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Ein Kniefall rückwärts : „Das war falsch. Wir haben nicht genug getan“

  • Aktualisiert am

Eine der Protagonistinnen: Fußballspielerin Megan Rapinoe Bild: AFP

Mit teils drastischen Worten äußert sich der amerikanische Fußballverband zu seiner umstrittenen Kniefall-Regelung. Für die Zukunft soll es eine wichtige Änderung geben. Die Rennserie Nascar verbietet derweil eine bestimmte Flagge.

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          In den Vereinigten Staaten haben Sportorganisationen als Reaktion auf die landesweiten Proteste gegen Rassismus sowie Polizeigewalt ihre Regeln angepasst und Athleten dabei an manchen Stellen Zugeständnisse gemacht. Die Fußballföderation der Vereinigten Staaten (USSF) kippte seine umstrittene Regel Nummer 604-1, die es den Spielerinnen und Spielern untersagte, während der Nationalhymne auf die Knie zu gehen. Dieses Verbot hatte die USSF im Februar 2017 eingeführt, nachdem unter anderem die Nationalspielerin Megan Rapinoe dem Vorbild des Footballspielers Colin Kaepernick gefolgt war und die Zeit während der Hymne zum Protest genutzt hatte.

          „Es ist klar geworden, dass diese Regel falsch war und von der wichtigen Botschaft, dass schwarze Leben wichtig sind, abgelenkt hat“, teilte die USSF nun mit: „Wir haben nicht genug getan um zuzuhören und die sehr reale und bedeutungsvolle Erfahrung unserer schwarzen und der anderen Minderheiten in unserem Land anzuerkennen. Wir entschuldigen uns bei unseren Spielerinnen und Spielern, speziell unseren schwarzen Spielerinnen und Spielern, Angestellten, Fans und allen anderen, die daran arbeiten, den Rassismus zu beseitigen.“

          Mit ihrem Vorstoß setzt die USSF nun andere Sportorganisationen in den Vereinigten Staaten unter Druck. Die National Football League (NFL) führte 2018 eine Regel ein, die den Kniefall während der Nationalhymne verbot, den Spielern aber die Option ließ, während der Hymne in der Kabine zu bleiben. NFL-Chef Roger Goodell sagte zuletzt, dass es ein Fehler gewesen sei, die Profis nicht zum friedlichen Protest ermuntert zu haben. In den Statuten der National Basketball Association (NBA), die unter den Sportligen in den USA als progressiv gilt, findet sich schon seit 1981 ein Verweis, dass Spieler und Trainer während der Nationalhymne stehen müssen. Ein NBA-Sprecher teilte mit, dass man bei diesem wichtigen Thema wie in der Vergangenheit mit den Spielern diskutieren werde.

          Künftig erlaubt: Knien während der amerikanischen Hymne
          Künftig erlaubt: Knien während der amerikanischen Hymne : Bild: AP

          Die deutschen Sportorganisationen, etwa der Deutsche Fußball-Bund (DFB) oder die Basketball-Bundesliga (BBL), haben ihre Regeln im Umgang mit politischen Protesten angesichts der aktuellen Ereignisse anders als die USSF ebenfalls nicht geändert, sondern sie, als kurzfristige Lösung, vorerst ausgesetzt. Das hatte unter anderem der Vorsitzender Richter am Kölner Landgericht, Jan F. Orth, kritisiert.

          Im amerikanischen Sport folgten weitere Reaktionen auf die Proteste. Die Motorsportserie Nascar hat das hissen und zeigen der Konföderierten-Flagge, die bis heute als Symbol für Sklaverei und Rassimus gilt, bei ihren Rennen verboten. Besonders bei den Veranstaltungen in den Südstaaten war sie zu sehen. Die Flagge sei „nicht vereinbar mit unserer Verpflichtung, ein einladendes und integratives Umfeld für alle unsere Fans, Teilnehmer und unsere Branche zu schaffen“, teilte Nascar mit. Der Footballverein Carolina Panthers hat derweil die Statue des ehemaligen Team-Besitzers Jerry Richardson, die vor dem Stadion steht, aus Sorge vor Ausschreitungen entfernt. Richardson hatte die Panthers 2017 verkauft, nachdem ihm eine sexuelle Beleidigung und rassistische Kommentare vorgeworfen worden waren.

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