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Kommentar zu Löws Maniküre : Im Zeichen der Feile

Feilte sich während des Qualifikationsspiels die Nägel: Bundestrainer Joachim Löw. Bild: dpa

Während des EM-Qualifikationsspiels gegen Gibraltar kümmerte sich Bundestrainer Joachim Löw um einen Fingernagel. Dafür muss er sich nicht nur auf Twitter allerhand anhören. Die Aktion wirkte respektlos gegenüber dem Gegner.

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          Dass sich Jogi Löw seinen Ausflug ins aktuelle Nagelstudio während des Spiels gegen Gibraltar auf seiner Trainerbank besser gespart hätte, wird auch der Bundestrainer spätestens beim Blick in die sozialen Netzwerke verstanden haben. #Jogifeilt ist dabei die netteste Variante über einen sorgsamen Bundestrainer, der sich um seinen eingerissenen Nagel genauso schnell kümmert, wie in der Halbzeit um die eingerissene Schlampigkeit im deutschen Europameisterschafts-Qualifikationsspiel. Allerdings wurde die deutsche Nagelschau in Faro mitunter auch als genau das wahrgenommen, was Löw vorgab, was es auf keinen Fall sein sollte: despektierlich.

          Wobei man sich natürlich schon fragen kann, wie man sich bei einem solchen Spiel überhaupt den Fingernagel einreißt: vor Nervosität etwa, weil man als Trainer ängstlich auf den Nägeln rumkaut, wie Löw einst beim 4:4 gegen Schweden? Wohl kaum. Oder etwa aus Langeweile, weil man auf der Bank nicht einfach umschalten kann, wie vor dem Fernseher? Am besten wäre es natürlich, wenn der Bundestrainer in der Halbzeit in Faro so kräftig auf den Kabinentisch gehauen hätte, dass es wenigstens ein bisschen weh tat, weil seine Spieler in der ersten Halbzeit so zaghaft gespielt hatten, als wären sie vor dem Strandurlaub lieber zur Pediküre gegangen als auf den Fußballplatz.

          Löw selbst empfand das als einen Auftritt an der „Grenze zur Arroganz“. Und folgte daraufhin sein ausgefeilter Konter in Richtung seiner Spieler: Was ihr könnt, kann ich allemal? Aber all das blieb selbstverständlich Jogi Löws und seiner Weltmeister gut gehütetes Geheimnis. Immerhin können die deutschen Fußballfans mit Blick auf die nahende Europameisterschaft 2016 in Frankreich beruhigt sein: Der Deutsche Fußball-Bund und sein Bundestrainer haben offenkundig immer das richtige Werkzeug griffbereit, selbst für die geringsten Mikrorisse im sensiblen Gefüge einer Fußballmannschaft. Oder hatte Löw etwa tatsächlich geglaubt, er könne die kleine Schönheitsreparatur ganz ohne öffentliches Aufsehen erledigen? Dabei ist doch die Bank eines deutschen Bundestrainers bekanntlich mindestens so gut überwacht wie das Handy einer Bundeskanzlerin.

          Ähnlich befremdlich wie die letzten Feilarbeiten im Weltmeisterteam erschien dabei nur die mediale Nachbearbeitung in der Mixed Zone. Also dort, wo die Medienleute nach einem Fußballspiel mit den Spielern gewöhnlich über Fußball sprechen. Aber diesmal brannte es ihnen so unter den Nägeln, dass kaum ein Spieler unbehelligt die Mikrofone passieren konnte, ohne vom Boulevard bis hin zu den Öffentlich-Rechtlichen nicht nach ihrem neuesten Erkenntnisstand bei des Bundestrainers Nagelprobe ausgehorcht zu werden. All die Wogen der Erregung um ein deutsches Spiel im Zeichen der Feile werden sich in den nächsten Urlaubstagen der deutschen Fußballmänner aber ganz schnell wieder glätten. Die geballte Aufmerksamkeit der Fans und des Fernsehens richtet sich nun nach Kanada auf die Weltmeisterschaft der Frauen. Silvia Neid sollte gewarnt sein.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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