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Kommentar zur Gewalt im Fußball : Brandgefährliche Koalition

Auslöser für 500 Hausverbote und ein Vorbote neuer Gewalt: Dortmunder Randale in Schalke Bild: dpa

Renaissance der Gewalt: Das Zusammenwirken von alten „Hools“ und radikalen Ultras droht dem Fußball ein neues Problem zu bescheren.

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          Es hat nur wenig gefehlt, dass der deutsche Fußball nach rund 25 Jahren das erste Todesopfer nach Gewalttätigkeiten beklagen musste. Auch die Szenerie der Krawalle von Köln, bei denen ein vierzig Jahre alter Fan lebensgefährliche Kopfverletzungen erlitt, erinnerte an längst vergangen geglaubte Zeiten. Mitten in der Innenstadt – und nicht mehr irgendwo in einem abgelegenen Wald- oder Industriegebiet – waren am Samstag rund zwei Hundertschaften verfeindeter Fangruppen aufeinander losgegangen. Und mittendrin eine Gruppe, um die es seit vielen Jahren im deutschen Fußball ziemlich still geworden war: die Hooligans.

          Mit der Angst und Schrecken verbreitenden Straßenschlacht vor den Augen der Öffentlichkeit im Herzen einer deutschen Großstadt ist diese lange übersehene Gruppierung in das Blickfeld des deutschen Fußballs, der Polizei und der Politik zurückgekehrt. Die Reaktionen auf die Vorfälle von Köln ähneln dabei den Mustern der vergangenen Jahre, wenn prügelnde oder auch nur zündelnde Ultras in den Stadien für Schlagzeilen sorgten. Aber diesmal sind die polizeilichen und politischen Warnungen und Drohungen nur zu berechtigt.

          Renaissance der Hooligans

          Allzu oft wurde in der Vergangenheit vor allem mit Blick auf Pyrotechnik ein Gewaltproblem in den Stadien herbeigeredet, das mit den Statistiken und dem Sicherheitsgefühl der Besucher nicht immer viel zu tun hatte. Aber mit der Renaissance der Hooligans, die in Standorten wie Dortmund auch vom immer stärkeren Einfluss verschiedener rechtsextremer Gruppen und Kameradschaften politisch getrieben wird, droht ein Gewaltproblem heranzuwachsen, das es in sich hätte – und noch immer in übler Erinnerung ist.

          Die achtziger Jahre, in denen Hooligans regelmäßig prügelnd und verwüstend durch Innenstädte zogen, haben in Köln hässlich grüßen lassen. Erstmals ist dort ganz offensichtlich eine Koalition von bis zuletzt voneinander getrennten Fußball-Gewalttätern gemeinsam zu Werke gegangen, die dem deutschen Fußball und den Sicherheitskräften noch größere Sorge bereiten dürfte. Man muss jetzt noch nicht unbedingt von einer neuen Dimension der Gewalt sprechen, dafür hat es in jüngster Vergangenheit auch schon zu viele Gewaltexzesse in und um die Stadien gegeben. Aber eine neue Dimension der Bedrohung ist erreicht, wenn wie in Köln alte Hooligan-Gruppen mit gewaltbereiten Teilen der Ultras gemeinsame Sache machen. Ein Trend, den Experten nicht erst seit diesem Wochenende ausmachen.

          Man mag sich die Verhältnisse gar nicht vorstellen, wenn dauerhaft zwei Gewalttäter-Generationen in Stadien und Städten zusammenfinden sollten, die jahrelang nicht zusammen gehörten: Die alten „Hools“ und die radikalen Ultras – die Generation „40 plus“ und die Generation „20 plus“ als neue und brandgefährliche Koalition von Fußball-Straftätern.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

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