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Launischer Italiener : Warum Pellegrini bei der Eintracht aneckt

Eintracht-Trainer Oliver Glasner und Luca Pellegrini (rechts), der Frankfurt wieder verlässt. Bild: Huebner

Linksverteidiger Luca Pellegrini eckt mit demonstrativ zur Schau gestelltem Selbstbewusstsein an, dabei muss der Italiener um sein Standing in der Mannschaft kämpfen.

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          Luca Pellegrini schaute kurz um sich. Er zögerte, doch dann warf der Eintracht-Profi das gelbe Leibchen einfach auf den Boden. Nicht dort, wo die Sammelstelle der Utensilien nach der Trainingseinheit war, nicht einmal in deren Nähe. Der Italiener war vielmehr schon auf dem Weg zu seinem Fahrrad die kleine Anhöhe hinauf. Ein Teamkollege befand sich nicht an seiner Seite, er war einer der Ersten auf dem Weg zurück zum benachbarten Proficamp. Pellegrinis Unachtsamkeit verdient keine große Aufmerksamkeit. Aber die feine Art ist sein Benehmen nicht.

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Pellegrini blickte an diesem Mittag ein bisschen düster drein. Dabei gab es für ihn keinen Grund, unzufrieden zu sein. Hinter ihm lag am vergangenen Dienstag eine gute Trainingseinheit, die rund zwei Stunden gedauert hatte: Der Verteidiger ging mit dem gebotenen Engagement keinem Zweikampf aus dem Weg. Und er schoss mit großer Zielstrebigkeit Tore. So, als wollte er auch Oliver Glasner sein Können beweisen, denn gerade beim Trainer hat Pellegrini etwas gutzumachen. Ab und an treffen den Italiener die offensichtlich nötigen Erziehungsmaßnahmen des Österreichers, der sich hätte vorstellen können, Lehrer zu werden.

          Als die Frankfurter im vergangenen Monat auf Japan-Reise waren, stand Pellegrini plötzlich nicht mehr im Aufgebot für das zweite Testspiel gegen Gamba Osaka. Verletzt soll der gebürtige Römer nicht gewesen sein, auch um eine Form der körperlichen Belastungssteuerung handelte es sich wohl nicht. Vielmehr verpasste Glasner seinem launischen Profi ganz offenbar einen Denkzettel.

          Pellegrinis den Anforderungen nicht genügender Auftritt im ersten Privatspiel gegen die Urawa Red Diamonds hatte beim Trainer einigen Missmut hervorgerufen, sollen seine Vorgaben doch auch bei Tests strikt umgesetzt werden. In der Folge kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen den beiden, die hörbar über das Normalmaß hinausging. Auf Nachfrage erklärte Glasner in dieser Woche, dass es das doch immer mal geben würde, „dass der Trainer lauter wird, wenn er unzufrieden ist“. So sei das auch in diesem Fall gewesen.

          Mit seinem Auftreten eckte Pellegrini bei der Eintracht schon öfters an. Auch Führungsspieler wie Kapitän Sebastian Rode und Torhüter Kevin Trapp machten den Leihspieler von Juventus Turin in dem einen oder anderen Gespräch darauf aufmerksam, dass die Spielregeln beim Umgang miteinander auch für ihn gelten würden. Manchmal übertreibt es Pellegrini nämlich im Bewusstsein seiner ansprechenden Fußballvita mit seinem demonstrativ zur Schau gestellten Selbstbewusstsein. Seinen Mannschaftskollegen tritt er in bestimmten Situationen zu forsch und fordernd auf. Die Mannschaft, die einen außergewöhnlich guten Zusammenhalt pflegt, ist das nicht gewohnt. Abweichungen, die dem Gemeinwohl schaden könnten, toleriert sie nicht.

          Ein Wechsel wäre keine Überraschung

          Eine Trennung des Klubs von Pellegrini in der Wintertransferperiode im Januar soll aktuell kein Thema sein. „Da ist im Moment nichts dran“ – so formulierte es Sportvorstand Markus Krösche. Seine Aussage lässt jedoch Raum für Spekulationen. Es wäre keine Überraschung, wenn Pellegrini, der am Anfang körperliche Defizite offenbarte und gewissermaßen als Zugabe für Filip Kostic aus Turin gekommen war, nach nur einem halben Jahr in Frankfurt den Arbeitgeber wieder wechseln würde. Die Hessen, heißt es, sollen sich mit der Verpflichtung des 23 Jahre alten senegalesischen Nationalspielers Ismail Jakobs auf Leihbasis beschäftigen. Der Linksverteidiger, der mit dem Senegal das Achtelfinale bei der WM in Qatar erreicht hat, spielt im Moment beim AS Monaco.

          Auf dem Platz hat Pellegrini zwei Gesichter. Das des Profis, der zur Theatralik neigt, der die Show mag. Dann wirkt er aufgesetzt. Der andere Pellegrini lässt den Firlefanz sein, konzentriert sich auf das Wesentliche und kommt auf der linken Seite pflichtbewusst seiner Aufgabe nach. Besonders in den wichtigen Partien reißt sich der technisch beschlagene Pellegrini zusammen. Nach dem entscheidenden Champions-League-Gruppenspiel bei Sporting Lissabon erhielt der Italiener für seine gelungene Arbeitsleistung ein Sonderlob von Glasner. Ein paar Tage später in Augsburg hingegen erfüllte Pellegrini die Erwartungen nicht, sein Einsatz beschränkte sich daher auf die ersten 45 Spielminuten.

          Will sich der Wackelkandidat bei der Eintracht doch noch durchsetzen, muss er seine Wankelmütigkeit abstellen. Konkurrenz hat er mit Ansgar Knauff und Christopher Lenz. Beide stehen in der Hierarchie über dem Italiener, wenn sie im Vollbesitz ihrer Kräfte sind. Pellegrini muss um sein Standing kämpfen. Er sehe die Zeit bei der Eintracht nicht als „Urlaubsjahr“, hatte er bei seiner Präsentation in Frankfurt gesagt.

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