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Kommentar : Völlers Makel

  • Aktualisiert am

Völler nach der Niederlage Bild: dpa

Durch das peinliche 1:5 in Rumänien ist ein wenig von dem Urvertrauen verspielt, das die deutschen Fans ihrer Mannschaft und dem Teamchef nur zu gerne entgegenbringen.

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          Es ist mal wieder einer dieser Tage, da Deutschland seine Fußball-Nationalmannschaft seziert. In solchen Augenblicken wie dem von Bukarest schauen nicht nur wie gewohnt Millionen Fußballfans ganz genau auf die Auswahl von Rudi Völler. Denn immer dann, wenn diese Institution Schaden nimmt, erfüllt sich der Begriff vom deutschen Volkssport mit neuem Leben.

          Dann reden nicht alle übers Wetter, sondern über Fußball. Diesmal ist der Anlaß eine 1:5-Niederlage gegen Rumänien, mit der sich die ungläubige Frage verbindet, wie ein Weltmeisterschaftszweiter gegen eine junge Mannschaft, die sich nicht einmal für die kommende Endrunde der Europameisterschaft qualifizieren konnte, schon zur Halbzeit 0:4 zurückliegen kann. Das hat es seit Menschengedenken nicht mehr gegeben.

          Die Ausschläge bei den Auftritten des dreimaligen Welt- und Europameisters fallen in den zurückliegenden Jahren wie das Klima immer extremer aus - die Schönwetterperioden werden dabei allerdings immer seltener, Ergebnisse wie Donnerschläge dagegen regelmäßiger: 1:5 gegen England 2001, 1:4 gegen Holland 2002, 0:3 gegen Frankreich 2003 - und nun als Tiefpunkt ein 1:5 bei den Rumänen. Zu den Niederlagen mit Gewitterneigung gesellen sich dürre Siege gegen Färöer und Co. Die Befunde, die mit diesen kärglichen Auftritten in der Ära Völler einhergehen, ähneln sich allesamt: Die technischen Grenzen der Deutschen werden immer dann besonders auffällig, wenn auch Einstellung und Aufstellung nicht stimmen.

          In Bukarest hat sich Rudi Völler zu einem gut Teil für die Niederlage verantwortlich erklärt, weil er mit Jeremies und Ramelow in der Innenverteidigung ein waghalsiges Experiment eingegangen war, das er viel zu spät abbrach. Bei allen Qualitäten, die der Teamchef besitzt, gehört es offenkundig nicht zu seinen Stärken, von Beginn an das passende Personal und die entsprechende taktische Ausrichtung zu finden. Immer wieder hat die Nationalmannschaft an ihren schwarzen Tagen auch mit den Vorgaben ihres Teamchefs und seines Helfers Michael Skibbe zu kämpfen gehabt. Erst die Vorstellung, seine Vorgänger Erich Ribbeck oder Berti Vogts hätten sich solch bitter bestrafte Patzer sechs Wochen vor einem großen Turnier geleistet, zeigt, wie groß der Bonus und die Hoffnung immer noch sind, die sich mit Völler verbinden.

          Nach dem Desaster von Bukarest hat DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder von einem internationalen Ansehensverlust gesprochen. Damit liegt er richtig. Über den Ausgang der Europameisterschaft im Juni in Portugal ist damit freilich noch nichts gesagt. Aber zweifellos ist ein wenig von dem Urvertrauen verspielt, das die deutschen Fans ihrer Mannschaft und dem Teamchef auch im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2006 nur zu gerne entgegenbringen.

          Völler und seine schwer geschlagenen Nationalspieler befinden sich nun in der unangenehmen Lage, die Last von Bukarest bis zum Auftaktspiel gegen die am Mittwoch nach Startschwierigkeiten überzeugenden Holländer am 12. Juni als Ballast mit sich herumschleppen zu müssen. Kraft und Zuversicht wollten sie in Rumänien gewinnen. Aber nun wird die Europameisterschaft zu einer Bewährungsprobe für Völler und sein Team - ohne jede Rückversicherung.

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