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Laura Freigang vom FFC : „Ich habe Geduld in dem Sinne, dass ich nicht durchdrehe“

  • -Aktualisiert am

Torgefährlich: FFC-Angreiferin Laura Freigang Bild: Jan Huebner

In Amerika studiert und trainiert, in Frankfurt im Profibereich angekommen: Die junge, ungeduldige Torjägerin Laura Freigang will sich beim FFC für höhere Aufgaben empfehlen.

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          Dass die Hälfte ihres Kleiderschranks ein paar tausend Kilometer entfernt verblieben ist, bekümmert Laura Freigang nicht. Es ist halt so, wie es ist. Nach der U-20-Weltmeisterschaft im Sommer 2018 war sie der Einladung des 1. FFC Frankfurt gefolgt, als Gastspielerin die Saisonvorbereitung mitzumachen. Es passte gut in die Sommerpause an der Pennsylvania State University, wo sie zwei Jahre lang studiert, gekickt und gelebt hatte. Doch als sie beim FFC angedockt und gesehen hatte, wie dort junge Spielerinnen gefördert werden, „wusste ich, dass ich bleiben will“, erzählt Laura Freigang. Cheftrainer Niko Arnautis war es nur recht, auf diesem Wege eine talentierte, in Rhein-Main verwurzelte Spielerin zu bekommen, die alle DFB-Jugendauswahlteams durchlaufen hatte. Dass die Hälfte ihres studentischen Hausstandes bis heute in Pennsylvania ist, betrachtet Laura Freigang als überschaubaren Kollateralschaden. Schließlich hat sie sich am Main im Schnelldurchgang zu einer Bundesligaspielerin entwickelt sowie in den Dunstkreis der A-Nationalmannschaft gespielt.

          Es gab nicht wenige, die dem FFC im Sommer 2018 ein Vabanquespiel unterstellten. In eine Bundesligasaison zu gehen mit nur drei jugendlichen Angreiferinnen (Freigang, Reuteler, Martinez), deren Einsatzzeit erster Klasse sich bis dato summierte auf: null Minuten. Schon in den Auslandsaufenthalt in den Vereinigten Staaten hatte sich Laura Freigang unbeschwert gestürzt. „Es hat mich einfach gejuckt, etwas Neues zu erleben“, sagt sie. Neues Land, neue Fußballkultur, erste Trainingseinheit um sechs Uhr in der Früh: „Ich habe athletisch einen großen Schritt gemacht und mir eine andere Mentalität angeeignet.“ Und als sie dann von der Gastspielerin zur Sturmhoffnung wurde beim einstigen Titelsammler FFC? „Das hat mich motiviert. Ich hatte nie das Gefühl von Druck“, sagt die heute 21 Jahre alte Sportwissenschaftsstudentin. 20 Ligaeinsätze, zehn Tore – mit dieser feinen Quote ist Laura Freigang in der Vorsaison durchgestartet. In der aktuellen Runde sind es drei Treffer nach neun Spieltagen. „Ich spiele besser als in der vorigen Spielzeit, auch wenn es sich in der Torquote noch nicht widerspiegelt“, sagt die 1,71 Meter große Athletin.

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          Technisch gut, kopfball- und konditionsstark, mit Durchsetzungsvermögen und einer gewissen Unerschrockenheit gesegnet: Laura Freigang ist eine Marke geworden beim FFC und in der Bundesliga. Was auch daran liegt, dass jeder, der sie eine coole Frau nennt, keinen Widerspruch befürchten muss. Die Rheinhessin ist offen und eloquent, selbstbewusst, aber auch ohne Hemmung, über Schwächen zu reden. Ihre schon besser gewordene, aber immer noch ausgeprägte „Schusseligkeit“, wie sie sagt, machte sie beim FFC in der vergangenen Saison zur internen Strafenkatalog-Spitzenreiterin.

          Autogrammkarte von Silke Rottenberg, Renate Lingor auf den Fußballschuhen

          An diesem Freitagabend (19.15 Uhr, live auf Eurosport) steht das wichtige Heimspiel gegen den starken Tabellenzweiten TSG Hoffenheim an. Das Pokal-Aus gegen Leverkusen am vergangenen Samstag bedeutete den ersten happigen Rückschlag für den FFC. Gegen Hoffenheim geht es nun auch darum, dass der gute Eindruck von der Mannschaft aus den ersten Saisonwochen nicht zunehmend verdrängt wird.

          Laura Freigang ist eine gebürtige Kielerin, die aber in Oppenheim bei Mainz aufgewachsen ist. Da war der FFC in ihrer Jugend schon durchaus präsent. Von der einstigen Frankfurter Nationaltorhüterin Silke Rottenberg klebte eine Autogrammkarte an ihrer Kinderzimmertür, Renate Lingor unterschrieb einst auf einem ihrer Fußballschuhe.

          Bleibt noch die Sache mit der Nationalmannschaft. Zu einem Lehrgang war Laura Freigang schon mal eingeladen, bei drei Nominierungen tauchte ihr Name in der Sparte „auf Abruf“ auf. Die 21-Jährige sieht aktuell rechts und links viele junge Spielerin vorbeirauschen in das A-Team, unter anderem die FFC-Kollegin Sophia Kleinherne – und sie weiß noch immer nicht recht, „bin ich jetzt drin oder nicht“. Sie ist sich der Gefahr bewusst, sich zu sehr auf dieses eine Ziel zu versteifen. Geduld zu haben sei nicht ihre Stärke. „Ich habe Geduld in dem Sinne, dass ich nicht durchdrehe“, erzählt sie lachend und fügt ernst hinzu: „Ich möchte unbedingt Nationalspielerin werden, Turniere spielen, wissen, wie weit ich kommen kann.“ Ihre regelmäßige Zusammenarbeit mit einer Sportpsychologin betrachtet sie als vorteilhaft, „weil es interessant ist, zu sehen, wovon man sich alles beeinflussen lässt und wovon nicht“. Von den fehlenden Klamotten in ihrem Kleiderschrank sicherlich nicht.

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