig begabter Zweitligaspieler zwischen 2001 und 2008 als Trainer zur Mainzer Identifikationsfigur hat werden lassen.

          Klopp wurde für „nachhaltiges mediales Wirken“ ausgezeichnet. Diesen Preis hat die Mainzer Universitätsmedizin ins Leben gerufen. „Es ist nicht der fußballerische Erfolg, der geehrt wird“, sagte Professor Christian-Friedrich Vahl. Stattdessen habe die Findungskommission würdigen wollen, dass er als ZDF-Fernsehexperte zwischen 2005 und 2008 Maßstäbe gesetzt habe. „Er entschlüsselte den Zuschauern den Fußball, so dass die Zuschauer meinten, dieselbe Terminologie nutzen zu können. Das Fußballexpertentum bleibt mit dem Namen Klopp verbunden“, sagte Vahl. Weiterhin soll der Preis würdigen, dass Klopp seine Wirkungsstätten Mainz und Dortmund nachhaltig im gesellschaftlichen Klima geprägt habe.

          Weniger Angst und mehr Entspanntheit im Umgang mit Medien – mit diesem Rat an alle Fußballvereine nahm Klopp den Preis entgegen. „Wenn jemand fragt, gebe ich eine Antwort – wenn das jemand nicht gefällt, kann ich es nicht ändern.“ Für seine Auftritte als TV-Experte hatte Klopp schon zweimal einen Deutschen Fernsehpreis erhalten, diese Auszeichnung aber nicht persönlich entgegengenommen. Diesmal aber kam er für die bislang kaum bekannte Auszeichnung nach Mainz. Klopp lebe Fairness vor, sagte Vahl. Auch leiste er „einen wichtigen Beitrag, um das Bild des Deutschen im Ausland in kleinen Schritten zum Positiven zu verändern“.

          Das war 2001 nicht zu ahnen. Damals machte FSV-Manager Christian Heidel den in Mainz nur als „Kloppo“ bekannten rechten Verteidiger in höchster Abstiegsnot zum Trainer des Zweitligavereins. Heidel, mit Krawatte in Schalke-Blau in seine Geburtsstadt gekommen, erinnerte an das „schallende Gelächter“ bei der Vorstellung des neuen Trainers. Was folgte, waren Klassenverbleib, Bundesliga-Aufstieg 2004, dann 2008 der Wechsel zu Borussia Dortmund und 2015 zu Liverpool. „Er vermeidet Populismus, er ist authentisch, auch wenn es manchmal unangenehm sein kann“, sagt Heidel in seiner Laudatio bei der Veranstaltung, an der kein einziger aktueller Verantwortlicher von Mainz 05 teilnahm. Auch in einer inzwischen veränderten Medienwelt, in der Information oft von Bewertung verdrängt werde, halte Klopp an Offenheit, Ehrlichkeit und Bodenständigkeit fest.

          „Medien sind Mittel der Kommunikation, sie verbinden Menschen“, sagt der gastgebende evangelische Dekan Andreas Klodt. „Wir haben hier ein Medium sitzen, das uns etwas vom Geist des Fußballs vermittelt.“ Und Klopp spricht in der Christuskirche auch von seinem persönlichen Glauben: „Christ-Sein, und auch das Mensch-Sein ist ein steter Versuch, und da bin ich noch dabei.“ Nach der Übergabe des Preises, das ist in der Stadt Gutenbergs eine eigens gestaltete Druckgrafik, trat Klopp ans Mikrofon. In seiner Dankesrede mokierte er sich ein bisschen über die vielen Fragen von Journalisten vor Beginn der Feier zu Themen wie Joachim Löw oder Borussia Dortmund statt des Anlasses des Abends. Dadurch musste Klopp Allgemeinplätze verbalisieren zur Qualität des BVB und von Trainer Favre, zur Dominanz von Manchester City im Vergleich zu seinem Klub FC Liverpool in der Premier League sowie des Rechts von Bayern München auf eine Schwächephase. In seinem Dankeswort sagte er stattdessen: „Wir leben in einer Zeit, in der auch die Medien dafür verantwortlich sind, dass Donald Trump Präsident ist.“ 

          Klopp setzte bei seiner Mahnung ein wenig zu salopp Medien mit sozialen Medien gleich, ihm war bei diesen kurzen Ausführungen aber anzumerken, dass er durchaus bereit gewesen wäre zu einer tiefergehenden Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Thema des Abends. Es wäre beispielsweise spannend gewesen, den dank seiner Rhetorik positiven Menschenfänger für die Sache Fußball zu politischen Populisten zu befragen. Der kluge Kopf Klopp hätte dazu sicherlich Gewinnbringendes sagen können. Die Veranstaltung verpasste aber diese Chance etwa in einer Podiumsdiskussion und beschränkte sich weitgehend auf eine heimelige Mainzer Nostalgieveranstaltung fürs Herz der Fans.

          Nicht einmal ZDF-Chefredakteur Peter Frey erachtete es als nötig, sich ernsthaft dem Thema zu widmen, das nach Football Leaks, der Pressekonferenz von Bayern München samt Verweis auf Artikel 1 des Grundgesetzes oder auch der Ohrfeige von Franck Ribéry durchaus eine gewisse Berechtigung hätte. Stattdessen verriet er lediglich, wie respektiert Klopp in der Sportredaktion des ZDF noch immer sei. Man spreche noch heute von ihm hochachtungsvoll als „cooler Sau“. Das ist dann wohl nachhaltiges mediales Wirken.

          Weitere Themen

          Hurra und Randale Video-Seite öffnen

          „Copa Libertadores“ in Madrid : Hurra und Randale

          River Plate Buenos Aires hat zum vierten Mal die Copa Libertadores gewonnen. Das Final-Rückspiel gegen Boca Juniors wurde im spanischen Madrid ausgetragen.

          Finale auf neutralem Rasen Video-Seite öffnen

          Copa Libertadores : Finale auf neutralem Rasen

          Das Spiel zwischen den argentinischen Klubs River Plate und Boca Juniors um die Krone des südamerikanischen Vereinsfußballs war wegen zahlreichen Krawallen nach Madrid verlegt worden.

          Topmeldungen

          Der französische Präsident Emmanuel Macron während seiner Ansprache an die Nation.

          Protest der „Gelbwesten“ : Macrons Kehrtwende

          Er sei kein Weihnachtsmann, hatte der französische Präsident Emmanuel Macron zuvor gesagt. Doch fast ein Monat mit teils gewalttätigen Protesten zeigt jetzt Wirkung: Zum 1. Januar gibt es in Frankreich Geldgeschenke.

          Brexit-Chaos : Jetzt ist alles denkbar

          Nach der Verschiebung der Brexit-Abstimmung im Unterhaus erscheint alles denkbar: Theresa Mays Rücktritt, ihr Sturz, Neuwahlen – oder ein neu ausgehandelter Brexit-Vertrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.