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Lücken beim BVB : Dortmund und der flatterhafte Charakter

  • -Aktualisiert am

Ratlosigkeit: Der BVB scheitert immer wieder an den selben Problemen. Bild: Picture-Alliance

Immer wieder erleidet Borussia Dortmund Einbrüche in der Leistung. Dies rächt sich nun, denn die Dortmunder müssen sich einer schmerzhaften Erkenntnis stellen: So sind sie bald nicht mehr das zweitbeste Team in Deutschland.

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          Eine schmerzliche Erkenntnis drängt sich auf für die Spieler, Trainer, Funktionäre und Anhänger von Borussia Dortmund, wenn sie den Blick in dieser Woche über die Landschaft des deutschen Fußballs schweifen lassen. Der BVB ist dabei, seinen Status als zweitbestes Team in Deutschland zu verlieren. In der Bundesliga steht RB Leipzig auf Platz eins, ein Konkurrent, den viele Dortmunder mit beinahe ebenso viel Abneigung betrachten wie den FC Schalke 04. Die Leipziger sind es auch gewesen, die dem großen FC Bayern in der vorigen Saison am weitesten in der Champions League folgen konnten, auf eine Halbfinalteilnahme, wie sie RB im Sommer gelang, wartet der BVB seit 2013 vergeblich. Und nun zum Auftakt der neuen Saison im edelsten Klubwettbewerb der Welt haben die Parvenüs aus Sachsen trotz mäßiger Leistung ziemlich ungefährdet 2:0 gewonnen. Pflicht erfüllt, Haken dran. Die Dortmunder werden sich hingegen noch etwas länger mit ihrer schlimmen Leistung bei Lazio Rom herumärgern müssen, die in eine 1:3-Niederlage mündete.

          Sicher, die Italiener sind ungleich stärker als der Leipziger Gegner Basaksehir Istanbul, aber das Gesamtbild stützt die These, dass das Ensemble des Trainers Julian Nagelsmann derzeit einen Schritt weiter ist. Und das liegt nicht nur an den Ergebnissen, sondern an der festgefahrenen Situation, in der die Dortmunder stecken. Üblicherweise ist das Erkennen des Problems der entscheidende Schritt zu einer sinnvollen Lösung, erst recht, wenn wie beim BVB ebenso besonnene wie kluge und erfahrene Fachleute die Weichen stellen. Doch Trainer Lucien Favre, Sportdirektor Michael Zorc, Lizenzspielerchef Sebastian Kehl und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke rekapitulieren, planen, investieren und transferieren – voran kommen sie nicht.

          Unseriöse Auftritte

          Immer und immer wieder erleben sie die gleichen Einbrüche wie in Rom. Unseriöse Auftritte, in deren Verlauf Teile der Mannschaft glauben, Siege wären auch mit halbem Einsatz möglich, ohne engagiertes Zweikampfverhalten, ohne Konsequenz bei gegnerischem Ballbesitz. Der Kampf gegen diese Krankheit zählt seit Jahren zu den Hauptmotiven der Transferperioden; Thomas Delaney, Axel Witsel, Mats Hummels, Erling Haaland, Emre Can und zuletzt der erfahrene Belgier Thomas Meunier wurden auch deshalb unter Vertrag genommen, weil sie den flatterhaften Charakter dieser Mannschaft stabilisieren sollen. Als willensstarke und zuverlässige Anführer, die andere Typen mitziehen können.

          Das ist schlüssig und nachvollziehbar, es ist schwer zu sagen, was die Verantwortlichen hätten besser machen können. Fünf dieser sechs Profis standen nun in Rom auf dem Platz, geholfen hat es nicht. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die ersten Kommentatoren die Verantwortung wieder beim Trainer suchen, Favre hat das schon mehrmals erlebt. Aber in diesem Fall wäre das eher ein neuerlicher Ausdruck von Ratlosigkeit. Denn es ist nicht der Trainer, der dafür verantwortlich ist, dass Fußballprofis konstant mit dem erforderlichen Engagement arbeiten. Dafür sind die Spieler schon selbst zuständig. Und an Haaland, dem einzigen überzeugenden Dortmunder in Rom, war zu sehen, dass das sogar in einem Team geht, dem Kehl mit gutem Grund eine „desolate“ Leistung vorhielt.

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