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Kommentar : Vom Handschlag zum Schadensfall

Die Zweierkette der IG Nationalmannschaft: Löw und Bierhoffs Zukunft wird in Südafrika entschieden Bild: dpa

Erst die Weltmeisterschaft, dann die Vertragsverlängerung: Löw, Bierhoff und Co. müssen sich bewähren. Die monatelang demonstrierte Einigkeit im DFB ist offenbar verloren gegangen zwischen Kompetenzgerangel und Streit ums Geld.

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          Die Vertragsverlängerungen von Löw, Bierhoff und Co. sind vertagt. Erst nach der Weltmeisterschaft wird nun entschieden, ob das Team weiter für die erste Auswahl des deutschen Fußballs verantwortlich sein kann. Das ist ziemlich erstaunlich angesichts der monatelang demonstrierten Einigkeit und eines angeblich schon per Handschlag geschlossenen Vertrages. Neben dem permanenten Kompetenzgerangel um die U 21-Nationalelf mit Sportdirektor Sammer soll es mittlerweile vor allem ums Geld gehen.

          In der außerordentlichen Tarifauseinandersetzung waren die IG Nationalmannschaft und der Arbeitgeberverband Deutscher Fußball-Bund (DFB) offenbar so weit voneinander entfernt, dass eine Einigung vorerst nicht mehr möglich ist. Die IG mit Verhandlungsführer Bierhoff mochte offenbar ein Gesamtpaket verwirklichen, das sowohl Kompetenz- als auch Honorarzuwächse für den Trainerstab mitsamt Chefscout vorsah, das der DFB nicht akzeptieren wollte. Durch das Scheitern der Vertragsverlängerung erweckt der DFB den Eindruck, dass der Bundestrainer und seine Helfer maßlose und völlig unzeitgemäße Forderungen erheben. Es ist aber nur schwer zu glauben, dass die Eckdaten erst jetzt auf den Tisch kommen, nachdem schon im Dezember die Vertragsverlängerung als reine Formsache verkündet worden war.

          Das Vertrauensverhältnis von Zwanziger zu Bierhoff hat gelitten

          Es fällt auf, dass DFB-Präsident Zwanziger zuletzt immer nur großes Interesse an einer schnellen Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem Bundestrainer bekundete. Von diesem ausdrücklichen Wunsch blieb Manager Bierhoff ausgespart. Spätestens seit dem ersten öffentlichen Streit mit Sportdirektor Sammer hat das Vertrauensverhältnis von Zwanziger zu Bierhoff gelitten. Der Manager hat auch in Generalsekretär Niersbach keinen großen Freund – und der Aufgabe eines Nationalmannschaftsmanagers wird beim DFB längst nicht mehr so eine entscheidende Bedeutung wie zu Zeiten des Bundestrainers Klinsmann beigemessen. Das Trainerteam gilt dem Verband als unentbehrlich, der Manager anscheinend nicht. Der Eindruck drängt sich auf, dass dem DFB nun auch daran gelegen ist, Bierhoff aus dem Verhandlungspaket herauszulösen.

          Der Trainer und sein Vermarkter: Löw und Bierhoff (r.) haben wohl zu hohe Bonuszahlungen gefordert

          Bemerkenswert ist zudem, dass vertrauliche Inhalte der Vertragsgespräche, die besonders auf Bierhoffs angebliche Forderungen zielen, veröffentlicht wurden, bevor das Präsidium des DFB am Donnerstag zusammenkam. Man darf sich in diesem Zusammenhang an Klinsmanns Wort von der „Informationskorruption“ beim Deutschen Fußball-Bund erinnern. Der Schaden im Vertrauensverhältnis zwischen der Führung der Nationalmannschaft und des Deutschen Fußball-Bundes dürfte so schnell nicht mehr zu beheben sein.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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