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Kommentar : Wie der DFB die Frauen außen vor lässt

Bibiana Steinhaus ist die einzige Schiedsrichterin im deutschen Profifußball. Bild: Picture-Alliance

Frauen haben im Männerfußball nichts zu suchen. Im DFB ist das eine Tatsache, keine Meinungsäußerung. Mit dem harten Urteil gegen den Düsseldorfer Demirbay macht es sich der Verband daher zu leicht.

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          „Ich finde, Frauen haben im Männerfußball nichts zu suchen.“ Für diesen Satz soll der Düsseldorfer Fußballprofi Kerem Demirbay für fünf Spiele vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) gesperrt werden, zwei Begegnungen davon sollen zur Bewährung ausgesetzt werden. Der Satz fiel gegenüber Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus, die Demirbay zuvor beim Spiel gegen den FSV Frankfurt vom Platz gestellt hatte.

          In der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB gibt es den Paragraphen 9, Punkt 2, auf den sich der Kontrollausschuss, der die Strafe beantragt hat, offenbar bezieht: „Wer die Menschenwürde einer Person oder einer Gruppe von Personen durch herabwürdigende, diskriminierende oder verunglimpfende Äußerungen oder Handlungen verletzt, wird für mindestens fünf Wochen gesperrt.“ Es gibt allerdings auch den Artikel 5 im Grundgesetz. Er regelt und garantiert die Meinungsfreiheit. Und die Meinung, dass man findet, Frauen hätten im Männerfußball nichts zu suchen - die kann man haben. Man muss sie sogar haben, wenn man sich die Tatsachen vor Augen führt.

          Eine Frau unter fünfzig Vorständen

          Im knapp fünfzigköpfigen Vorstand des Deutschen Fußball-Bundes findet sich eine einzige Frau: Hannelore Ratzeburg. Sie ist zuständig für Frauen- und Mädchenfußball. Bedeutet also: Frauen haben hierzulande im Männerfußball nichts zu suchen. Das ist im Vorstand des DFB keine Meinungsäußerung, sondern Tatsache.

          Dass mittlerweile über zehn Prozent der rund 6,9 Millionen Mitglieder im DFB Frauen und Mädchen sind, spiegelt sich in der Führung nicht annähernd. Auch unter Führungskräften im Internationalen Fußball-Verband (Fifa) oder der Europäischen Fußball-Union haben Frauen bisher nichts verloren. Außer man zählt Loretta Lynch als Akteurin dazu. Amerikas Justizministerin bringt die Fifa-Männer reihenweise hinter Gitter. Wenigstens will die Fifa nun einen gewissen Frauenanteil in den Führungsgremien festschreiben.

          Im sogenannten deutschen Schiedsrichterwesen aber gilt: An die Pfeife dürfen seit über 50 Jahren in der Bundesliga ausschließlich Männer. Und bis 1970, man darf daran erinnern, hatten die DFB-Männer den Frauen den Frauenfußball verboten. Bibiana Steinhaus wiederum, eine herausragende Schiedsrichterin, hat längst das Zeug dazu, auch in der ersten Liga Spiele zu leiten: auf dem Platz, nicht nur als vierte Offizielle am Spielfeldrand. Seit acht Jahren pfeift sie als einzige Schiedsrichterin in der zweiten Liga, in den Kreis der 23 Bundesliga-Schiedsrichter ist sie trotzdem nie aufgestiegen.

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          Während also die Wirklichkeit im Männer-Fußball ihre ganz eigene Gender-Sprache spricht und Pep Guardiola Frau Steinhaus an der Seitenlinie ungestraft betatschen darf, kann man sich des Eindrucks nur schwer erwehren, dass mit dem harten Urteil an einem weitgehend unbekannten Profi auch ein Exempel statuiert werden soll. Damit würde es sich der Deutsche Fußballmänner-Bund zu leicht machen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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