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VfB Stuttgart im Chaos : Am besten ohne Präsident

  • -Aktualisiert am

Lieber ohne Präsident als mit so einem: Wolfgang Dietrich ist beim VfB Stuttgart Geschichte Bild: dpa

Wolfgang Dietrich war beim VfB Stuttgart nicht mehr Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. Bei seinem Abgang bestätigt er zudem exakt die Meinung seiner Kritiker.

          Er ging, wie er oft genug war: polternd, selbstgerecht, zornig, einsam. Wolfgang Dietrich bestätigte an diesem Montag, als er sein Amt als Präsident des VfB Stuttgart hinschmiss, exakt die Meinung seiner von Woche zu Woche mehr gewordenen Kritiker: dass dieser 70 Jahre alte Mann an der Spitze des fünfmaligen deutschen Meisters im Zweifel spalte und auf keinen Fall versöhne.

          Einen Tag nach der atmosphärisch und technisch aus dem Ruder gelaufenen Mitgliederversammlung, bei der gemäß einem ordnungsgemäß eingereichten Antrag auch über seine eigene Absetzung abgestimmt werden sollte, was eine irreparable Panne beim Abstimmungsprozedere per Stadion-W-Lan verhinderte, loggte sich Dietrich selbst aus dem Klub aus. Per Facebook erklärte er ohne Rückkopplung mit dem VfB seine Demission, die garniert war mit Vorwürfen an seine härtesten, teils bedrohlich aggressiven Kritiker („ich lasse mir meine Würde und Ehre nicht von denjenigen nehmen, die ihre Macht lautstark und mit verbaler Gewalt demonstrieren“) und an den Verein, den er drei Jahre lang geführt hat. Er erwähnte Gegner, die sich „schon lange an den gut gefüllten Töpfen unseres Vereins bedienen wollen“. Und fuhr fort: „Ich kann und will nicht mehr einer Organisation vorstehen, die weder willens ist, sich mit mir gemeinsam diesen Interessen entgegenzustellen, noch in der Lage, den einwandfrei funktionierenden Ablauf einer Mitgliederversammlung zu gewährleisten.“

          Hätte am Sonntag gewählt werden können, wäre Dietrich, für dessen Abwahl 75 Prozent aller Voten der anwesenden 4500 Mitglieder nötig gewesen wären, womöglich krachend abgestraft worden. Und es waren nicht nur die ihm feindlich gesinnten Ultras, die Dietrich zu verstehen gaben, dass seine Zeit beim VfB vorbei sei. Einer, der auf rhetorisch geschliffene Weise mit dem Präsidenten abrechnete, sagte, was viele in der Mercedes-Benz-Arena fühlten: „Wenn man erkennen muss, dass man nicht mehr Teil der Lösung ist, sondern nur noch Teil des Problems, muss man gehen.“ Dietrich ging nicht, er verließ den Ort, an dem die runderneuerte VfB-Mannschaft mit neuem Trainer (Tim Walter) und neuem Sportdirektor (Sven Mislintat) in anderthalb Wochen das Unternehmen Wiederaufstieg in die Bundesliga angeht, fluchtartig, flankiert von einem Personenschützer.

          Pannenreich: Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart in der Mercedes-Benz Arena

          Drei Trainer, drei Sportvorstände, ein Abstieg: Dietrich, der mit hochfliegenden Europapokal-Träumen in sein Abenteuer auf dem Spielplatz Profifußball gestartet war, wechselte sein Führungspersonal im Kerngeschäft munter aus und fand erst in Thomas Hitzlsperger einen Sportvorstand, der zu neuen Hoffnungen Anlass gibt. Wie viel Porzellan beim wirtschaftlich trotz allem stabilen VfB betriebsintern schon zerschlagen war, zeigte auch der knapp und nüchtern bemessene Dank des Vereins nach Dietrichs Abgang.

          Die Stuttgarter, in den vergangenen Jahren an ein Kommen und Gehen diverser VfB-Präsidenten gewöhnt, müssen nun jemanden finden, der den Verein für Bewegungsspiele wieder vereint. So zerrissen wie sich die Schwaben am Sonntag und Montag zeigten, haben sie andere deutsche Klubs mit hohem Chaospotential wie den Hamburger SV oder früher den FC Schalke 04 locker überholt. Bis zum Herbst, wenn neu gewählt wird, kann der VfB auch eine Zeitlang ohne Präsident auskommen. Dafür hat Wolfgang Dietrich an seinem letzten Arbeitstag die besten Argumente geliefert.

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