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Länderspiel gegen die Türkei : Das ist Löws Plan

  • Aktualisiert am

„Wir müssen reden“: Auf der Pressekonferenz in Köln präsentiert Löw seinen Plan für die künftigen Spiele. Bild: dpa

Joachim Löw hat Redebedarf. Bevor es in der Nations League ernst wird, will der Bundestrainer Leistung von seiner zweiten Garde sehen und seiner Mannschaft klare Ansagen machen.

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          Die Sinnfrage des umstrittenen Türkei-Tests beantwortete Joachim Löw ohne jede Aufregung. „Solche Spiele sind immer dazu da, um zu sehen, welcher einzelne Spieler in naher Zukunft die Startelf verstärken kann“, sagte der Bundestrainer. Löw macht aus dem ursprünglich auch von ihm ungeliebten Auftritt am Mittwoch (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Nationalmannschaft und bei RTL) in Köln einen Bewerbungs-Wettbewerb für höhere Aufgaben. Drei Tage später im Corona-Risikogebiet in Kiew gegen die Ukraine (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Nations League und in der ARD) und weitere 72 Stunden später gegen die Schweiz gibt es nur ein Ziel: Es sollen unbedingt die ersten Siege in der Nations League gelingen.

          Fußball-Länderspiele

          „Jetzt im Herbst stehen wir vor einem unglaublichen Spagat, um die heiklen Aufgaben zu lösen“, sagte Löw nochmals zur Aufteilung seines Kaders in die Abteilung Testspiel und die Fraktion Punktspiele mit dem erst später angereisten Bayern-Block. Die sehr speziellen Herausforderungen in der Corona-Krise verlangen ein neues Herangehen. „Bis zum nächsten Jahr wird es eine neue und ungewohnte Belastung. So eine Saison hatten wir noch nie. Wir müssen schauen, dass die Spieler dauerhaft gesund und leistungsfähig sind“, sagte Löw. Deshalb müssten alle Verantwortlichen, auch in den Clubs, lernen zu rotieren.

          Nur 300 Zuschauer

          Die Hoffnung des DFB, dass 9200 Fans mit Freitickets ins Stadion kommen dürfen, erfüllt sich nicht. Angesichts der Infektionslage in Köln darf die Partie vor höchstens 300 Zuschauern stattfinden. Trainer und Spieler wollen sich davon nicht beeinflussen lassen. „Wir geben in jedem Länderspiel hundert Prozent“, versprach der nach England gewechselte Kai Havertz, den Löw in die Startelf stellt. „Gegen die Türkei ist ein gutes Spiel, um wieder reinzukommen, um die Jungs besser kennenzulernen. Wir versuchen, das Spiel zu gewinnen, um mit einem guten Gefühl in die beiden Nations-League-Spiele gehen zu können“, sagte der 21 Jahre junge Profi des FC Chelsea.

          Nur über Siege kann der viermalige Weltmeister wieder seine Strahlkraft erhöhen, die nicht erst mit der Corona-Krise verblasst ist. Schon zuvor blieben bei Länderspielen Stadionplätze leer, TV-Quoten schwankten. Zehn Monate war das DFB-Team wegen Covid-19 komplett von der internationalen Bühne verschwunden. Die Position des Profifußballs wird hinterfragt. Den Re-Start in der Hygiene-Blase mit zwei 1:1-Spielen in der Nations League gegen Spanien und die Schweiz stufte Löw – zumindest verspätet – als Enttäuschung ein.

          Löws Plan

          „Mit vielen Dingen war ich im Ansatz sehr zufrieden“, sagte Löw in Köln. Aber immer wieder gab es seit 2018 Unzulänglichkeiten, die seine Mannschaft „um den Lohn der Arbeit“ brachten. „Spielkontrolle und Organisation behalten, Effizienz im Abschluss verbessern“, führte Löw als Verbesserungspotenzial an. „Dann können wir fast jeden schlagen, wenn wir besprochene Dinge umsetzen.“

          „Natürlich ist es für die Trainer schwer mit so wenig Zeit. Aber damit müssen alle umgehen“, sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff zum Länderspiel-Dreierpack: „Es ist eine Herausforderung, dass eine Mannschaft auf dem Platz steht, die guten und leidenschaftlichen Fußball spielt.“ Löw wird einen Mix aus Neulingen, Spielern mit bisher wenigen Auswahleinsätzen und erfahreneren Profis auf den Rasen schicken. „Emre Can, Matthias Ginter, Antonio Rüdiger und Julian Draxler, die schon längere Zeit dabei sind, sollen die neuen Spieler führen und in die Verantwortung gehen“, kündigte Löw an. Der 27 Jahre alte Draxler darf wie beim Confed-Cup 2017 als Kapitän auflaufen.

          Zu wenig Training

          Löws Problem dabei: In nur einem richtigen Teamtraining konnte er nur wenige Abläufe einspielen und taktische Komponenten festigen. Die Spielidee vermittelte der Bundestrainer mit seinem Stab den Neulingen Mahmoud Dahoud (Dortmund), Jonas Hofmann und Florian Neuhaus (Mönchengladbach) zudem über Gespräche und Videosequenzen. „Wir wollen ihnen ein paar Lösungen an die Hand geben“, sagte Löw.

          Bierhoff vertraut der „sehr guten Qualität“ der Spieler und verwies auf vorhandene Automatismen: „Viele kennen sich aus den Jugend-Nationalmannschaften. Auch wenn sie aus verschiedenen Vereinen kommen, haben sie sehr schnell Spaß und können auf dem Platz auch gut kombinieren.“ Im Tor wird Bernd Leno Kapitän Manuel Neuer vertreten, der wie einige weitere Stammkräfte für die wichtigeren Punktspiele geschont wird. Gegen die Türkei dürfen sich die in Dortmund derzeit abgehängten Julian Brandt und Nico Schulz zeigen. Löws Vertrauen haben sie weiter: „Sie können schon in die Rollen reinwachsen in ihrem Verein.“ Den Anspruch an die zusammengewürfelte Elf formulierte Bierhoff: „Sie können zeigen, was in ihnen steckt.“

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