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UEFA und Super League : Erfolg für die Abtrünnigen

Andrea Agnelli, Boss von Juventus Turin, wirbt umgehend wieder für die neue Liga: „Das beste Fußballspektakel aller Zeiten.“ Bild: AFP

Die Super League war nie wirklich weg. Die Drohkulissen der UEFA scheinen sich aufzulösen. Sie ist in der Defensive und kann nur hoffen, dass die Fans nicht überlaufen.

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          Die Reaktion der Europäischen Fußball-Union UEFA, die sich an ihrem Amtssitz am Genfer See gerne penibel an Schweizer Dienstzeiten hält, erfolgte zu nachtschlafener Zeit. Eine Stunde vor Mitternacht ging der Verband am Montag mit einem Statement zu einem Vorgang an die Öffentlichkeit, der an seinen Grundfesten rüttelt. Und räumte dabei kleinlaut ein, dass er die Gerichtsverfahren gegen Real Madrid, FC Barcelona und Juventus Turin nicht mehr weiterverfolgt. Und dass er auch die anderen neun Top-Klubs, die im Frühjahr eine Super League aus dem Boden stampfen wollten, nicht zur Kasse bitte.

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          Die Abtrünnigen hatten als Strafe für ihren Frevel, künftig auf eigene Rechnung gemeinsame Sache zu machen, ursprünglich 15 Millionen Euro für gute Fußballzwecke spenden sollen. Und sie mussten sich auf Druck des Verbandes zur Zahlung von 100 Millionen Euro verpflichten, falls sie es nochmals wagen sollten, an einem nicht von der UEFA genehmigten Wettbewerb teilzunehmen.

          Der Monopolist hat sich mit seinem Rückzieher dem Urteil eines Madrider Handelsgerichts gebeugt, das diese Forderungen mehrmals und zuletzt in der vergangenen Woche unmissverständlich erhoben hatte. Und UEFA-Präsident Čeferin mit einem persönlichen Verfahren drohte. Aber dass sich nun all ihre zahlreichen Drohungen und Kampfansagen über Nacht in Luft aufgelöst hätten, so weit ging die UEFA in ihrer in Details luftigen Erklärung dann doch nicht.

          Nur so viel steht in dem großen und noch längst nicht entschiedenen Kampf fest: Von den großen Worten und großen Gesten der UEFA im Kampf gegen eine Super League ist nicht viel übrig geblieben. Neben den finanziellen Strafen hatte der Verband den Klubs gedroht, sie von allen UEFA-Wettbewerben auszuschließen und die Nationalspieler von ihren Nationalteams. Zumindest diese Drohkulissen scheinen in sich zusammengebrochen. Und trotzdem will der Verband seinen Schatz weiter mit Zähnen und Klauen verteidigen.

          Keine Frage: Die Super League wird nach diesem Urteil auf die Tagesordnung des europäischen Fußballs zurückkehren. Um genau zu sein, war diese Idee selbst nach dem im April innerhalb von wenigen Tagen spektakulär gescheiterten Coup nie wirklich verschwunden. Die Organisatoren im Hintergrund sowie die drei Top-Klubs, die sich nicht beugten, haben stets an ihren umstürzlerischen Plänen festgehalten. Andrea Agnelli, Boss von Juventus Turin, hat nun umgehend wieder für die neue Liga geworben: „Das beste Fußballspektakel aller Zeiten.“

          Fünf Monate nach dem nur scheinbar erfolgreichen Abwehrkampf befindet sich die UEFA in der Defensive. Sie werde weiterhin alles Notwendige tun, um die Super League und jede andere Form einer abtrünnigen Liga zu stoppen, einschließlich aller Versuche, diese Pläne wieder auf den Tisch zu bringen, lässt der Verband tapfer verbreiten. Doch das klingt kraftlos. Und auch ein wenig ratlos. Jetzt will die UEFA wenigstens erreichen, dass der zuständige Richter in Madrid wegen Befangenheit abgelehnt wird. Und wünscht sich, dass die Fans in Europa, die im Frühjahr gegen die Super League auf die Straße gegangen waren, das Urteil bloß nicht als das ansehen, was es in Wirklichkeit ist: ein Erfolg für die Abspaltungspläne der Top-Klubs.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

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