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Feiertags-Fußball in Italien : Krawalle und Rassismus

  • Aktualisiert am

Platzverweis für Kalidou Koulibaly: „Bin auf meine Hautfarbe stolz.“ Bild: AFP

Das Spitzenspiel der Serie A wird von einem Toten, Verletzten und offenem Rassismus gegenüber SSC Neapels Profi Koulibaly überschattet. Inter Mailand wird umgehend bestraft.

          Der italienische Fußball ist am zweiten Weihnachtsfeiertag von einem Todesfall überschattet worden. Beim Spitzenspiel der Serie A zwischen Inter Mailand und SSC Neapel (1:0) kam ein Anhänger der Gastgeber ums Leben. Darüber hinaus wurden mehrere Tifosi von Napoli verletzt, die Gemüter erhitzte außerdem ein Rassismus-Skandal.

          Nach dem Spiel wurde ein 35 Jahre alter Fan von Inter in der Nähe des Giuseppe-Meazza-Stadions von einem Van überfahren. Er erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Am Steuer des Unfallwagens habe ein Anhänger von Napoli gesessen, teilten die Behörden mit. Nach dem Fahrer werde noch gesucht. Italiens Innenminister Matteo Salvini bezeichnete den Todesfall als nicht hinnehmbar. Er kündigte ein Treffen mit dem Management beider Klubs und den Chefs der Fangemeinschaften an.

          Der Mailänder Polizeichef Marcello Cardona forderte, dass  Inter-Fans in dieser Saison keine Karten mehr für Auswärtsspiele bekommen und zudem die berüchtigte Inter-Fankurve fünf Spieltage geschlossen wird. Bei Zusammenstößen rivalisierender Fans im Anschluss an die Partie wurden zudem vier Neapel-Anhänger durch Messerstiche verletzt. In die Krawalle, die rund um das Stadion in San Siro ausbrachen, waren nach Medienberichten etwa 50 Personen verwickelt. Die Sicherheitskräfte verhinderten Schlimmeres. Cardona sprach von organisierten Krawallen. „Wir werden sehr hart mit den Tätern umgehen", kündigte er an. Am Donnerstag nahm die Polizei drei Männer fest, die offenbar an den Ausschreitungen beteiligt waren.

          „Koulibaly war einfach gereizt“

          Das Duell zwischen Inter und Napoli offenbarte zudem das zweite große Problem im italienischen Fußball. SSC-Profi Kalidou Koulibaly beschwerte sich nach seinem Platzverweis über wiederholte rassistische Beleidigungen. "Ich entschuldige mich für die Niederlage und vor allem dafür, dass ich meine Brüder im Stich gelassen habe. Aber ich bin stolz auf meine Hautfarbe, darauf, dass ich ein Senegalese bin, ein Franzose, Neapolitaner: ein Mann", twitterte der Abwehrspieler.

          Zwei Heimspiele ohne Zuschauer

          Die Spruchkammer des italienischen Verbandes hat Inter zu zwei Heimspielen vor leeren Rängen verurteilt. In einer weiteren Partie muss die Fankurve im Giuseppe-Meazza-Stadion leer bleiben, wie die Nachrichtenagentur ANSA am Dienstag berichtete. Koulibaly wurde nach dem Platzverweis für zwei Spiele gesperrt.

          Superstar Cristiano Ronaldo von Juventus Turin postete bei Instagram: „Nein zu Rassismus und zu jeder Straftat und Diskriminierung.“ Der frühere Bundesliga-Profi Kevin-Prince Boateng (US Sassuolo Calcio) schrieb in den sozialen Medien unter dem Hashtag #NoAlRazzismo: „Ich bin, Sie sind, wir sind alle Koulibaly.“

          Auch Neapels Trainer Carlo Ancelotti zeigte sich empört. Die Beleidigungen aus den Reihen der Inter-Fans seien der Grund, weshalb Koulibaly in der 81. Minute vom Platz gestellt worden wäre. Er hatte nach einer Gelben Karte dem Schiedsrichter applaudiert. „Koulibaly war einfach gereizt“, sagte Ancelotti. Dreimal habe er den Schiedsrichter aufgefordert, das Match wegen Beleidigungen zu unterbrechen. „Es gab zwar einige Durchsagen, die offenkundig nicht genügt haben. Beim nächsten Mal werden wir das Spielfeld verlassen, auch wenn wir verlieren“, so der frühere Bayern-Trainer.

          Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala verurteilte die Beleidigungen ebenfalls und beschrieb sie in einem Facebook-Post als „schandvolle Tat gegenüber einem wahren Athleten, der seine Hautfarbe mit Stolz trägt“. Er entschuldigte sich bei Koulibaly, auch im Namen der Bürger Mailands.

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