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Hoeneß-Rückkehr : Reden und schweigen

Sie wollten ihn wieder haben und er ist wieder da: Die Mitglieder des FC Bayern haben Uli Hoeneß ihr Ja-Wort gegeben. Bild: dpa

Die Mitglieder seines Vereins haben ihm ihr Ja-Wort gegeben. Warum nicht? Der resozialisierte Hoeneß taugt gewiss als Bayern-Präsident. Aber er taugt gewiss nicht mehr als moralische Instanz.

          Die Mitglieder des FC Bayern haben Uli Hoeneß ihr Ja-Wort gegeben. Dagegen ist von außen nichts zu sagen, schon gar nichts Moralisches. Hoeneß hat den FC Bayern so geschaffen, wie er heute ist, nun kriegt er etwas davon zurück. Und die Fans kriegen ihn zurück. Sie feiern ihn, als wäre der König aus dem Starnberger See wieder aufgetaucht.

          Das muss man nicht mögen. Aber selbst alle, die diesen FC Bayern nicht leiden können, sind auch ein Teil von dessen Erfolg und Anziehungskraft. Teil dessen, wie Hoeneß ihn schuf, als polares Modell, alles, nur nicht gleichgültig. Auch für sie ist es gut, dass es die Hoeneß-Bayern wieder gibt. Es existiert schon zu viel Verwechselbarkeit im Leben und im Fußball. Und wenn es überhaupt noch eine Chance geben kann, das Hamsterrad des Immer-größer-Werdens der großen Klubs zu stoppen oder wenigstens zu bremsen, des Immer-mehr-Verdienens, dieses globalen Nullsummenspiels, bei dem am Ende des Wettlaufs nur die Gehälter der besten Spieler immer weiter wachsen, nicht aber das, was sie dafür bieten – dann von einem Mann mit der Statur und dem Gespür eines Hoeneß.

          Der Andrang, die Aufregung, die Zustimmung, das war vorhersehbar bei der Wiederkehr des gefühlten Präsidenten als echter Präsident. Hoeneß hat der Versuchung widerstanden, sich allzu sehr zu sonnen in dieser Verehrung und große, markige Worte zu machen. Es ist vielleicht der größte Unterschied zwischen dem Hoeneß bis 2013, als seine Steueraffäre aufflog, und dem von 2016.

          Er taugt nicht mehr als moralische Instanz

          Früher trug der Mann, der einst als Einziger einen Flugzeugabsturz überlebte, eine Aura der Unverwundbarkeit vor sich her. Nun hat er seine Verwundbarkeit gezeigt, als er die Momente der Einsamkeit in der Zelle beschrieb. Das tut niemand, der genauso wirken will wie vorher; wie jemand, der nur eine „Erfolgsdelle“ in seinem Lebenslauf hat, so wie die, die er der Mannschaft vor dem Spiel gegen Leverkusen bescheinigte. Wie jemand, der nun mit Volldampf einfach ungerührt weitermacht.

          Der resozialisierte Hoeneß taugt gewiss als Präsident des größten deutschen Fußballklubs. Aber er taugt gewiss nicht mehr als die moralische Instanz in gesellschaftspolitischen Fragen, als die er sich nach dem Wechsel vom Manager- ins Präsidentenamt einige Jahre lang in Talkshows und öffentlichen Debatten gefiel. Das hat er verspielt, und er ist vermutlich klug genug, diese Rolle nun zu meiden. Einen Vergleich wie den von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der im Nachkarten über seinen früheren Trainer allen Ernstes den Medien „Parallelen von Kampagnenmustern gegen Guardiola mit denen beim Brexit und der US-Wahl“ vorwarf, wird man von ihm nicht hören. Genauso wichtig wie das, was der Präsident des FC Bayern künftig sagt, wird das sein, worüber er schweigt.

          Der resozialisierte Hoeneß taugt gewiss als Präsident des größten deutschen Fußballklubs. Aber er taugt nicht mehr als moralische Instanz.
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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