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Kommentar : Infantino ist ein Gewächs des Fifa-Systems

Für Erneuerung der Fifa steht Präsident Gianni Infantino nicht. Bild: dpa

Die Veröffentlichung das Garcia-Reports ergänzt das Bild vom enthemmt gierigen Funktionärszirkel um abstoßende Anekdoten. Das Bild der Fifa bleibt desaströs. Und es kommt noch schlimmer.

          Da kann Fifa-Präsident Gianni Infantino an einem neuen Image der Fifa werkeln, wie er will – die dunklen Schatten hängen weiter über der Züricher Zentrale des Internationalen Fußballverbandes. Jetzt werden aus einem zwischen 2012 und 2014 vom einstigen Chefermittler Michael Garcia erstellten internen Fifa-Report Details bekannt, die das manifestierte Bild bestätigen: Die Organisation, die im Dezember 2010 die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Qatar vergab, war verkommen.

          Garcia hatte dem Verdacht auf Korruption bei WM-Vergaben nachgehen sollen. Nachdem die „Bild“-Zeitung am Dienstag aus dem bis dahin zurückgehaltenen Report zitiert hatte, stellte die Fifa alle Dokumente auf ihre Website. Aber was ändert das? Tonaufnahmen während Fifa-Sitzungen, die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegen, beweisen, dass sich führende Funktionäre über Jahre gegen die Herausgabe des Reports gestemmt haben. Bis heute sitzen im höchsten Gremium des Weltverbandes, dem Fifa-Rat, Mitglieder, die verwickelt sind in die Machenschaften der dubiosen Doppelvergabe 2010 unter dem alten Patron Joseph Blatter.

          Einige, wie der Russe Witali Mutko, organisieren gerade den Confed Cup und die WM im kommenden Jahr. Sein Geschäftsführer Alexej Sorokin, 2010 Chef der Bewerbung, soll demnächst in den Fifa-Rat aufrücken. Auch Franz Beckenbauer, tief verstrickt im Skandal um das deutsche Sommermärchen, saß zu diesem Zeitpunkt im entscheidenden Fifa-Gremium und stimmte ab über die beiden Länder als nächste WM-Ausrichter. Danach erhielt Beckenbauer einen Werbevertrag – als Botschafter der russischen Gasbranche.

          Seit Jahren stellt sich die Frage, ob den erfolgreichen WM-Bewerbern aus Russland und Qatar eine gezielte Bestechung höchster Fußballfunktionäre nachgewiesen werden kann. Der frühere amerikanische Staatsanwalt Garcia hatte versucht, dafür Belege zu finden. Sein damaliger Kollege in der Fifa-Ethikkommission, Hans-Joachim Eckert als Chef der Spruchkammer, sah bei seiner Bewertung des Berichts keine ausreichend harten Beweise für ein Korruptions-Urteil.

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          Doch der Garcia-Bericht gelangte auch zu Staatsanwälten in den Vereinigten Staaten und der Schweiz. Die folgenden Ermittlungen führten zu den spektakulären Festnahmen in Zürich anlässlich des Fifa-Kongresses im Mai 2015. Zwar mahlen die Mühlen der Justiz langsam. Die Veröffentlichung von Garcias Bericht aber ergänzt das Bild vom enthemmt gierigen Funktionärszirkel um weitere abstoßende Anekdoten aus dem Selbstbedienungsladen Fifa.

          Das Erscheinungsbild der Organisation bleibt desaströs. Noch schlimmer: Der neue Präsident Infantino hat sich als Gewächs des Systems entpuppt. Für eine gewandelte, saubere Fifa steht der Schweizer nicht mehr. Zuletzt servierte er wichtige Leute in den mühsam aufgebauten Kontrollorganen der Fifa ab: Eckert, den Schweizer Borbély und den Portugiesen Maduro. Die geschassten Ethiker hatten offenbar gegen den Fifa-Präsidenten ermittelt. Schon im vergangenen Jahr musste sich Infantino einer Untersuchung im eigenen Haus stellen. Die von Infantino handverlesenen neuen Prüfer schrieben dem Präsidenten einen Freispruch. Verkündet wurde der nicht von der Ethikkommission, sondern von der Pressestelle der Fifa.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

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