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Lena Lotzen : Nummer neun trifft

Anschubhilfe für die deutschen Frauen: Lena Lotzen (l., neben Luisa Wensing) bringt Deutschland voran Bild: dpa

Lena Lotzen hat die deutschen Fußballfrauen bei der EM auf Kurs gebracht. Sie ist ein Paradebeispiel für den Werdegang der jungen Spielerinnen im Kader. Gegen Norwegen soll sie am Mittwoch (18.00 Uhr) zum Gruppensieg beitragen.

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          Bis zum Sonntagabend gab es eine gewisse Diskrepanz zwischen Lena Lotzen und ihrer Rückennummer 9. Die steht seit jeher im Fußball und seit den Tagen der zurückgetretenen Rekordnationalspielerin Birgit Prinz im Besonderen auch im deutschen Frauenfußball wie keine andere Zahl für Torerfolge. Lena Lotzen war indes schon elfmal im Nationaltrikot aufgelaufen, doch es fehlte der bei Bayern München so treffsicheren Stürmerin noch der erste Torerfolg.

          Dennoch hatte Bundestrainerin Silvia Neid dem 19 Jahre alten Talent die so symbolträchtige Nummer bewusst zugeteilt, als der endgültige Kader für die Europameisterschaft in Schweden gemeldet wurde. „Ich weiß nicht, ob mir die Bundestrainerin damit Selbstvertrauen geben wollte“, sagt Lena Lotzen. „Aber ich weiß natürlich, wer diese Nummer früher getragen hat. Aber trotzdem ist das nur eine Nummer, die mir nix bringt, wenn ich nicht gut spiele.“

          Beim 3:0-Sieg gegen Island hat Lena Lotzen nun gut gespielt. Und sie hat beim ersten deutschen Turniertor zum 1:0 (24. Minute) kaltschnäuzig zunächst ihre Gegenspielerin und anschließend die isländische Torhüterin verladen. Lena Lotzen diente somit als Türöffnerin für die deutsche Auswahl, die dank zweier weiterer Treffer von Celia Okoyino da Mbabi (55./86.) letztlich standesgemäß gewann und vor dem „Endspiel“ um den Gruppensieg gegen Norwegen am Mittwoch (18 Uhr/ARD und Eurosport) die Tabellenführung in Vorrundengruppe B und nach den Ergebnissen vom Dienstag auch den vorzeitigen Viertelfinaleinzug zumindest über Rang drei sicherte. So ist es für die deutsche Elf zu verschmerzen, dass die bislang überzeugende Linksverteidigerin Jennifer Cramer wegen ihrer zweiten Gelben Karte gegen Norwegen gesperrt ist, wodurch Bundestrainerin Silvia Neid zu Personalrochaden gezwungen ist.

          Wunderbarer Spielzug

          „Natürlich ist das erste Tor im A-Team was Besonderes“, sagt sie. „Aber ich bin noch froher, dass im Team der Knoten geplatzt ist.“ Tatsächlich zeigte das deutsche Team plötzlich, worauf Bundestrainerin Silvia Neid seit gut zwei Jahren hinarbeitet: Torjägerin Celia Okoyino da Mbabi ließ sich tief ins Mittelfeld fallen, verarbeitete einen Einwurf von Jennifer Cramer mit einem Kontakt und spielte mit der nächsten Ballberührung den „blinden“ Pass auf die in Mittelstürmer-Position vorgerückte Spielmacherin Dzsenifer Marozsan.

          Drin: Lena Lotzen trifft gegen Island

          Die Regisseurin brauchte ebenfalls nur zwei Ballkontakte, um Lena Lotzen perfekt steil zu schicken. Über drei Stationen überwand das Nationalteam in weniger als sieben Sekunden gut 75 Meter. „Der Spielzug war so nicht genau einstudiert, so weit würde ich nicht gehen“, sagt Lena Lotzen. „Aber er entspricht dem, was die Bundestrainerin verlangt: Wir sollen schnell und mutig mit vertikalen Pässen spielen.“

          Förderung am DFB-Stützpunkt

          Die dafür nötigen Qualitäten hat sie bis zum Alter von fast 17 Jahren bei den Jungs entwickelt, ehe sie dann direkt zu den Bundesligafrauen von Bayern München wechselte, wo sie neben dem Fußball ihr Abitur absolvierte. Bei ihrem Würzburger Heimatverein TG Höchberg profitierte sie neben dem gemeinsamen Spiel auch von der Arbeit an einem DFB-Stützpunkt.

          Diese dienen bei den männlichen Talenten mittlerweile eher als letzte Chance für jene, die bei den Nachwuchsleistungszentren der Profiklubs abgelehnt werden. Für die begabtesten Mädchen sind sie indes das optimale Trainingsumfeld. Im 23er-Kader von Bundestrainerin Silvia Neid stehen folgerichtig 13 Spielerinnen, die in wöchentlichen Stützpunkt-Einheiten ihre Fähigkeiten verbessert haben. „Ich konnte mit den besten Jungs meiner Region kicken, dazu hatten wir ganz tolle Trainer“, sagt Lena Lotzen. Sie hat sich damals stets als einziges Mädchen gegen die männliche Übermacht behauptet - kein schlechtes Rüstzeug für spätere große Aufgaben.

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