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Kommentar zur Nationalelf : Nicht viel passiert

Nicht mehr als eine lockere Zwischenstation auf dem Weg zur WM nach Brasilien Bild: dpa

Nach den zwei Siegen über Kasachstan verabschiedet sich die Nationalelf schon wieder in die Sommerpause. Über die deutschen WM-Chancen für 2014 lässt sich nach diesem Halbjahr nicht seriös befinden.

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          Huch, schon wieder vorbei? Die Minusgrade im eisigen Nürnberger Stadion ließen die Vorstellung etwas surreal wirken. Aber tatsächlich hat sich die deutsche Nationalmannschaft mit dem 4:1 gegen Kasachstan gewissermaßen in die Sommerpause verabschiedet. Gut, Ende Mai, Anfang Juni steht noch die Testspielreise in die Vereinigten Staaten an.

          Da Joachim Löw aber schon angekündigt hat, seinen Vielspielern und -fliegern eine Pause zu gönnen, wird es sich bei dieser Tour eher um eine Bewährungschance für den deutschen B-Pool gehen als um echte Konzeptarbeit unter dem Etikett A-Nationalmannschaft.

          Philipp Lahm machte am Dienstag kein Hehl daraus, wie gern er sich diese Reise „sparen“ möchte. Schwerer tat sich der Kapitän hingegen mit einem (Zwischen-) Fazit des Länderspieljahres. „Es ist ja nicht viel passiert“, sagte Lahm mit Blick auf die drei Partien 2013.

          Womit er die Situation weitgehend auf den Punkt brachte. Mochte das stattliche 2:1 in Frankreich noch von einigem Wert für Moral und Selbstverständnis gewesen sein, vor allem vor dem Hintergrund der Verwerfungen des vergangenen Jahres, ließ sich das von den beiden Vergleichen mit Kasachstan gewiss nicht behaupten.

          Genau genommen hätten Joachim Löw und sein Team auf ein Double Feature dieser Art gut verzichten können. Der Bundestrainer hatte seine grundsätzliche Unlust an Pflichtübungen dieser Art schon vorher ausgedrückt, als er über eine Vorqualifikation für Gegner dieser Güteklasse sinnierte.

          Dass der Terminplan dann auch noch Hin- und Rückspiel innerhalb einer Woche zusammenführte, wirkte aus dieser Perspektive dann gleich doppelt überflüssig. Löw gab sich alle Mühe, die größtmögliche Ernsthaftigkeit von seinen Spielern einzufordern. Dass sie dem nur phasenweise nachkommen würden, wird ihm aber vorher klar gewesen sein.

          Lockere Pflichtübung: Am Ende steht doch ein sicherer 4:1-Sieg Bilderstrecke
          Lockere Pflichtübung: Am Ende steht doch ein sicherer 4:1-Sieg :

          Natürlich gab es allerlei Versuche, den Interpretationsapparat, der das deutsche Team überallhin begleitet, auch diesmal zum Laufen zu bringen. Doch was herauskam, waren keinesfalls gewichtige Erkenntnisse oder Antworten auf offene Fragen, sondern bestenfalls Tendenzen, die sich verfestigten.

          Dass Löw ein bisschen intensiver mit dem „falschen Neuner“ experimentieren würde, hatte er schon vor der EM angedeutet. Ob diese Sturmvariante allerdings auch gegen Teams der gehobenen Kategorie Erfolg verspricht oder vielleicht sogar den Weg zu einfachen Toren verbaut, ließ sich gegen die überforderten Kasachen nicht ablesen.

          4:1 gegen Kasachstan : Löw kritisiert Nürnberger Publikum

          Dass Ilkay Gündogan sich bei Löw mit einem weiteren beherzten Auftritt in den Status „unentbehrlich“ gespielt hat, ist erfreulich für ihn und das Team, sagt aber noch nichts über den Ernstfall eines großen Turniers. Auch wenn Teammanager Oliver Bierhoff und auch Löw es in diesen Tagen mit der Demut gegenüber der (südamerikanischen) Konkurrenz etwas übertrieben haben - über die deutschen WM-Chancen für 2014 lässt sich nach einem Halbjahr wie diesem tatsächlich nicht seriös befinden.

          Das deutsche Spiel mag sich, zumindest in Phasen, immer schneller drehen. Solange der Gegner dabei aber Kasachstan oder so ähnlich heißt, kreist das Team bei der Weiterentwicklung, von der Löw so gerne spricht, zwangsläufig um sich selbst.

          Christian Kamp
          (camp.), Sport

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