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Kommentar : Kein Freispiel für den DFB

Mit aggressiven Plakaten machen die Gegner der DFB-Akademie mobil Bild: dpa

Frankfurts Bürger entscheiden, ob auf dem Gelände der Galopprennbahn die DFB-Akademie entsteht. Die Gegner der Pläne gehen aggressiv und feindselig vor – so kennen das die Herren des Fußballs nicht.

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          Am Samstag kämpfen die Fußballfrauen von Silvia Neid bei der Weltmeisterschaft um den Einzug ins Viertelfinale und die Jungs von Horst Hrubesch um die Qualifikation fürs Halbfinale bei der U21-Europameisterschaft. In Kanada wie in Tschechien geht es dabei auch um ein Stück Zukunft für den deutschen Fußball - und Millionen Zuschauer werden den beiden Nationalteams dabei die Daumen drücken.

          Nirgendwo jedoch steht für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) an diesem Wochenende so viel auf dem Spiel wie in Frankfurt, wenn dort die Bürger darüber abstimmen, ob die Akademie des Verbandes in ihrer Stadt entstehen und die Pferderennbahn dafür weichen soll. Es ist das wichtigste Projekt des DFB seit Einführung der Leistungszentren. Und nicht weniger als die Grundlage für künftige Erfolge.

          Die Gegner des Deals zwischen Stadt und Verband haben zuletzt in einer Weise gegen das Zukunftsprojekt mobil gemacht, wie es der Fußball in diesem Land bisher nicht kannte: aggressiv und feindselig. Ansonsten wird dem Fußball hierzulande von der Politik überall und immerzu der rote Teppich ausgerollt (außer in Bremen), die Sponsoren rennen Verband und Vereinen die Bude ein, und auch die Menschen können nicht genug von ihrem Lieblingssport bekommen, wie die Einschaltquoten bei der Frauen-WM und der Nachwuchs-EM eindrucksvoll belegen.

          Nun aber werden dem DFB und vor allem der Stadt Frankfurt zum Teil unrealistisch hohe Zahlen um die Ohren gehauen, mit denen die Politik die 89-Millionen-Unternehmung des steinreichen DFB subventioniere. Und auf Plakaten ist DFB-Präsident Wolfgang Niersbach neben Fifa-Chef Joseph Blatter unter dem Schriftzug „Klüngel“ abgebildet. Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalelf, findet es „geschmacklos“, dass die Dinge so sachfremd miteinander verbunden würden.

          Anforderungen für Kippen des Projekts sind hoch

          Wundern sollte sich der Markenexperte Bierhoff darüber aber nicht: Die Skandale haben natürlich auch den Markenkern der Fifa beschädigt - und damit auch alle anderen Verbände, die dieses System nie ernsthaft bekämpften. Wie sollte es auch anders sein? Erstmals spürt der DFB bei dieser Kampagne gegen sein Vorzeigeprojekt nun auch am eigenen Geschäft, dass sich der geliebte Fußball nicht mehr so einfach von der teils verachteten und korrumpierten Funktionärskaste trennen lässt, die den Fußball ohne Scham und Skrupel über Jahrzehnte verhökerte.

          Die Olympiabewerber nicht nur in München haben die Erfahrung, dass der Schmutz nicht einfach in den Funktionärsanzügen hängen bleibt, schon gemacht. Und auch Hamburg wird damit noch zu kämpfen haben. Dass der Bürgerentscheid die DFB-Akademie auf dem Rennbahngelände tatsächlich kippt, ist jedoch unwahrscheinlich. Dafür sind die Anforderungen wohl zu hoch. Es müssten mehr Bürger gegen das Projekt votieren, als der Frankfurter Oberbürgermeister bei seiner Wahl an Stimmen auf sich vereinigte.

          DFB muss für Interessen werben und kämpfen

          Die Planungen der DFB-Akademie entstanden in einer Zeit, in der den Fußballfunktionären jeder Wunsch noch wie selbstverständlich von den Lippen abgelesen wurde. Die Stadt Frankfurt zeigte sich entsprechend entgegenkommend, um den umworbenen DFB, der mit seiner Akademie auch ganz leicht woanders unterkommen könnte, weiter an sich und seinen traditionellen Standort zu binden.

          Dafür gibt es genügend gute Argumente. Dass in diesen Tagen aber auch der DFB einmal für sich und seine Interessen werben und kämpfen muss, ist nicht die schlechteste Erfahrung, die den Herren des Fußballs durch den Bürgerentscheid in Frankfurt aufgezwungen wird.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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