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Geldwäsche bei Benefiz-Partien : Ermittler decken falsches Spiel mit Messi auf

  • -Aktualisiert am

Was lief im Hintergrund der Benefiz-Spiele von „Messi and Friends“? Bild: AP

Lionel Messi pflegt ein Saubermann-Image des jungen Familienvaters. Doch nun rückt der argentinische Fußballstar in den Fokus der Justiz. Es geht um Geldwäsche bei Benefiz-Spielen. Schon die Auswahl der Spielorte macht stutzig.

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          Schon die Auswahl der Spielorte macht stutzig: Medellín oder Cancún sind nicht gerade Schauplätze, an den sich die Fußball-Superstars der Welt oft treffen. Zudem verfügen sie nicht über Stadien, deren Zuschauerkapazität eine Vermarktung von Spielen attraktiv machen würde. Kolumbien und Mexiko sind verrufen als Heimstätte mächtiger Drogenbarone mit reichlich Erfahrung in Geldwäsche und organisierter Kriminalität.

          Genau dort aber ließ Lionel Messi vor drei Jahren Kollegen aus der Branche zu Benefizspielen auflaufen: „Messi and Friends“ lautete der Titel der Attraktion, für die manche der beteiligten Kicker ihren Urlaub opferten. Doch wo Messi und seine Kumpels auftauchten, ist auch eines der umtriebigsten Kartelle der Szene zu Hause: „Los Valencia“.

          Die Organisation hat ihren Ursprung in der mexikanischen Unruheprovinz Michoacán. Spezialisiert ist es auf den Handel mit Kokain in den Vereinigten Staaten. Benannt ist es nach einem der Anführer Armando Cornelio Valencia sowie dessen Familienmitgliedern. Durch die Kassen von Los Valencia flossen in den vergangenen Jahrzehnten Milliarden an Drogengeldern.

          In den vergangenen Jahren gelang der nordamerikanischen Anti-Drogen-Behörde in Zusammenarbeit mit mexikanischen Fahndern ein schwerer Schlag gegen die Dealer. Ranghohe Mitglieder gingen den Ermittlern ins Netz, andere kamen bei Auseinandersetzungen mit der Polizei oder in Grabenkämpfen mit rivalisierenden Banden ums Leben.

          Medellín als Party-Paradies für Luxusgäste

          Ein Zeuge, der im Rahmen der Polizeifahndung verhaftet wurde, machte nun nach Informationen der spanischen Tageszeitung „El Mundo“ brisante Aussagen: Er warf den Organisatoren der Benefizveranstaltung von Messi vor, dass die Abrechnung der Partien zur Geldwäsche genutzt wurde; damals traten neben Messi auch sein Landsmann Javier Mascherano sowie der Brasilianer Dani Alves an.

          Die kolumbianische Millionenmetropole Medellín mit ihrer Modelszene gilt in Jetset-Kreisen als Party-Paradies für Luxusgäste. Die Stadt, jahrelang eine der Drogenhauptstädte der Welt, weiß für Gesellschaften mit sehr viel Geld und wenig Moral rauschende Fiestas zu organisieren. Jetzt rücken die Spiele von „Messi and Friends“ in den Fokus der Justiz. Mit den Anschuldigungen wird das Umfeld des 28 Jahre alten Ausnahmekickers vom FC Barcelona konkret belastet.

          Das ist neu. Der unter Polizeischutz stehende Informant lieferte dem Vernehmen nach gezielte Aussagen, mit denen sich Anklagen vorbereiten lassen. Verantwortlich für die Organisation der Matches, von denen offenbar andere Kräfte profitierten als die armen Kinder dieser Welt, war unter anderem Guillermo Martin, Repräsentant Messis in Argentinien.

          Ein Clou, den sich die Initiatoren angeblich einfallen ließen, war ein Trick, der die spätere Abrechnung für Geldwäscher interessant machte: Die Möglichkeit, anonyme Spenden verbuchen zu können, verschaffte den Veranstaltern die Option, mit hohen Geldsummen nach Belieben zu hantieren. Zudem wurden offenbar Tickets verkauft, die gar nicht existierten. Kurzum: Die Einnahmen der Spiele dienten nach Erkenntnissen der Ermittler dafür, schmutzige Einnahmen reinzuwaschen.

          Messi senior nimmt die alleinige Schuld auf sich

          Dass sich Messi selbst an den Geldern bereichern wollte, gilt als unwahrscheinlich. Der Argentinier gehört zu den bestbezahlten Sportlern der Welt. Doch die Nähe zu kolumbianischen und mexikanischen Drogenkartellen passt nicht zu dem Saubermann-Image des jungen Familienvaters.

          Zuletzt kam sein Vater, Jorge Horacio Messi, mit den Behörden in Spanien in Kontakt: Es ging um Steuerhinterziehung von bis zu fünf Millionen Euro. Seinerzeit nahm Messi senior die alleinige Schuld auf sich, ein letztinstanzliches Urteil steht aus, doch schon in dieser Angelegenheit zeigte sich: Das Management des viermaligen „Weltfußballers“ ist keineswegs so professionell, wie es zu erwarten wäre.

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