https://www.faz.net/-gtl-91mgz

Spaniens Liga-Präsident : „Am Ende kommt es zum Ruin“

Kritiker der Gepflogenheiten von PSG oder Manchester City: LaLiga-Präsident Tebas fordert Reformen. Bild: AP

Für Spaniens Liga-Präsident Javier Tebas sind die arabischen „Staatsklubs“ PSG und Manchester City das existentielle Problem des europäischen Fußballs. Er setzt auf mehr Regulierung – und nimmt auch den FC Bayern in die Pflicht.

          6 Min.

          Javier Tebas, 55, ist seit 2013 Präsident des spanischen Ligaverbandes LFP. Der studierte Jurist wurde in Costa Rica geboren, hat aber auch die spanische Staatsbürgerschaft. Auf der dritten Fußball-Konferenz des F.A.Z.-Forums warnte er vor einer zunehmenden „Destrukturierung des Fußballs“.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Señor Tebas, Ihre Kritik am von Ihnen so genannten „Finanz-Doping“ von Paris St. Germain und Manchester City auf der F.A.Z.-Fußball-Konferenz hat in Europa Schlagzeilen gemacht. Was meinen Sie damit?

          Ich möchte etwas klarstellen: Es geht nicht um den Fall Neymar. Am 27. März 2017 kam der Präsident von Paris St.-Germain in mein Büro, weil er gehört hatte, dass LaLiga eine Klage gegen PSG vorbereitet. Er wollte wissen, warum. Zu dieser Zeit wusste niemand von einem Neymar-Transfer mit dieser hohen Transfersumme. Ich habe die Anzeige unterschrieben und dem Präsidenten von PSG erklärt, warum ich auch Manchester City in die Anzeige aufgenommen habe. Wir hatten eine Studie erstellt, an der wir über ein Jahr gearbeitet haben, und da sieht man, dass Manchester City in den letzten fünf Jahren mehr als eine Milliarde Euro ausgegeben hat, Paris bis dahin 250 Millionen. Einer der großen Sponsoren von Paris ist Qatar, das Tourismusbüro von Qatar, das vom Emirat Qatar sehr viel Geld zur Verfügung gestellt bekommt. Das sehen wir als Finanz-Doping an. Bei unserer Untersuchung haben wir festgestellt, dass diese Investmentfonds, die in Qatar ansässig sind, dem Familien-Clan des Emirs gehören. Die Anzeige haben wir schon weit vor dem Neymar-Transfer gestellt – aber genau aus den Gründen, die jetzt wieder vorliegen. Das Problem ist auch nicht, dass uns ein Spieler aus der Liga entzogen worden ist. Was uns sehr schadet, ist, dass das Finanz-Doping solche Ausmaße annimmt.

          Wo genau liegt das Problem?

          Neymar ist nur ein Effekt des Problems. Das Kernproblem sind die Staatsklubs. Wenn Geld von außerhalb in den Fußball-Kreislauf fließt, entsteht dadurch ein Inflationseffekt. Die großen Klubs benötigen dann immer mehr Geld, um gegen diese Inflation, die entsteht durch Paris St.-Germain und Manchester City, die eigentlich Staatsklubs sind, zu kämpfen. Um mehr Geld zu bekommen, üben sie Druck auf die nationalen Ligen aus – und um noch mehr Geld zu bekommen, auch auf die Uefa. Das führt dazu, dass Entscheidungen getroffen werden, die zu einer Umstrukturierung des Fußballs durch die Verteilung der Gelder der Champions League führen. Schauen Sie: In jedem wirtschaftlichen Sektor, in den Geld kommt, das nicht aus diesem Sektor stammt, werden vernichtende Effekte erzeugt. Neymar ist nur ein Beispiel. Wenn ich einen Tante-Emma-Laden aufmache, nennen wir ihn Tebasfour. Weil ich so reich bin, verschenke ich Hähnchen, Fleisch und Fisch. Dann kann der Konkurrent Carrefour in einem Jahr dichtmachen, weil er nicht mit Tebasfour mithalten kann. Das Gleiche passiert im Fußball mit den Staatsklubs. Man kann unmöglich mit jemanden mithalten, der reich ist und sein Geld nach Belieben zur Verfügung stellt. Der andere Wettbewerber muss immer mehr zahlen. Am Ende wird es zum Ruin kommen.

          Sie haben es in Spanien mit LaLiga geschafft, dass die Klubs solider wirtschaften – lässt sich das auch auf internationaler Ebene erreichen?

          Wir haben eine finanzielle Kontrolle der Klubs durchgesetzt, damit es auch einen richtigen und fairen Wettbewerb auf dem Platz gibt. Die finanzielle Kontrolle muss aber zuerst kommen. Das heißt, wir kontrollieren auch die Gehälter von Spielern und Trainern, die verpflichtet werden. Die Liga legt fest, wie viel Geld ein Klub an Gehältern und Ablösesummen ausgeben darf. Wir haben das in den vergangenen Jahren sehr gut reduzieren können. Es ist jetzt auch ein fairer Wettbewerb im ökonomischen Sinn. Dieses System muss man anwenden im Fußball. Denn wenn ein System a posteriori mit Sanktionen festgelegt wird, können die anderen es nicht verhindern. Die Opfer sind bisher diejenigen Klubs, die die Normen erfüllen, und diese Klubs gilt es zu schützen. Sie dürfen im Wettbewerb nicht geschädigt werden.

          Weitere Themen

          Emotionaler Abschied von Uli Hoeneß Video-Seite öffnen

          „Ich habe fertig“ : Emotionaler Abschied von Uli Hoeneß

          Seit 1970 war Hoeneß als Spieler, Manager oder Präsident beim FC Bayern tätig und wurde in dieser Zeit zu einer polarisierenden Persönlichkeit des deutschen und internationalen Fußballs. Am Freitag war es für den Weltmeister von 1974 an der Zeit, zu gehen.

          Topmeldungen

          Formel 1 in Brasilien : Ferrari flucht

          Verrücktes Finale beim Formel-1-Rennen in São Paulo: Die beiden Ferrari-Piloten schießen sich gegenseitig ab und scheiden nach der Kollision aus. Der Zoff der Stallrivalen bei der Scuderia eskaliert endgültig.
          Bleibt mehr Geld von der Betriebsrente?

          Betriebsrenten : Zusatzrente vom Chef

          Die Regierung macht Betriebsrenten attraktiver: Künftig werden weniger Krankenkassenbeiträge fällig. Vier Millionen Rentner dürfen sich freuen. Und was ist mit dem Rest?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.