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Profi-Fußball : Marketing darf alles

Der ehemalige Sprint-Olympiasieger Usain Bolt bei einer Marketing-Veranstaltung. Bild: Reuters

Ball im All, Bolt am Ball: Die Russen schießen den WM-Ball zur ISS und der ehemalige Sprint-Olympiasieger kickt angeblich für den guten Zweck. Tue Gutes und rede nicht darüber, das ist nun wirklich keine Option. Ein Kommentar.

          Der Profisport, insbesondere der Fußball, ohne Marketing-Gags – das ist ja nun ein für alle Mal vorbei, sosehr der ein oder andere das mit dem Blick auf die Montagsspiele der Fußball-Bundesliga auch bedauern mag, wobei man das nicht verwechseln darf. Durch das Marketing sollen die Produkte so attraktiv werden, dass Käufer dieses Angebot als wünschenswert wahrnehmen – und wenn das erreicht ist, kann man es dann auch mal mit Montagsspielen probieren. Da aber ist bei der Marktforschung offenkundig etwas schiefgelaufen, falls man eine solche überhaupt für nötig erhielt und nicht nur sofort auf die Summe gesehen hat, die unter dem Strich beim Verkauf der Fernsehrechte herauskam.

          Vielleicht hätte die Deutsche Fußball Liga den Montagsspielball einfach mal vor einem halben Jahr ins All schießen sollen – das haben die Russen gerade mit dem Ball gemacht, der am 14. Juni angeblich im Anstoßkreis liegen soll, wenn die Weltmeisterschaft mit der aufsehenerregenden Partie Russland gegen Saudi-Arabien beginnen wird. Im Grunde aber ist das ein absolutes „No-Go“, macht man also nicht, einen Marketing-Gag einfach wiederholen. Vor den olympischen Winterspielen 2014 war die Olympische Flamme ja auch schon zu Besuch auf der Internationalen Raumstation, und Sotschi war ja dann auch ein voller Erfolg, in fast jeder Hinsicht, wenn auch nicht in jeder gewünschten. Warten wir mal ab, was demnächst noch alles auf die ISS geschleppt wird, bald ist ja wieder Platz. Am Freitag soll der Ball da oben ankommen, im Mai geht es wieder zurück auf die Erde, begleitet von der Frage: Warum das alles?

          Viel passender wäre doch gewesen, den Ball in einen Zug zu legen, der von Moskau über diverse Umstiegsszenarien bis nach London rollt, denn diese 2500 Kilometer entsprechen ungefähr der Entfernung zwischen dem östlichsten und dem westlichsten Austragungsort der WM. Nimmt man das als Benchmark, bieten sich in Zukunft interessante Kombinationen für die großen Verbände, wenn sie mal wieder händeringend nach Bewerbern suchen.

          Marketing darf ja fast alles, und deswegen kickt an diesem Freitag auch Sprintstar Usain Bolt im Training bei Borussia Dortmund mit. Der gemeinsame Ausrüster freut sich, weil das Interesse vermutlich groß sein wird, jede verfügbare Kamera in Richtung des Dortmunder Trainingszentrums transportiert wird und die Borussia vor diesem öffentlichen Training schon mal vorsorglich darauf hingewiesen hat, dass die Zuschauerkapazitäten begrenzt sind. Hintergrund der Geschichte ist ursprünglich eine gute Sache, denn am 10. Juni führt Bolt im Stadion Old Trafford eine Weltauswahl an, die gegen eine englische Auswahl an ehemaligen Spielern und aktuellen Showgrößen – deren Kapitän ist Popstar Robbie Williams – antritt. Der Erlös des Benefizspiels kommt dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) zugute. Nun würde Bolt natürlich ganz sicher lieber bei seinem Lieblingsverein Manchester United mittrainieren, aber das geht eben nicht, weil die nun einen ganz anderen Ausrüster haben. Wie sollte man so was vermarkten? Tue Gutes und rede nicht darüber, das ist nun wirklich keine Option. Und auf der ISS war ja kein Platz mehr.

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