https://www.faz.net/-gtl-89zqm

DFB-Kommentar : Niersbachs Rücktritt ist nur der erste Schritt

Ein später und notwendiger Schritt: Wolfgang Niersbach tritt als DFB-Präsident zurück. Bild: AFP

Die entscheidenden Fragen in der WM-2006-Affäre bleiben auch mit dem Rücktritt von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach offen. Auf die politische Verantwortung muss nun die juristische folgen. Ein Kommentar.

          1 Min.

          Der Rücktritt von Wolfgang Niersbach als DFB-Präsident war ein später, notwendiger und schließlich trotz aller Beharrungskraft unvermeidlicher Schritt. Nachdem die Handschrift des Präsidenten verriet, dass er von den Zahlungen an Louis-Dreyfus schon seit 2004 wissen musste und nicht, wie er mehrmals behauptete, erst seit diesem Sommer, brach die Verteidigungslinie des bestens mit der Profiszene vernetzten Fußballpräsidenten in sich zusammen.

          Alle Solidaritätsbekundungen vom Bundestrainer über Klub-Manager, Sportdirektoren bis hin zu früheren Welt- und Europameistern halfen nicht mehr gegen das Offensichtliche. Niersbach stürzte über sein Krisenmanagement des Sommermärchens, weil er in einer wichtigen Frage nicht die Wahrheit sagte.

          Davon aber sagt Niersbach in seiner Abschiedserklärung kein Wort. Und der DFB-Präsident behauptet weiter, von den Hintergründen der „Zahlungsflüsse keinerlei Kenntnis“ gehabt zu haben. Niersbach übernahm damit nach 27 Jahren beim DFB allein die politische Verantwortung für die Schattenseiten um das Sommermärchen.

          Dieser Schritt war spätestens nötig geworden, als die Staatsanwaltschaft am vergangenen Dienstag die DFB-Zentrale durchsuchte und auch die Privathäuser von Niersbach sowie seines Vorgängers Theo Zwanziger und des früheren Generalsekretärs Horst R. Schmidt.

          Ein Präsident, gegen den die Steuerfahndung ermittelt, war und ist nicht fähig, in den höchsten Gremien des internationalen Fußballs, also in der Fifa und der Uefa, für eine Erneuerung der großen Fußballverbände zu kämpfen. Von seinen internationalen Ämtern allerdings, die ihm seine Präsidentschaft beim größten Fachverband der Welt einbrachten, möchte sich Niersbach nicht verabschieden.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Wie er dort seine hochdotierten Aufgaben für den DFB überzeugend wahrnehmen will, ist ein Rätsel. Aber wenn Niersbach auf diese Ämter verzichtet hätte, wären sie auch nicht automatisch in die Hände des DFB übergegangen. Denn die Wahl in die beiden Exekutiven ist eine persönliche Wahl, keine Entsendemission.

          Die entscheidenden Fragen allerdings bleiben auch mit dem Rücktritt offen: Wo ist das Geld hin, mit dem die Deutschen vorgaben, eine WM-Eröffnungsgala zu finanzieren, die niemals stattfand? Und welche Rolle spielten dabei der OK-Präsident Beckenbauer, Niersbach, der Berater Radmann, Schmidt und der frühere DFB-Präsident Zwanziger, der sich nun am Ziel eines Rachefeldzugs sehen dürfte, der den DFB zu zerreißen droht? Auf die politische Verantwortung muss die juristische folgen. Der Rücktritt ist nur ein erster Schritt.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Ronaldo und Higuain treffen Leverkusen

          0:2 gegen Juventus : Ronaldo und Higuain treffen Leverkusen

          Bayer spielt im neuen Jahr international nur noch in der Europa League. Die Werkself bekommt keine Schützenhilfe aus Madrid, trifft selbst nicht – und kassiert dann noch zwei Tore durch die Stürmerstars von Juventus.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.