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Begeisterung in Liverpool : Die ganz große Triumphnacht des Jürgen Klopp

  • -Aktualisiert am

Die Krönung: Jürgen Klopp bei der Meisterehrung Bild: dpa

Konfetti, Feuerwerk, Flammenwerfer: Liverpool feiert die Meisterschaft – auch ohne Fans im Stadion. Jürgen Klopp will die große Sause nachholen und arbeitet schon an den nächsten Plänen mit seinem Team. Was genau hat er vor?

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          Jürgen Klopp war der Erste im Rampenlicht. Bei der Titelzeremonie des englischen Meisters FC Liverpool nach dem Spiel gegen den FC Chelsea am Mittwochabend betrat der Trainer vor allen anderen die speziell für diesen Anlass aufgebaute Bühne im Anfield Stadium. Er hatte sich ein rotes Trikot übergezogen, einen Fanschal um den Arm geknotet und die Kappe nach hinten gedreht. Nur war da niemand, mit dem er in diesem Augenblick feiern konnte.

          Fans durften wegen der Corona-Maßnahmen nicht ins Stadion, die Spieler wurden erst nach ihm einzeln auf das Podium gerufen. Und so tigerte Klopp, nachdem er seine Medaille erhalten hatte, einsam über die Bühne und blickte suchend um sich wie einer, der in froher Erwartung des Kölner Karnevals aus dem Hauptbahnhof spaziert, bis er bemerkt, dass er aus Versehen nach Nordfriesland gefahren ist.

          Nicht lange allein

          Er blieb jedoch nicht lang allein. Je mehr Liverpooler sich auf der Bühne tummelten, die auf der berühmten Kop-Tribüne aufgebaut war, wo normalerweise die lautesten Fans ihren Platz haben, desto heiterer wurde die Feier. Die Flutlichter waren ausgeschaltet, Strahler stachen rote Lichtkegel in die Dunkelheit, das Klubwappen wurde auf den Rasen projiziert, aus den Boxen pumpte Partymusik. Vereinsikone Sir Kenny Dalglish – vor Klopp Liverpools letzter Meistertrainer in der Saison 1989/90 – und Premier-League-Chef Richard Masters hatten sich links und rechts neben dem Pokal postiert, um die Medaillen zu vergeben; Dalglish mit rotem Liverpool-Mundschutz, Masters mit Gesichtsbedeckung in neutralem Weiß.

          Einige Spieler schüttelten ihnen die Hände, andere hielten zum Gruß die geschlossene Faust hin, wieder andere nahmen ihre Medaille mit ausgestrecktem Arm entgegen und blieben lieber auf Distanz. Einen Unterschied machte es nicht: Es durfte nur ins Stadion, wer nachweislich negativ auf das Virus getestet war – und ausnahmsweise die Familien der Spieler und Trainer.

          Als Letzter betrat der derzeit verletzte Kapitän Jordan Henderson die Bühne. Er hob den Pokal von seinem Podest, seine Mitspieler versammelten sich hinter ihm, und endlich – nach 30 Jahren Warten – stemmte wieder eine Liverpooler Mannschaft den Meisterpokal in den Nachthimmel. Konfetti wurde geschossen, Feuerwerksraketen sausten nach oben, aus Flammenwerfern loderten Feuer. Die Trophäe wurde durch die Reihen getragen, so dass jeder sie einmal halten und über den Kopf wuchten konnte.

          Ohne Fans auf den Rängen blieben allerdings nur die Fernsehkameras, denen man das funkelnde Stück entgegen recken konnte – und das verlor für so manchen Profi offensichtlich bald seinen Reiz. Klopp nutzte das Pokalstemmen immerhin für eine Geste: Er hob den Pott zusammen mit Adam Lallana hoch, der nach sechs Jahren den Verein verlässt. Einen Einsatz im letzten Heimspiel der Saison hatte Klopp ihm nicht gewährt.

          Liverpooler Schaulaufen

          Dabei war das Spiel sportlich aus Liverpools Sicht nicht relevant – sie standen ja seit Ende Juni als Meister fest. Chelsea dagegen hätte sich mit einem Sieg die Teilnahme an der Champions League gesichert. Chelsea musste, Liverpool wollte – und so entwickelte sich ein rasantes Spiel, in dem acht zum Teil spektakuläre Tore fielen. Die erste Halbzeit geriet zu einem Liverpooler Schaulaufen: Naby Keita nagelte einen Rechtsschuss aus 20 Metern unter die Latte, Trent Alexander-Arnold jagte einen scharfen Freistoß über die Mauer in den Torwinkel, Georginio Wijnaldum klatschte einen Abpraller nach einer Ecke ins Netz.

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