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Kosta Runjaic : Ein Fußballtrainer pendelt nach Polen

  • -Aktualisiert am

Etabliert in Polen: Kosta Runjaic ist Trainer bei Pogon Stettin. Bild: dpa

Ein Rheingauer in Stettin: Der Fußball-Trainer Kosta Runjaic geht nach Stationen in der zweiten Bundesliga einen ungewöhnlichen Weg. Nachdem der Sprung in die Bundesliga nicht gelang, hat er sich im Nordwesten Polens etabliert.

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          „Das passt schon so“, sagt Kosta Runjaic über die Tatsache, dass er berufsbedingt knapp 750 Kilometer von seiner Frau und seinen Kindern entfernt leben muss. Als der Fußballtrainer im November 2017 das Angebot bekam, Pogon Stettin zu übernehmen, um das Team vor dem Abstieg aus der polnischen Ekstraklasa zu bewahren, sagte er zu. Im Familienrat wurde entschieden, dass seine Familie „erst mal zu Hause bleibt“, so der heute 48-Jährige, der zuvor Darmstadt 98, den MSV Duisburg, den 1. FC Kaiserslautern und 1860 München trainierte. Seine Frau arbeitet als Zahnärztin, zwei seiner drei Kinder gehen zur Schule, der Älteste studiert. „Sie leben schön im Rheingau.“ Und wer weiß schon als Coach, wie lange ein Engagement dauert?

          Gut zweieinhalb Jahre später hat sich Runjaic im Nordwesten Polens etabliert. Pogon hat sich unter seiner Führung stetig verbessert. In der ersten Saison gelang der Verbleib in der Liga. In der zweiten der Sprung in die Play-offs. Und in der dritten stand das Team sogar achtmal an der Tabellenspitze. „Ich bin zufrieden“, sagt Runjaic, obwohl seine Mannschaft vor Abbruch der aktuellen Saison eine Leistungsdelle erlitt. Von den jüngsten fünf Spielen gingen zwei verloren, die anderen drei endeten 0:0. Hauptgrund für die Misere: Der beste Stürmer war verkauft worden. Adam Buksa wechselte zu New England Revolution in die amerikanische Profiliga MLS. „Pogon lebt von Transfereinnahmen“, sagt Runjaic. Auch Scouts aus der Premier League lassen sich öfter in Stettin blicken, die Nähe zu Berlin nutzend, in der Hoffnung, einen neuen Robert Lewandowski zu finden.

          Noch Hoffnung auf die Europa League

          „Wir schauen sehr gerne nach Deutschland“, sagt Runjaic über die Westbindung des polnischen Fußballs, hat dabei bereits den Blickwinkel seines aktuellen Gastgeberlandes eingenommen. Der Sohn jugoslawischer Eltern ist in Wien geboren, ehe er als Kind nach Hessen kam und deutscher Staatsbürger wurde. Das Training in Stettin leitet „Coach Kosta“, wie er genannt wird, in der „Fußballersprache“: Überwiegend auf Englisch, gelegentlich wird aber auch deutsch oder serbokroatisch gesprochen, manchmal polnisch.

          Vor der Neuaufnahme der Saison an diesem Freitag, bei der Stettin mit einem Heimspiel gegen den Tabellenelften Zaglebie Lubin in den 27. Spieltag startet, liegt das Team, dessen Stärke bei 27:23 Toren aus 26 Partien in der defensiven Stabilität liegt, auf dem sechsten Platz. Der Vorsprung zu den Nicht-Play-off-Plätzen beträgt fünf Punkte, der Rückstand zu einem Europa-League-Platz dagegen nur einen. Von den ausstehenden vier Partien der regulären Runde genießt das Team dreimal Heimrecht.

          Dass die Ekstraklasa zunächst mit einem vergleichbaren Hygienekonzept wie die Bundesliga agiert und ohne Publikum spielt, sollte dabei kein Nachteil sein. „Wir hatten zuvor auch nur drei- bis viertausend Zuschauer“, meint der Coach, was allerdings am Generalumbau des alten, hufeisenförmigen Florian-Krygier-Stadions liegt. Wenn es erst mal fertiggestellt sei, würden auch wieder fünfstellige Zuschauerzahlen erreicht. Vom 19. Juni an dürfen immerhin wieder bis zu einem Viertel der Plätze in den Stadien belegt werden, wie der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki am Freitag zum Start verkündet hat.

          Richtig viel los auf den Tribünen ist generell aber ohnehin nur bei Spitzenklub Legia Warschau und Gornik Zabrze, „dem FC Schalke von Polen“. Auch sportlich stagniert die polnische Liga in einem langen Formtief. In der Fünf-Jahres-Wertung der Uefa rangiert sie unter 55 Nationen auf Rang 29, hinter Kasachstan und Weißrussland, knapp vor Liechtenstein. In der Champions League muss der polnische Meister schon in der ersten Qualifikationsrunde antreten.

          Runjaic hat sich mit den Möglichkeiten gut arrangiert. In Stettin ist es für ihn „sehr angenehm zu leben“. Er mag die relativ kleine, „bunte Stadt“, die Nähe zur Ostsee. Sein Weg zum Training dauert keine zehn Minuten. Und auch die Entfernung zur Heimat weiß er zu überbrücken. Das vergangene Wochenende nutzte er für eine Stippvisite. Über Ostern sah er seine Familie zehn Tage am Stück im Rheingau, die notwendigen 14 Tage Quarantäne bei der Wiedereinreise nahm er in Kauf. Der Restart der Saison ist für ihn zugleich der Startschuss für eine lange Phase kontinuierlicher Arbeit mit Pendelbeziehung. Sein Vertrag wurde bis 2022 verlängert.

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