https://www.faz.net/-gtl-u59j

Kommentar Sport : Alltags-Schnäppchen

Der Aachen-Münchener: Jan Schlaudraff Bild: dpa

Der Wechsel von Jan Schlaudraff von Aachen nach München lässt sich aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Rein ökonomisch betrachtet, gibt es bei diesem Geschäft nur Gewinner. Ein Grundsatz der Münchner Transferpolitik ist aber nicht zu erkennen.

          2 Min.

          Der Wechsel von Jan Schlaudraff von Alemannia Aachen zum FC Bayern München lässt sich aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Rein ökonomisch betrachtet, gibt es bei diesem Geschäft nur Gewinner - eine sogenannte Win-win-Situation, die Manager lieben. Der Stürmer des Aufsteigers wird im kommenden Sommer für eine festgeschriebene Ablösesumme von einer Million Euro zum Rekordmeister gehen, und weil das im Fußballgeschäft ein Schnäppchenpreis für einen Nationalspieler ist, erhöhen sich die Zahlungen in Form von Gehalt und/oder Einmalzahlungen für den fast in der gesamten Liga begehrten Profi erheblich.

          Schlaudraff hat ausgesorgt mit seinem Dreijahresvertrag. Die Bayern sind trotzdem günstig an einen verheißungsvollen Stürmer gekommen, und selbst wenn sich Schlaudraff in München nicht durchsetzen sollte, wird der Klub bei einem Verkauf wohl kaum einen Verlust machen. Und auch Alemannia Aachen gehört bei diesem Deal nicht zu den Verlierern, denn Schlaudraff kann noch bis zum Sommer seinen Beitrag zum Klassenerhalt in der Bundesliga leisten - und wenn es die günstige Ablösesumme nicht gegeben hätte, wäre Schlaudraff schon im vergangenen Sommer nicht in Aachen zu halten gewesen.

          Karriereknick oder Karriereschub?

          Sportlich ist die Frage nach dem Gewinner dieses ersten nennenswerten Transfers im neuen Jahr schon ein bisschen schwieriger zu beantworten. Bundestrainer Joachim Löw hat den Wechsel jedenfalls ziemlich doppeldeutig kommentiert: „In München muss er sich einem großen Konkurrenzkampf stellen. Dort profitiert man schon vom Training“, sagte Löw. Von der Bundesliga und der Champions League sprach er wohlweislich nicht. Denn ob sich Schlaudraff in München auch bei Pflichtspielen kontinuierlich weiterentwickeln kann, ist äußerst ungewiss - Karriereknick oder Karriereschub liegen für unausgereifte Spieler wie den Aufsteiger aus Aachen in München eng beieinander.

          Selbst Lukas Podolski, mit großen Hoffnungen aus Köln gekommen, hat in dieser Saison in München vor allem eine Banklehre absolviert. Den Wettbewerb mit Claudio Pizarro, Roy Makaay und Roque Santa Cruz hat er allzu oft verloren. Die Bayern jedoch können mit dem nun um Schlaudraff erweiterten, international aber noch immer schmalen Sturmportfolio profitieren, zumindest im Bundesliga-Alltag. Auch wenn Schlaudraff in München auf der Bank sitzt, hilft er zumindest nicht der Konkurrenz. Auch Werder Bremen war an Schlaudraff interessiert.

          Fünfzig in München ausgebildete Profis

          Bleibt die Frage nach den Grundsätzen der Münchner Transferpolitik. Sie sind auch 2007 nicht zu erkennen. Vor wenigen Monaten fabulierte Karl-Heinz Rummenigge noch von einem 30-Millionen-Euro-Transfer, dessen Sinn Franz Beckenbauer mit dem Hinweis, nur Ronaldinho sei ein Weltklassespieler, der ein Team wirklich verstärke, kurz und knapp in Zweifel zog. Wahrscheinlich ist vielmehr, dass Manchester United Owen Hargreaves für diese Summe irgendwann in diesem Jahr heim nach England holt.

          Den eigenen Kader wird in der Rückrunde erst einmal Mats Hummel auffüllen, der 18 Jahre alte Defensivspieler ist schon der achte Vertragsspieler, der beim FC Bayern ausgebildet wurde. Insgesamt spielen in der ersten und zweiten Liga rund fünfzig in München ausgebildete Profis. Die Münchner produzieren und kaufen ohne Frage nationale Qualität. Eine Antwort auf die europäische Herausforderung aber hat der Bundesliga-Krösus noch nicht gefunden.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Das israelische Parlament

          Regierungsbildung in Israel : Parlament stimmt für seine Auflösung

          Zum dritten Mal innerhalb eines Jahres sind die israelischen Bürger zur Wahl eines neuen Parlaments aufgerufen. Der Wahlkampf wird sich vermutlich vor allem um eines drehen: die Korruptionsvorwürfe gegen Ministerpräsident Netanjahu.
           „Mit diesen Leuten haben wir nichts zu tun“: Michael Kretschmer über die AfD

          Tabubruch in Sachsen : CDU für Koalition mit Grünen und SPD

          Auf einem Sonderparteitag stimmt Sachsens CDU mit großer Mehrheit für ein Regierungsbündnis mit Grünen und SPD. Nicht immer erntet Michael Kretschmer dabei so viel Beifall wie für seine Attacke gegen die AfD.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.