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Lionel Messi : Benefizspiele für die Drogenmafia

  • -Aktualisiert am

Nur Star, aber nicht Verantwortlicher? Lionel Messi (auf dem Bild im Reha-Training in Argentinien) und sein Vater werden bislang nicht belastet Bild: REUTERS

Dubiose Fußballfeste im Namen der Nächstenliebe: Lionel Messi und sein Vater sind in Ermittlungen wegen Geldwäsche verwickelt. Es geht um Auftritte in Medellin.

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          Das Stadion Atanasio Girardot im kolumbianschen Medellin ist nicht gerade das, was Fußballfans aus aller Welt eine stimmungsvolle Arena nennen. Die Zuschauerränge sind weder überdacht noch sonderlich komfortabel, der Rasen ist holprig und wegen der Verletzungsgefahr bei den Profis gefürchtet. Trotzdem lud Weltfußballer Lionel Messi ausgerechnet dort in den vergangenen Jahren immer wieder zu rauschenden Fußballfesten ein. „Messi und seine Freunde“ spielten in Medellin – für einen guten Zweck.

          So glaubte es zumindest der argentinische Weltstar und mit ihm die angereisten Stars aus Barcelona und dem Rest der Welt. Anschließend wurden rauschende Fiestas gefeiert. Medellin hat eine lebendige Party- und Modeszene, berühmte Latina-Models wie Ana Sofia Henao oder Natalia Paris stammen aus der Stadt des ewigen Frühlings, wie die Millionenmetropole wegen ihres ganzjährig angenehmen Klimas heißt. Als Kolumbiens Faustino Asprilla vor vier Jahren seine Karriere dort beendete, ließ er sich unter dem Gejohle seiner Kameraden von Model Claudia Perlwitz vom Platz führen. Models und Fußball, das ist gerade in Kolumbien eine besonders innige Verbindung.

          Die Messis sind bislang nicht belastet

          Jetzt allerdings sind die Organisatoren der rauschenden Fußball-Party ins Visier der Staatsanwaltschaft und der Drogenfahnder geraten. Sie sollen die Benefizspiele und -konzerte nicht aus Gründen der Nächstenliebe, sondern zum Zwecke der Geldwäsche organisiert haben. Die spanische Polizei, die amerikanische Drogenfahndung DEA und die kolumbianische Polizei sind nach eigenen Angaben in gemeinsamer Kooperation der Firma auf die Spur gekommen, der sich auch Messi und dessen Vater Jorge anvertraut habe. Nach dem Skandal um nicht gezahlte Steuern ist die Verbindung von Messis Vater in die Unregelmäßigkeiten um die Benefizspiele nun der zweite unerfreuliche Fall, der ein schlechtes Licht auf das Management des Barça-Superstars wirft.

          Allerdings stellten die ermittelnden Beamten klar, dass weder Messi noch seinem Vater aktive Geldwäsche vorgeworfen werde. Im Fokus steht dagegen die kolumbianische Firma, die gemeinsam mit spanischen Verbindungsleuten die Abrechnung der Aktivitäten übernahm.

          Real Madrid wurde auch schon mit Drogengeldern bezahlt

          Die Polizei ermittelte nach Angaben kolumbianischer Medien in der „Operación Firmamento“ bereits seit April vergangenen Jahres. Mittlerweile sind vier Verdächtige festgenommen, weitere Personen stehen unter Beobachtung. Sie sollen die finanzielle Abwicklung von Konzerten und Benefizspielen genutzt haben, um Einnahmen aus dem Drogenhandel reinzuwaschen. Ein Blick in den Jahresbericht der US-amerikanischen Drogenbehörde verrät, um welch riesige Summen es geht: Allein 2012 wurde aus Kolumbien Kokain im Straßenverkaufswert von 96 Milliarden Dollar in die Vereinigten Staaten „exportiert“. Deswegen lassen sich die Kartelle immer wieder neue Wege einfallen, wie die illegalen Gelder gewaschen werden können, um sie dann als legalen Besitz zu verwalten.

          Kolumbiens Fußball ist reich an Skandalen rund um die Geldwäsche, und immer wieder gibt es auch Verbindungen bis in den europäischen Fußball. Als vor ein paar Jahren Real Madrid zum ersten Mal seit mehr als einem halben Jahrhundert ein Gastspiel in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota gab, fragten sich viele Fans des gastgebenden Klubs Santa Fe, woher die Millionen für den Vertrag mit Real stammten. Ausgerechnet Santa Fe und nicht die Bogotas populärster Klub Millionarios, für die Reals Fußball-Legende Alfredo di Stefano einst die Schuhe schnürte, hatte tief in die Tasche gegriffen.

          Die Antwort hatte wenig später die kolumbianische Staatsanwaltschaft gefunden. Beamte stellten bei einer Razzia 29 Millionen Dollar (knapp 40 Millionen Euro) und 17 Millionen Euro in bar sicher. Die Geldbestände stammen aus dem Besitz von Daniel „El Loco“ (Der Verrückte) Barrera, der zu den meistgesuchten Drogenbossen des Landes zählte. Unter dem Decknamen „Napf des Pazifiks“ hatte die Justiz Geldströme des Fußballklubs untersucht. Barrera gehörte offenbar zu den spendierfreudigsten Geldgebern des Klubs. „Es gibt keinen Zweifel, dass ein Teil der Drogengelder verwendet wurde, um Independiente Santa Fe zu finanzieren“, sagte damals Polizeigeneral Óscar Naranjo.

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