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Fifa-Kommentar : Die Schlinge zieht sich zu

Die Einschläge für Noch-Fifa-Präsident Joseph Blatter kommen immer näher. Bild: dpa

Die Einschläge kommen Fifa-Patron Joseph Blatter immer näher. Auch gegen ihn gibt es neue Verdachtsmomente. Bis sich aber grundlegend etwas ändert, braucht es noch viel mehr Druck von außen aufs Fifa-System.

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          Die Zukunft des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) ist ungewisser denn je. Und das ist eine gute Botschaft. Ermittlungen von Staatsanwälten aus den Vereinigten Staaten und der Schweiz, auch die steigende Unruhe durch interne Untersuchungen sowie die Durchsetzung von Compliance-Strukturen und der andauernde Druck der Medien setzen der Organisation inzwischen so sehr zu, dass in immer kürzeren Abständen Brisantes zu möglichen Altlasten ans Licht der Öffentlichkeit kommt.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke musste in dieser Woche auf dem Weg zum WM-Countdown nach Russland mit dem Privatflieger umkehren, weil plötzlich Geschäftspartner schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben hatten. Diese behaupten, er hätte bei Ticketgeschäften Bestechungsgelder abkassiert. Der Franzose wurde bei der Fifa freigestellt.

          Damit kommen die Einschläge für Fifa-Patron Joseph Blatter, dessen Zeit beim Weltverband nach der Präsidentenwahl Ende Februar 2016 spätestens abläuft, immer näher. Auch gegen ihn gibt es neue Verdachtsmomente. Der Schweizer reist auf Anraten seiner Anwälte schon gar nicht mehr durch die Welt, weil er befürchten muss, dass die amerikanische Justiz bei einem Auslandsaufenthalt sofort einen Auslieferungsantrag stellen und ihn festsetzen würde.

          Generalsekretär Jerome Valcke (links) wurde suspendiert.

          Am vergangenen Montag nutzte die Justizministerin aus den Vereinigten Staaten, Loretta Lynch, ihren Aufenthalt in Zürich zu einer Pressekonferenz und kündigte an, dass die Untersuchungen gegen Fußballfunktionäre ausgeweitet würden. An ihrer Seite stand der Schweizer Bundesanwalt.

          Die amerikanischen Staatsanwälte betreiben wie im Fall der Schweizer Banken eine Zermürbungstaktik - vom Aufbau einer Drohkulisse bis zu Festnahmen, Auslieferungen und Verhören. Mit Milliarden mussten sich die betroffenen Geldhäuser, die mit dem Vorwurf der Beihilfe zur Steuerhinterziehung konfrontiert waren, beim amerikanischen Staat freikaufen. Das droht auch der Fifa.

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          Nach und nach wird hier die Schlinge der Strafverfolger zusammengezogen und Kooperationswillen erzwungen. Doch die meisten Funktionäre verharren in gewohnt selbstherrlicher Arroganz. Das könnte sie und die Organisation am Ende teuer zu stehen kommen. Dazu bedrohen die Fifa erhebliche Risiken in ihrem Kerngeschäft. Der Ukraine-Konflikt und die abstrusen Machtspiele des russischen Präsidenten Putin könnten weiterhin zu einem Boykott der WM 2018 führen.

          Bei allem zeigt sich: Es braucht noch viel mehr Druck von außen aufs Fifa-System. Das Gros der Funktionäre hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt und blockt. Statt Verantwortung zur Erneuerung zu zeigen, gehen die Mitglieder des Fifa-Vorstands in Deckung. Die benannte Arbeitsgruppe für Reformen ist eine Lachnummer und de facto nur ein Verhinderungsgremium für Reformen. Aus sich heraus ist die Fifa weiterhin nicht in der Lage, sich zu verändern.

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