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Fifa-Kommentar : Blatter muss bleiben!

  • -Aktualisiert am

Fifa-Präsident Joseph Blatter. Bild: AFP

Was würde sich ändern, wenn Joseph Blatter auf die Fifa-Sponsoren hörte und sofort zurückträte? Gar nichts, in jedem Fall zu wenig. Es ist besser für den Fußball, wenn der Präsident und Konsorten vorerst bleiben.

          Joseph Blatter hat recht. Was würde sich ändern in der Machtzentrale der Fifa auf dem Zürichberg, wenn der Schweizer auf den amerikanischen Hamburger-Brater, den Zuckersaft-Mischer, den Bierkonzern und die Plastikgeld-Experten hörte und wegen der staatsanwaltlichen Ermittlungen in der Schweiz sofort zurückträte statt erst im Februar? Gar nichts, in jedem Fall zu wenig.

          Falls der 79 Jahre alte Schweizer heute unter dem Druck der Sponsoren ginge, käme morgen sein Stellvertreter Issa Hayatou zur Tür hineinspaziert als pro forma legitimer Interimsnachfolger mit besten Erfahrungen, wie das so gelaufen ist unter dem lieben Sepp. Blindlings könnte sich Blatter darauf verlassen, dass sein Vizepräsident als neuer Steuermann den Fifa-Karren auf altem Kurs und ihn im Informationsfluss hält. Blatter hat viele Söhne herangezogen.

          Die Forderung von Coca-Cola und Visa, zwei der großen Fifa-Sponsoren, sowie der WM-Unterstützer McDonald’s und Budweiser wird der Patriarch nicht lange aussitzen können. Obwohl McDonald’s am Freitag nur kaltes Fastfood auftischte: „Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben den Ruf der Fifa und das Vertrauen in ihre Führung beschädigt.“ Sieh an! Doch die Macht des Geldes, wie Blatter zu gut weiß, schlägt alles in einem Fußballunternehmen.

          Vor allem aus Sorge vor einem Werteverfall, einem zählbaren, haben sich die amerikanischen Unternehmen zu Wort gemeldet. Weil sie – auch unter dem Eindruck der amerikanischen Ermittlungen – fürchten, statt mit Helden- nun mit Betrugsgeschichten aus dem Strafraum verbunden zu werden. Bei so einem Spiel werden diese Sponsoren nicht lange bleiben. Damit ist der wunde Punkt in der Familie des Patriarchen getroffen. Beim Geld hört die Freundschaft auch unter Verwandten im Fußball auf.

          Blatter tut so, als gingen ihn, den rechtmäßig Gewählten, die Ansichten der Geldgeber nichts an. Eine Vertreibung aus der Chefetage diene nicht der Fifa und würde, so ähnlich ließ er sich von seinem Rechtsbeistand zitieren, auch den Reformprozess nicht beschleunigen. Schon wieder hat er überwiegend recht. Was geschähe denn, wenn der 79-jährige Walliser nicht mehr alle paar Tage der Welt dokumentierte, wie betoniert die Fifa ist, wie großflächig die Verstrickungen, wie tief der Sumpf und wie schwer es fallen wird, ihn trockenzulegen?

          Je länger diese Vorstellung mit dem Hauptdarsteller dauert, desto besser ist sie für das Wohl – des Fußballs. Weil mit den fortgesetzten Possen die Einsicht wachsen wird, dass ein sauberes Match wohl nur mit einem neuen Verband möglich sein wird. Es ist ein hehrer Wunsch: Aber wer Blatter und Konsorten loswerden will, sollte ihn noch nicht vom Platz lassen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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