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Kommentar zu Thomas Schaaf : Abgang zweiter Klasse

Thomas Schaaf wird am Samstag nicht auf der Bank des SV Werder Bremen sitzen. Bild: dpa

Otto Rehhagel saß 14 Jahre auf der Trainerbank und war bis zum letzten Spieltag beim Kampf um die Meisterschaft dabei. Mit Thomas Schaaf geht nun ebenfalls eine Ära bei Werder zu Ende - zuletzt aber ohne die großen Erfolge.

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          Eine Ära wie diese hätte einen großen Abgang verdient gehabt. In gewisser Weise gab es den auch. Am Samstag, als die Bremer Zuschauer nach dem im vorletzten Moment vollbrachten Klassenverbleib in besonderer Weise dem Trainer huldigten. Die Ovationen für Thomas Schaaf waren ein eindrucksvoller Beweis, dass über 40 Jahre Vereinstreue zu Werder, davon 14 als Cheftrainer, etwas Bleibendes geschaffen haben, vielleicht sogar etwas Singuläres.

          Etwas jedenfalls, das in der Wahrnehmung des Publikums zu Recht auch die jüngste sportliche Misere überdauern wird. So bleibt von diesem Tag, auch für Schaaf, ein letzter schöner Schnappschuss einer in Teilen wahrhaft goldenen Zeit, die den Bremern eine Meisterschaft, drei Pokalsiege und sechs Champions-League-Teilnahmen einbrachte.

          Ein versöhnliches Ende? Das kann man vielleicht für Werders annus horribilis sagen. Aber keineswegs für die Zusammenarbeit von Verein und Trainer. Jenseits des emotionalen Hochs vom Samstag sprechen die Umstände der Trennung eine andere Sprache. Die dürren und zugleich routinierten Worte der Mitteilung vom Mittwochmorgen, die Tatsache, dass sich keiner der Werder-Granden bei der anschließenden Pressekonferenz stellte und stattdessen Thomas Eichin mal wieder mit der unangenehmen Arbeit alleingelassen wurde - und schließlich der Verzicht Schaafs, beim letzten Saisonspiel am Samstag in Nürnberg auf der Bank zu sitzen. Das deutet bei aller Erschöpfung, die Schaaf zuletzt anzumerken war, auch auf erhebliche atmosphärische Störungen hin.

          Das ehemalige Erfolgsgespann bei Werder: Thomas Schaaf (links) und Klaus Allofs. Hier feiern sie zusammen den DFB-Pokalsieg 2009. Bilderstrecke

          Es passte einfach nicht mehr viel zusammen am Schluss. Werder wirkte wie zerrissen zwischen dem Wunsch, etwas Neues zu wagen, und dem großen Respekt vor Schaaf. Bei nüchterner Betrachtung jedoch konnte man die Augen nicht mehr davor verschließen, dass die Bremer auch auf dieser Schlüsselposition dringend frische Impulse brauchten.

          Auf dem Höhepunkt seines Schaffens stellte Schaaf im deutschen Fußball das dar, was Jürgen Klopp heute ist: Ein Trainer, der einen eigenen Stil geprägt hat, der Talente förderte und nicht wenige groß herausbrachte, der - zusammen mit Klaus Allofs - das eher kleine Werder zu einem Herausforderer der großen Bayern formte. Zuletzt aber hatte man immer mehr das Gefühl, dass sich Schaaf dem späten Otto Rehhagel annäherte. Der zwar noch für bestimmte Werte stand. Aber eben auch für fußballerischen Stillstand. Und der obendrein ein bisschen gefangen wirkte in seiner eigenen Welt.

          Fast auf den Tag genau 14 Jahre nach Schaafs Beförderung vom Amateur- zum Cheftrainer steht Werder wieder genau so da wie damals: sportlich und finanziell abgehängt. Das kann man einen Abstieg nennen. Soll nur keiner auf den Gedanken kommen, er sei Schaaf alleine anzulasten.

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