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Fifa-Kommentar : Die Korruption im Fußball ist männlich

  • -Aktualisiert am

Beim Fifa-Kongress in Zürich am Freitag wird ein Nachfolger für Joseph Blatter gewählt. Bild: AFP

99 Prozent Männer stimmen über die Zukunft der Fifa ab, die von der Gattung Mann in den moralischen Abgrund gesteuert wurde. Warum kriegt der Fußball keine Frau ab? Die Antwort ist simpel.

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          Was haben die Vereinigten Staaten und der Fußball-Weltverband gemeinsam? Nicht viel, würden jetzt die Funktionäre sagen, die in den Untersuchungszellen der amerikanischen Justiz einsitzen oder noch gejagt werden. Eine Sache aber doch: Weder die Vereinigten Staaten noch der Fußball-Weltverband hatten bislang eine Präsidentin. Hier endet die Gemeinsamkeit jedoch schon wieder, denn nur der Fußball-Weltverband hat es noch nicht einmal zu einer Kandidatin für die Präsidentschaft gebracht.

          Und warum kriegt der Fußball keine ab? Die Antwort ist simpel: Die guten Frauen machen längst woanders Karriere. Sie werden zum Beispiel Justizministerin in den Vereinigten Staaten wie Loretta Lynch und machen von dort aus der Fifa die Hölle so heiß, wie sie es in ihrer 112 Jahre währenden Geschichte noch nicht erlebt hat. Ja, das haben sie nun davon im selbstgewählten Testosteron-Ghetto: Sie müssen sich vorhalten lassen, dass keiner der von Frau Lynch angeklagten und auch keiner der von der Fifa geschassten Fußballfunktionäre weiblich ist.

          Dass die Korruption im Fußball also ein reines Produkt männlichen Unwesens ist. Wie sollte es auch anders sein, wenn Frauen dort keine Chance kriegen? Darüber hinaus ist denkbar, dass die Fifa mit ein paar Frauen mehr in ihren Zirkeln ohnehin in einem passableren Zustand wäre. Man hätte es probieren müssen: Schlechter als die Männer hätten sie es wohl nicht machen können. Und vielleicht wäre so in den Führungsgremien der Fifa wenigstens manchmal ein Argument mehr ins Gewicht gefallen als der richtige Kumpel am Tisch oder ein brauner Umschlag in der Anzugtasche.

          Es war natürlich schon immer schwer, eine Frau zu finden, die an der Hotelbar genug Bier vertragen kann, um dann, wenn die großen Entscheidungen fallen, noch aufnahmefähig zu sein. Oder entstammt dieses Lamento vielleicht einem Vorurteil? Naja. Das wird man ja wohl behalten dürfen, so lange im Fifa-Kongress an diesem Freitag 99 Prozent Männer über die Zukunft eines Verbandes abstimmen dürfen, der von der Gattung Mann in den moralischen Abgrund gesteuert wurde.

          So funktioniert die Wahl des neuen Fifa-Präsidenten. Bilderstrecke
          So funktioniert die Wahl des neuen Fifa-Präsidenten. :

          Der Druck muss schon groß sein, wenn sie zu ihrem neuen Council nun mehr zulassen wollen als eine einzige wirklich gewählte Frau plus zwei Darstellerinnen, wie das in der Fifa-Exekutive bisher der Fall ist – wobei es die Alibi-Frauen auch erst seit vier Jahren gibt. In Zukunft sollen es sechs sein. Super, oder? Man vergrößert das Gremium dafür von 25 auf 37 – also um zwölf. So werden die Rockträgerinnen mit Hilfe von neuen männlichen Pöstchenträgern gleich wieder neutralisiert.

          Überhaupt hört man aus dem Fifa-Umfeld, gewisse Exekutivmitglieder seien der Ansicht, dass man das Problem der Frauen-Rekrutierung ganz pragmatisch lösen sollte. Sie könnten einfach ihre Gattinnen mitbringen. So könnte man das Geld für das teure Fifa-Förderungsprogramm für Frauen in der Sportpolitik sparen. Und für den Kaffee wäre auch gesorgt.

          Fußball-Weltverband : Diese Reformen sollen die Fifa verändern

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

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