https://www.faz.net/-gtl-842km

Nach Blatters Abgang : Woher eine Zukunft nehmen?

  • -Aktualisiert am

Zwei mögliche Kandidaten: Ali bin al Hussein (r.) und Michel Platini Bild: AP

Es war die amerikanische Justiz, die Blatter zum Rücktritt zwang. Nun muss unter den schwachen Funktionären jemand gefunden werden, der nicht Eitelkeit und Eigennutz frönt, sondern sich in den Dienst der Sache stellt.

          Der Fußball und seine Funktionäre allein hätten es wohl nie geschafft. Aber jetzt, da Präsident Joseph Blatter sich endlich gezwungen sah, die Verantwortung für die verheerenden Zustände im Fußball-Weltverband (Fifa) zu übernehmen, hat dieser Sport doch noch eine gewisse Chance, in eine seriösere Zukunft zu gehen. Der Verrat an der Leidenschaft von hunderten Millionen Spielern und Fans muss ein Ende finden, der zum Teil hemmungslose Diebstahl an den Ressourcen dieses weltumspannenden Kults eingedämmt werden. Das Problem sind die handelnden Figuren, Blatter hat es selbst gesagt, aber erst jetzt hat er sich selbst einbezogen in den Kreis derer, die weg müssen.

          Wahrscheinlich tat Blatter das ja nur, kurz bevor das morsche Gebälk der moralisch zerfressenen Nomenklatura ohnehin zusammengebrochen wäre. Selbstheilungskräfte waren es nicht, die der Fifa nun Luft schaffen für eine Erneuerung. Es war die amerikanische Justiz, die gegen ein Betrugs-Netzwerk in Lateinamerika ermittelt, dessen Fäden in vielfältiger Weise bis an den Fifa-Sitz nach Zürich reichen. Blatter, in 40 Jahren Fifa und 17 Jahren Präsidentschaft gestählt, hat wohl gedacht, er könnte auch diese Krise aussitzen wie alle anderen zuvor. Aber diesmal halfen seine gewohnten Manipulationen und Bauerntricks nicht mehr. Es wird sich zeigen, welche Entdeckung der amerikanischen Ermittler den 79 Jahre alten Walliser am Ende zu seinem einschneidenden Schritt gezwungen haben.

          Kommt der nächsten gierige Willkür-Herrscher?

          Blatters Wiederwahl zu seiner fünften Amtszeit am vergangenen Freitag war eine Farce – eine zum Himmel stinkende Demonstration, wie dieser verdorbene Verband seine Entscheidungen verschachert. Doch nun hat Blatters deutliche Bestätigung von Zürich sogar einen Vorteil. Es ist gut, dass die Fifa von einer erfahrenen Führungsfigur an einen Nachfolger übergeben wird. Hätte der Kongress überraschend Blatters Gegenkandidaten, den jordanischen Prinzen Ali zum Präsidenten gewählt, wäre der Weltverband von dessen korrupten Förderern weiter regiert worden, die jeder Strukturreform feindselig gegenüber stehen.

          Blatter hat verstanden, dass seine vor vier Jahren begonnenen Reformen nicht gegriffen haben, dass sie viel zu schwach waren. Auf dem Weg zu einem außerordentlichen Kongress will er mit einer seiner integersten Persönlichkeiten, dem Compliance-Chef Domenico Scala, endlich den Weg bereiten für eine neue Generation von Führungspersönlichkeiten, der es nicht nur darum geht, sich die Taschen vollzustopfen. Ob das gelingen wird? Dazu müsste unter den vielen schwachen Fußball-Funktionären der Welt jemand gefunden werden, der nicht seiner Eitelkeit und dem Eigennutz frönt, sondern sich in den Dienst der Sache stellt.

          Eine schwierige Aufgabe angesichts der schlappen Gegenwehr gegen Blatter bei der jüngsten Wahl. Und der zweifelhaften Figuren, die in der Fifa den größten Einfluss haben. Wird der Welt-Fußball es verhindern können, dem nächsten gierigen Willkür-Herrscher in die Hände zu fallen? Man kann nur hoffen, dass die amerikanischen Ermittler gründlich arbeiten und noch den einen oder anderen schamlosen Drahtzieher ans Licht ziehen. Die bessere Zukunft – sie ist mit Blatters Rücktritt noch lange nicht gewonnen.

          Weitere Themen

          Keine Mammut-WM in Katar Video-Seite öffnen

          Nur 32 statt 48 Teams : Keine Mammut-WM in Katar

          Wie die Fifa bekannt gab werden bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar genau so viele Teams wie in den letzten Jahren antreten. Zuvor hieß es, die Anzahl an teilnehmenden Nation sollte auf 48 Mannschaften aufgestockt werden.

          Die Erfolge des Niki Lauda Video-Seite öffnen

          Formel-1-Legende gestorben : Die Erfolge des Niki Lauda

          Der Österreicher Niki Lauda feierte in der Formel 1 große Erfolge und ließ sich auch von Unfällen und Verletzungen nicht unter kriegen. Die rote Kappe wurde zu seinem Markenzeichen. Mit 70 Jahren ist er nun im Kreis der Familie verstorben.

          Topmeldungen

          „Die Zerstörung der CDU“ : Das Rezo-Video im Faktencheck

          Klima, Wohlstand, Krieg und Protestkultur: Eine zornige Abrechnung wird zum Internethit. Was hält einer genaueren Betrachtung stand? Eine kritische Perspektive auf die vier zentralen Themen.

          Vor der Europawahl : Wie die polnische Jugend Frühlingsgefühle entwickelt

          Die neue linksliberale Partei „Wiosna“ (Frühling) des populären Politikers Robert Biedron mischt die politische Landschaft in Polen auf. Die Anhänger sind jung, nennen ihren Parteivorsitzenden „Robert“ und drängen auf einen Wandel in Polen – und Europa.
          Eine Frau wirft in Erfurt einen Brief wird in einen Briefkasten der Deutschen Post AG.

          FAZ Plus Artikel: F.A.Z. exklusiv : Das Briefporto steigt von 70 auf 80 Cent

          Jetzt ist es raus: Der Standardbrief kostet künftig 10 Cent mehr. Auch alle anderen Briefarten werden deutlich teurer – die Postkarte sogar um ein Drittel. Nur ihre Großkunden verschont die Post zunächst.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.