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Kommentar zur U21 : Noch keine Goldene Generation

Spaß haben sie: Mats Hummels, Dennis Grote, Chinedu Ede und Dennis Aogo beim Training Bild: dpa

U17 Europameister, U19 Europameister, U21 im Halbfinale. Die Erfolge des deutschen Nachwuchses sind keine Sensation, sondern waren überfällig. Endlich kann der Verband auf ein Ausbildungssystem blicken, das sich nicht verstecken muss.

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          Es war ein ziemlich müder Auftritt der „U 21“ gegen England: ohne Esprit, ohne Tordrang, ohne Dominanz. Aber im Ergebnis reichte das 1:1 gegen ein englisches B-Team ohne zehn Stammspieler dann doch noch für den Einzug ins Halbfinale der Europameisterschaft und damit eine neue deutsche Fußball-Wegmarke. Zum ersten Mal seit 1982, als die jungen Stürmer mit den langen Haaren und krummen Beinen noch Rudi Völler und Pierre Littbarski hießen, hat das deutsche Nachwuchsteam wieder die Chance, ein EM-Finale zu erreichen.

          Vor wenigen Wochen gewann zudem die „U 17“-Auswahl schon den EM-Titel im Endspiel gegen die Niederlande, und vor einem Jahr wurde auch die „U 19“ Europameister – nach schier endlosen sechzehn Jahren der jugendlichen Dürre im Deutschen Fußball-Bund. Wächst nun vielleicht auch in Deutschland mit „U 21“-Stars wie Manuel Neuer, Mesut Özil oder Sami Khedira sowie den jüngeren Titelgewinnern dahinter eine künftige „Goldene Generation“ heran, so wie zuletzt in Portugal und derzeit in Spanien?

          Die derzeitigen Erfolge entsprechen endlich dem Stellenwert

          Schön wär’s. Tatsächlich hat der DFB mit der Erfolgsserie vorerst nur die sportlich skandalöseste Entwicklung der jüngsten Vergangenheit hinter sich gelassen. In der desaströsen Bilanz der erfolglosen Jahre spiegelten sich die Unzulänglichkeiten in der systematischen Aus- und Weiterbildung von jungen Spielern und Trainern – und die grobe Missachtung des sportlichen Fundaments im Lieblingssport der Deutschen.

          Die derzeitigen Erfolge entsprechen nun endlich dem Stellenwert, der dem deutschen Fußball aufgrund seiner enormen Quantität an jungen Spielern schon längst hätte zukommen müssen. Dass der mitgliederstärkste Verband Europas mit seinen zahlreichen Talenten wieder in die Spitze zurückkehrt, ist daher keine Sensation, sondern angesichts der europäischen Kräfteverhältnisse eine überfällige Entwicklung. Matthias Sammer kommt dabei das Verdienst zu, als Sportdirektor die Kräfte in den vergangenen drei Jahren gebündelt zu haben. Der Europameister von 1996 hat der Nachwuchsarbeit ein erfolgreiches Gesicht gegeben – ungeachtet der jüngsten Kompetenzstreitereien mit Manager Bierhoff und Bundestrainer Löw. Es war ein langer Weg dorthin.

          Sammer konnte bei seinem Engagement von der Aufbauarbeit profitieren, die der frühere DFB-Präsident Mayer-Vorfelder im Jahr 2000 eingeleitet hatte. Nach manchen Wirrungen sorgte dann Bundestrainer Klinsmann mit seinem Vertrauen in die Jugend für Akzeptanz und größere Durchlässigkeiten auch bei den Profiklubs – und mit der Schaffung des Sportdirektor-Postens für eine systemrelevante Grundsatzentscheidung. Mittlerweile kann der deutsche Fußball auf ein Ausbildungssystem blicken, das sich nicht mehr wie noch vor fünf oder zehn Jahren hinter der innovativeren Konkurrenz verstecken muss. An der europäischen Spitze stehen Nachwuchs- und Trainerausbildung trotzdem noch nicht – aber der deutsche Fußball ist immerhin auf dem richtigen Weg.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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