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Chelsea-Trainer Frank Lampard : Das Risiko beim emotionalen Experiment

  • -Aktualisiert am

Zurück bei Chelsea: Frank Lampard ist der neue Trainer. Bild: EPA

Frank Lampard gilt als einer der größten Fußballprofis, die jemals für Chelsea gespielt haben. Nun kehrt er als Trainer zurück zu den „Blues“. Das Ganze ist mit Risiken verbunden – für beide Seiten.

          Für Frank Lampard ist es ein steiler Aufstieg in seiner Karriere als Fußballtrainer: Nach nur einem Jahr bei Derby County in Englands zweiter Liga wird der ehemalige Profi und langjährige Nationalspieler in der kommenden Saison bei seinem früheren Klub FC Chelsea arbeiten, einem der erfolgreichsten Premier-League-Vereine der vergangenen 15 Jahre. Dass es zu dem Schritt kommen würde, galt seit Tagen als so gut wie sicher. Am Donnerstag meldeten die Londoner dann Vollzug, Lampard erhält demnach einen Vertrag über drei Jahre. „He’s Home“, prangte am frühen Morgen in weißen Großbuchstaben auf der Internetseite des Vereins. Er ist wieder zu Hause.

          Lampard gilt als einer der größten Fußballprofis, die jemals für Chelsea gespielt haben. 13 Jahre lang war er Teil dieses Klubs, 648 Mal hat er in dieser Zeit für die „Blues“ gespielt, 211 Treffer machen ihn zum erfolgreichsten Torschützen in der Vereinshistorie. Mit ihm hat Chelsea drei Mal die englische Meisterschaft gewonnen, dazu je ein Mal die Champions League und die Europa League sowie diverse nationale Pokale. Für die Fans ist Lampard bis heute ein Held, an der Stamford Bridge singen sie seinen Namen, auch wenn er nach seinem Abschied im Jahr 2014 für eine Saison zum Liga-Konkurrenten Manchester City ging. Sie haben es ihm, wenn überhaupt, nur kurz übelgenommen.

          Bei all seinen Erfolgen als Spieler: Als Trainer ist Lampard äußerst unerfahren. Derby County war seine erste Station als Trainer überhaupt. Mit ihm auf der Bank wäre Derby beinahe der Aufstieg in die Premier League gelungen, doch im Finale der Play-offs unterlag die Mannschaft Aston Villa. Derby soll für Lampards Wechsel an seine alte Wirkungsstätte vier Millionen Pfund erhalten.

          Das Ganze ist aber mit Risiken verbunden, für beide Seiten. Chelsea steckt im Umbruch. In Eden Hazard hat das Team seinen wohl besten Spieler an Real Madrid verloren. Adäquaten Ersatz einzukaufen wird nicht möglich sein, denn wegen Verstößen gegen Auflagen bei der Verpflichtung minderjähriger ausländischer Talente ist Chelsea mit einer Transfersperre belegt worden; der Klub geht beim Internationalen Sportgerichtshof dagegen vor. Lampards Vorgänger, Maurizio Sarri, der zu Juventus Turin gewechselt ist, hatte Chelsea in der vergangenen Saison auf Platz drei geführt – Teilnahme an der Champions League also. Lampards wichtigste Aufgabe wird es sein, einen Kader für diese hohen Anforderungen zusammenzustellen, indem er auf Chelseas umfassendes Reservoir an Leihspielern und Nachwuchskräften zugreift.

          Lampard, mit 41 Jahren ein vergleichsweise junger Trainer, wurde auf der Klubwebsite zitiert: „Ich bin ungeheuer stolz, als Cheftrainer zu Chelsea zurückzukehren. Jeder weiß, wie sehr ich diesen Klub liebe. Aber mein einziger Fokus wird der Job sein, um den es geht, und die Vorbereitung auf die kommende Saison. Ich bin hier, um hart zu arbeiten und dem Klub weiteren Erfolg zu ermöglichen, und ich kann es nicht erwarten, endlich loszulegen.“ Die bei Chelsea für die Transfers verantwortliche Direktorin Marina Granovskaia sagte: „Frank besitzt ein phantastisches Wissen und Verständnis dieses Klubs, und in der vergangenen Saison hat er bewiesen, dass er einer der talentiertesten jungen Trainer ist.“ Der Zeitpunkt seiner Rückkehr sei perfekt. Kritiker hingegen argumentieren, Chelsea sei für den Anfänger Lampard eine Nummer zu groß.

          Lampard als Chelsea-Trainer – das stellt sich immerhin anders dar als die Verpflichtungen seiner älteren und deutlich erfahreneren Vorgänger. Sarri etwa hatte sich in Italien als Trainer der SSC Neapel einen Namen gemacht, aber es gelang ihm nicht, sich emotional an Chelsea zu binden; umgekehrt konnten sich die Fans bis zum Schluss nicht mit dem knurrigen Italiener anfreunden. Die „BBC“ sprach von einer lieblosen Ehe. Lampard könnte die Verbindung zwischen Verein und Publikum wiederherstellen – Chelsea propagiert eine neue Emotionalität. Aber es wird bald ernst: Am ersten Premier-League-Spieltag der neuen Saison trifft Chelsea im August auf Manchester United.

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