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WM-2006-Kommentar : Der DFB muss handeln

  • -Aktualisiert am

Der Druck wächst: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Bild: dpa

Wolfgang Niersbach mag nicht der große Betrüger sein. Aber als Führungsfigur des DFB ist er schon seit Wochen nicht mehr zu halten. Der Schaden wächst mit jedem Tag. Für den Fußball, aber auch für Niersbach.

          Sind das die ersten offiziellen Absetzbewegungen vom Präsidenten? Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) legte am Dienstag nach dem Auftritt der Steuerfahnder in den Räumen der DFB-Zentrale mehr oder weniger Wert auf diese Feststellung: Hier wird gegen Privatpersonen ermittelt, nicht gegen den Verband.

          Ob man das trennen darf oder muss ist zweitrangig. Allein die Formulierung weist auf die Distanzierung zu Theo Zwanziger, Horst R. Schmidt und eben Wolfgang Niersbach hin. Für die beiden ehemaligen Funktionäre interessiert sich der DFB weniger, wenn es darum geht, den eigenen Ruf zu retten.

          Der Letztgenannte, Niersbach, ist allerdings im Privat- wie im Berufsleben DFB-Präsident, rund um die Uhr, gut bezahlt, die nominelle Führung des größten Verbandes der Welt. Dass gegen ihn nun der Staat ermittelt wegen des Verdachtes der Steuerhinterziehung, ist keine Überraschung mehr nach den Teilgeständnissen der vergangenen Woche. Wenn man sie als solche überhaupt ernstnehmen darf.

          Überraschend ist eher, wie lange die Staatsanwaltschaft gebraucht hat, um Beweise zu sichern. Niersbach hat nach eigener Aussage schon im Sommer nachschauen lassen, was es mit der ominösen 6,7-Millionen-Zahlung auf sich hatte. Seit der öffentlichen Darstellung der Affäre sind nun fast weitere drei Wochen vergangen. Genügend Zeit also, klar Schiff zu machen oder den Gedächtnislücken weitere hinzuzufügen.

          Das sind Spekulationen. So wie niemand weiß, wohin die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft führen. Insofern gilt zweifellos die Unschuldsvermutung, auf die sich Funktionäre des DFB am Dienstag beriefen, als sie nach der zukünftigen Rolle von Niersbach befragt wurden. Dabei ändern die Hausdurchsuchungen nichts an dem Grundzustand des DFB, an seiner Führungslosigkeit, die ihn gleichzeitig handlungsunfähig macht in den großen, aktuellen Fragen der Sportpolitik.

          Das Erscheinen des Staatsanwaltes führt nochmal vor Augen, welche Dimension die Affäre angenommen hat und wie sie den Präsidenten eben nicht nur als Privatmann fesselt. Niersbach hatte schon vorher keinen Spielraum mehr, seinem Amt nachzukommen; als sportpolitischer Chef etwa auf internationaler Ebene die nötigen Reformen anzumahnen und national in Gesellschaft und Politik Stimmen zu sammeln für die Ausrichtung der Europameisterschaft 2024.

          Wer weiß mehr? Die Staatsanwaltschaft durchsucht auch die Häuser von DFB-Präsident Niersbach (l.) und Vorgänger Zwanziger  (r.) Bilderstrecke

          Niersbach mag nicht der große Betrüger sein. Aber als Führungsfigur eines DFB, der um seine Glaubwürdigkeit kämpft, ist er schon seit Wochen nicht mehr zu halten.

          Es ist bedauerlich, dass diese Argumente an dieser Stelle wiederholt werden müssen. Das liegt zuerst an Niersbachs Beharrlichkeit selbst. Aber auch das Präsidium des DFB hätte schon längst eingreifen und seinem Präsidenten deutlich machen müssen, dass dessen Zeit vorüber ist. Die potentiellen Nachfolger vermeiden es aus taktischen Gründen, sich vorzeitig aus der Deckung zu wagen. Deshalb wächst der Schaden mit jedem Tag. Für den Fußball, aber auch für Niersbach, den Privatmann.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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