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Lena Oberdorf : Das pikante Endspiel der jungen Überfliegerin

  • -Aktualisiert am

Mit 18 schon Anführerin: Lena Oberdorf Bild: dpa

Lena Oberdorf ist gerade einmal 18 Jahre alt. Doch ihr Lebenslauf liest sich jetzt schon wie eine Aneinanderreihung von Rekorden. Nun steht sie im DFB-Pokalfinale – und spielt dabei gegen ihren neuen Verein.

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          Wenn alle Augen auf sie gerichtet sind, versucht Lena Oberdorf, gelassen zu bleiben. Sie hat sich in den vergangenen Monaten immer öfter ins Scheinwerferlicht gespielt. In der Bundesligamannschaft der SGS Essen, in der Nationalelf. Mit 18 Jahren verteidigt sie im defensiven Mittelfeld so gut wie nur wenige andere. Sie sagt aber, dass sie ihre Karriere „nicht so verbissen angehen“ will. Das sei ihr „zu stressig“.

          Auf ihren ersten Titel wartet sie noch, kein Problem. Und doch ändert das nichts daran, dass ihr nun eine Tür offensteht, die vor ihr Birgit Prinz, Nia Künzer oder Dzsenifer Marozsan durchquert haben: Lena Oberdorf könnte zu einer großen Marke des deutschen Frauenfußballs werden. Es ist natürlich kein Zufall, dass sie mit diesen Namen verglichen wird. Ihr Talent ist nicht zu übersehen. Und ihr Lebenslauf liest sich jetzt schon wie eine Aneinanderreihung von Rekorden. Lena Oberdorf ist in Gevelsberg, einer Kleinstadt im Herzen des Ruhrgebiets, geboren. Im Sommer 2018, da ist sie 16 Jahre alt, wechselt sie zur SGS Essen. Ein Glücksfall, vor allem für den Verein.

          Mit dem Ball geht sie ohnehin perfekt um, aber sie kann ein Spiel sogar mit ihrer Ausstrahlung dominieren. Die Art und Weise, wie sie schon als Jugendliche das Spiel im Zentrum kontrolliert und lenkt, mit welcher Wucht sie Zweikämpfe führt, ist beeindruckend. Auf dem Spielfeld ist Lena Oberdorf eine Draufgängerin. Schon in der ersten Saison schafft sie den Durchbruch. Sie, die begabte Defensivspielerin, schießt sogar Tore.

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          Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nominiert sie für die Weltmeisterschaften in Frankreich im Sommer 2019. Mit 17 Jahren und 171 Tagen wird Oberdorf zur jüngsten deutschen Spielerin der WM-Geschichte. Zum Vergleich: Birgit Prinz war bei ihrem ersten WM-Spiel gut zwei Monate älter. Obwohl die deutsche Elf im Viertelfinale gegen Schweden ausscheidet, sind die Verantwortlichen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) überzeugt: Da wächst eine neue Generation – mit Lena Oberdorf als Anführerin.

          Jetzt, etwas mehr als ein Jahr nach der WM in Frankreich, tritt Lena Oberdorf an diesem Samstag (16.45 Uhr in der ARD) als eine Hauptdarstellerin zum DFB-Pokalfinale der Frauen an. Dieses Finale ist auch ein Spiel der Gegensätze. Auf der einen Seite die Seriensiegerinnen des VfL Wolfsburg, die Titel und Erfolge gewohnt sind wie das Auslaufen nach jedem Spiel. Auf der anderen Seite die SGS Essen, ein Verein mit vergleichsweise bescheidenen finanziellen Mitteln, der sich über die vergangenen zehn Jahre hinweg mit erstklassiger Jugendarbeit einen Namen gemacht hat.

          Zwischen diesen Gegensätzen bewegt sich auch Lena Oberdorf. In der neuen Saison wird sie, die Überfliegerin, zum VfL Wolfsburg wechseln. Eigentlich hatte sie dort einen Vertrag unterschrieb, der schon vom 1. Juli an gültig gewesen wäre. Doch aufgrund der Corona-Verschiebungen erlaubte Wolfsburg ihr, das Finale noch für die Essenerinnen zu spielen. Einen Konflikt sieht sie selbst nicht: „Ich stehe noch in Essen unter Vertrag und werde alles dafür tun, dass wir gewinnen. Deshalb müssen sich die Wolfsburgerinnen auch damit abfinden, dass wir den Pokal mit nach Essen nehmen.“

          Der Ruhr-Klub Essen hat sich zu so etwas wie dem Ausbildungszentrum für die stärksten Vereine aus Wolfsburg und München entwickelt: Es gibt kaum einen Verein, der so viele Spielerinnen an die beiden Spitzenklubs verliert wie die SGS Essen. „Wir haben keine andere Chance, als diesen Weg zu gehen“, sagt Cheftrainer Markus Högner. Er erlebt immer wieder, dass die Jugendphilosophie des Vereins Grenzen setzt. Mittel- bis langfristig treibt es die Talentiertesten stets zur Konkurrenz. In Wolfsburg, davon kann man ausgehen, wird Lena Oberdorf ihren eigenen Anspruch, „den ein oder anderen Titel zu gewinnen“ erfüllen. Die Frage ist nur, ob sie ihren ersten Titel nicht schon mit der SGS Essen holen kann.

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