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„Langer Anlauf rechts“ : WM-Spickzettel im Haus der Geschichte

  • Aktualisiert am

Der Spickzettel, der WM-Geschichte schrieb Bild: dpa

Jens Lehmann hat seinen berühmten Elfmeter-Spickzettel aus dem WM-Viertelfinale dem Haus der Geschichte übergeben. Die Bleistift-Kritzelei sei ein „greifbarer symbolischer Gegenstand“ der Fußball-WM 2006, sagte der Torwart.

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          Fußball-Nationaltorwart Jens Lehmann hat seinen berühmten Elfmeter-Spickzettel aus dem WM-Viertelfinale 2006 gegen Argentinien dem Haus der Geschichte in Bonn übergeben. Die Bleistift-Kritzelei von Torwarttrainer Andreas Köpke ruht nun auf Kunstrasen gebettet und auf einem Holzpodest im Foyer des historischen Museums, das die deutsche Nachkriegsgeschichte dokumentiert.

          Das kleine Stück Papier sei ein „greifbarer symbolischer Gegenstand“ der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, sagte Lehmann am Dienstag bei der Präsentation des Zettels in dem zeitgeschichtlichen Museum: „Er steht auch für die große emotionale Stimmung, die damals in Deutschland herrschte.“ Er sei aber dennoch erstaunt, welche Bedeutung und Mystik sich nach wie vor mit dem Papier verbinde. Der Zettel sei zu einem „Teil des kollektiven Gedächtnisses der deutschen Sportgeschichte“ geworden, sagte der Direktor des Museums, Hans Walter Hütter.

          Eine Million Euro Erlös

          Vor dem Spiel gegen die Argentinier am 30. Juni im Berliner Olympiastadion habe er im Hotel mit Torwarttrainer Andreas Köpke über die möglichen Elfmeterschützen gesprochen, so Lehmann. Auf dem Schreibblock des Schlosshotels Grunewald notierte Köpke dann mit Bleistift die Namen von argentinischen Spielern wie Ayala, Crespo oder Heinze.

          „Informationen nicht wirklich hilfreich”
          „Informationen nicht wirklich hilfreich” : Bild: dpa

          Bevor Köpke den Zettel dann nach der Verlängerung an Lehmann gab, strich er Riquelme, Crespo und Messi mit schwarzem Stift durch, weil sie für einen Elfer nicht mehr in Frage kamen. Bei den anderen Namen stand die Trikotnummer und die bevorzugte Ecke - wie etwa bei Roberto Ayala - „lange warten, langer Anlauf, rechts“.

          „Schwer zu lesen gewesen“

          Wären seine Teamkameraden nicht so erfolgreich gewesen, „wäre der Zettel vielleicht irgendwo in der Versenkung verschwunden“, sagte Lehmann heute. Ihm selbst habe der Zettel gar nicht richtig geholfen, zumal er auch schwer zu lesen gewesen sei. „Leider waren die Informationen nicht wirklich hilfreich. Die Ecken sind aus meiner Sicht notiert, und die Schützen haben dann entgegengesetzt geschossen.“

          Dennoch sorgte Lehmann für Verunsicherung bei den argentinischen Schützen, als er den Zettel vor jedem Elfmeter aus dem rechten Stutzen holte und eingehend studierte. Er parierte dann auch prompt die Schüsse von Ayala und Esteban Cambiasso (nicht auf dem Zettel), Deutschland gewann das Elfmeterschießen mit 4:2.

          „Beinahe weggeschmissen“

          Um die zerknitterten Aufzeichnungen war in den Tagen nach dem Halbfinaleinzug der deutschen Mannschaft ein großes Rätselraten veranstaltet worden. Dass ein Blatt Recycling-Papier plötzlich zum Gesprächsthema Nummer eins werden würde, hatte Lehmann im WM-Sommer 2006 noch nicht geahnt: „Ich hätte ihn beinahe weggeschmissen, irgendwann fiel er mir wieder vor die Füße.“

          Eine glückliche Fügung, denn das Papierchen brachte eine Menge Geld für gute Zwecke ein. Im Dezember 2006 ersteigerte der Energiekonzern EnBW die Notizen während der TV-Gala „Ein Herz für Kinder“ für eine Million Euro, um sie dem Haus der Geschichte zu überlassen.

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