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Frauenfußball : Der Kunstrasenstreit ist beendet

Endgültig auf Kunstrasen: Die Deutschen starten das Turnier in Ottawa Bild: Picture-Alliance

Der Streit um den Bodenbelag für die Frauenfußball-WM in Kanada ist beigelegt. Nachdem für das Endspielstadion in Vancouver ein Kunstrasen modernster Qualität zugesichert wurde, haben die Spielerinnen ihre Klage zurückgezogen. Alle 40 Spiele werden nun auf Kunstrasen ausgetragen.

          Die 40 Spiele der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Kanada im kommenden Sommer werden ausnahmslos auf Kunstrasen ausgetragen. Die rund 60 internationalen Spitzenspielerinnen mit dem amerikanischen Superstar Abby Wambach und der deutschen Spielführerin Nadine Angerer an der Spitze haben ihre Klage vor dem Menschenrechtsgerichtshof des kanadischen Bundesstaats Ontario am Mittwoch zurückgezogen.

          Die Spielerinnen wollten vor Gericht ursprünglich erreichen, dass das Vorgehen des Internationalen Fußballverbands Fifa und des kanadischen Fußballverbands CSA als Diskriminierung gebrandmarkt wird. Im in Gleichstellungsfragen höchst sensiblen Nordamerika beschäftigte der doppeldeutig als „Turf War“ (Turf steht für Spielfeldbelag, „Turf War“ aber auch für Grabenkrieg) bezeichnete Streit seit Wochen die Sportöffentlichkeit. Die Spielerinnen verlangten, dass die WM schon aus Gründen der Gleichberechtigung, wie bisher üblich und bei den Männern geplant, auf Naturrasen stattfinden müsse. Ausrichter Kanada hatte derweil darauf verwiesen, dass es im Land wegen der schwierigen Witterungsbedingungen nicht möglich sei, Stadien mit Naturrasenspielfeldern zu stellen, die bessere Spieleigenschaften als die vorhandenen Kunstrasenstadien böten.

          Auslöser des Rückzugs der Klage war nun die Zusage, dass bis zum Turnierbeginn am 6. Juni im Endspielstadion von Vancouver ein neuer Kunstrasen modernster Prägung installiert werden soll. Der bisherige Belag dort hatte für den größten Unmut gesorgt. Spielerinnen wie Nadine Angerer oder Abby Wambach sprachen aus eigener Erfahrung von Spielen auf einem „betonähnlichen“ Untergrund und verwiesen auf teils schwere Abschürfungen von Mitspielerinnen. Superstar David Beckham hatte sich bei einem Gastspiel seines amerikanischen Klubs L.A. Galaxy sogar einmal geweigert, dort Fußball zu spielen. Ein Wechsel dieses Spielfeldes war das Hauptziel der Spielerinnen.

          Anwalt bezeichnet Frauenfußball-Protest als Erfolg für den Sport

          „Unsere juristischen Aktionen sind hiermit beendet“, sagte Abby Wambach gemäß einer von den Anwälten der Spielerinnen verbreiteten Mitteilung. „Aber ich bin hoffnungsfroh, dass die Bereitschaft der Spielerinnen, gegen Ungleichbehandlung bezüglich der Spielfelder zu kämpfen, den Beginn eines noch größeren Kampfs markiert, um faire Behandlung von Frauensport sicherzustellen.“

          Ihr Anwalt Hampton Dellinger bezeichnete den juristischen Feldzug der Spielerinnen trotz des Abbruchs als großen Erfolg. „Die gemeinsame, internationale Bemühung der Spielerinnen, gegen Diskriminierung aufzubegehren, hatte positive Auswirkungen“,  sagte Dellinger.  So sei nicht nur ein neues Spielfeld in Vancouver, sondern auch der zwischenzeitlich zugesicherte Einsatz von Torlinientechnik ein Erfolg. Diese wird auch bei den Männern eingesetzt.

          Zudem habe die Aktion den Fokus auf fortbestehende Geschlechterungleichheiten im Sport gerichtet. Die Spielerinnen hätten den Streit nun beendet, weil sie sich vor der WM auf den Sport konzentrieren wollten.

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