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FC Barcelona : Sieben Wochen ohne Messi

Das sieht nicht gut aus: Messi am Boden Bild: AP

Es ist eine Allerweltsszene mit Folgen: Innenbandriss bei Messi. Der FC Barcelona muss lange auf seinen Star verzichten - auch in der Champions League gegen Bayer Leverkusen.

          Es war kein Foul, sondern eine Allerweltsszene, ein Pressball in der dritten Spielminute zwischen Stürmer und Verteidiger. Beide kommen im selben Augenblick mit links an die Kugel und halten dagegen. Pedro Bigas, der Verteidiger des spanischen Aufsteigers UD Las Palmas, bleibt auf den Füßen. Doch Leo Messi, der weltbeste Stürmer, geht nach seinem schlecht kalkulierten Schussversuch zu Boden und hält sich das linke Knie.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Doktor Ricard Pruna, der Mannschaftsarzt des FC Barcelona, eilt auf den Platz. Er untersucht den Spieler, hilft ihm auf die Beine und führt ihn über die Torauslinie. Einmal den Daumen hoch in Richtung Trainerbank: Nicht so schlimm! Messi setzt das Spiel fort, berührt ein paar Bälle, doch fünf Minuten später sinkt er abermals zu Boden und muss hinaus.

          Die Magnetresonanz ergibt einen Riss im Innenband des linken Knies. Damit fällt Messi nach Angaben des Klubs sieben bis acht Wochen aus. Insgesamt verpasst der vierfache Weltfußballer des Jahres wohl ein Dutzend Partien, darunter das Champions-League-Hinspiel gegen Bayer Leverkusen und mit Sicherheit zwei Qualifikationstermine der argentinischen Nationalmannschaft (gegen Ecuador und Paraguay) für die WM 2018 in Russland.

          Ob er gegen schwerere Gegner wie Brasilien und Kolumbien (jeweils am 13. und 17. November) wieder einsatzfähig sein könnte, weiß im Augenblick niemand. Immerhin braucht Messi nicht operiert zu werden; eine ausreichende Spielpause mit anschließendem Aufbautraining soll das lädierte Knie wieder herstellen.

          Nach einem Zusammenprall musste Lionel Messi verletzt vom Platz.

          Die Mannschaftskameraden der wieselflinken Nummer zehn zeigten sich betrübt und spendeten sogleich Trost, auch sich selbst. Denn der Ausfall des Argentiniers hat die Verletztenliste des spanischen Triple-Siegers mit Alba, Rafinha, Vermaelen und Torhüter Claudio Bravo gefährlich anschwellen lassen. Mittelstürmer Luis Suárez, der zum Beginn der Saison den verlässlichsten Eindruck des katalanischen Kaders macht, übernahm sofort die Verantwortung und schoss zwei Tore, bevor Aufsteiger Las Palmas in der 88. Minute zum Anschlusstreffer kam.

          Beim nächsten Clásico will er wieder spielen

          Messi fehlt nun einem Team, das seine ersten Ligaspiele nur mit Glück und zähem Ringen gewinnt, letzte Woche aber auch schon – mit Messi – bei Celta Vigo 1:4 unter die Räder geriet. Kommt noch die Fifa-Sanktion hinzu, welche die Neueinkäufe Arda Turan und Alex Vidal erst zu Anfang Januar spielberechtigt macht. „Wenn einer ausfällt“, sagte Trainer Luis Enrique, ohne auf Entschuldigungen etwas zu geben, „muss die Mannschaft das ausgleichen. Es ist eine besondere Herausforderung, solche Momente zu überstehen. Mal sehen, aus welchem Holz das Team geschnitzt ist.“

          Tröstlich ist, dass Real Madrid nicht über ein 0:0 gegen den FC Málaga hinauskam und Barça einen Punkt Vorsprung vor dem Erzrivalen hat.

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          Gemessen an seiner verschleißenden, enorm riskanten Spielweise – oft eng am Gegner und im Höchsttempo – hat sich Leo Messi nicht ungewöhnlich oft verletzt. Die schlechtesten Phasen für ihn waren die Saison 2006/2007, als er wegen eines Fußbruchs drei Monate ausfiel, und das verkorkste Kalenderjahr 2013 mit rund vier Monaten Spielpause, darunter das komplette Saisonfinale.

          Längst haben Barcelonas Trainer verinnerlicht, dass der Spielmacher und Torschützenkönig nicht „dosiert“ zu werden wünscht, sondern immer auf dem Platz stehen will. Das große Ziel: beim nächsten Clásico gegen Real Madrid am 21. oder 22. November im Bernabéu-Stadion dabei zu sein.

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