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Nach Löw-Kritik : Gegenwind für Lahm

Erst kritisierte er die Arbeit von Bundestrainer Joachim Löw, nun steht er selbst in der Kritik: Der ehemalige Nationalmannschafts-Kapitän Philipp Lahm. Bild: AFP

Nach seiner Kritik am Führungsstil von Bundestrainer Joachim Löw erntet Philipp Lahm nun selbst welche. Rudi Völler widerspricht, Jürgen Klopp stellt Forderungen und bei der ARD ist man auch nicht zufrieden.

          Auch nach der Weltmeisterschaft kommen die Diskussionen nicht zur Ruhe. Nachdem am vergangenen Sonntag die Weltmeisterschaft mit dem 4:2-Finalsieg Frankreichs gegen die Überraschungsmannschaft Kroatien zu Ende gegangen ist, werden Themen wie die Fotos von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan, die Trainerarbeit beim Turnier in Russland oder das Krisenmanagement des Deutschen Fußball-Bunds weiterhin aufgegriffen.

          Kürzlich kritisierte etwa der ehemalige Nationalmannschafts-Kapitän und Weltmeister Philipp Lahm den Führungsstil von Bundestrainer Joachim Löw, womit er sich wohl selbst für einen Posten beim weltweit größten nationalen Sportverband in Stellung bringen wollte. Nun haben sich in Interviews gegenüber der „Sport Bild“ gleich mehrere Personen an diesen Debatten beteiligt. Darunter sind der Trainer des FC Liverpool, Jürgen Klopp, sowie der ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky und der ehemalige DFB-Teamchef und derzeitige Bayer-Leverkusen-Sportdirektor Rudi Völler.

          Kritik an Lahm

          Den meisten Widerspruch ernteten dabei das Verhalten und die Aussagen Lahms, der zunächst in einem sozialen Netzwerk und später auch gegenüber der ARD Veränderungen in Löws Arbeitsweise gerade mit jüngeren Spielern gefordert hatte. „Jogi Löw muss sich gar nicht ändern. Er weiß, wie er die Mannschaft zu führen hat“, sagte Völler. „Vor einem Jahr hat Jogi mit diesen jungen Spielern den Confed Cup gewonnen. Er weiß, mit welcher Generation er es zu tun hat.“

          Auch Liverpool-Coach Klopp, der immer wieder als möglicher Nachfolger Löws auf dem Chefsessel der Nationalmannschaft gehandelt wird, äußerte sich zur Causa Lahm und forderte vom ehemaligen Bayern-Profi eine Präzisierung seiner Forderungen: „Führungsstile sind immer dazu da, um an die Gruppe angepasst zu werden, die du hast. Um dazu was zu sagen, müsste Philipp Lahm vielleicht mal ins Detail gehen.“

          Jürgen Klopp trainiert derzeit den englischen FC Liverpool.

          Lahm hatte in einem Text auf seinem LinkedIn-Profil den Bundestrainer dazu aufgefordert, künftig eine härtere Linie zu fahren und mit seinen Spielern weniger kollegial umzugehen. Ein strafferer Führungsstil sei für die neue Spielergeneration notwendig, meinte der WM-Sieger von 2014. „Es ist mir zu oberflächlich zu sagen, dass wir wegen eines bestimmten Führungsstils oder einer falschen Ansprache ausgeschieden sind“, entgegnete nun Völler. Auch der 19 Jahre alte französische Angreifer Kylian Mbappé etwa, der in Russland zum besten Nachwuchsspieler gekürt wurde, verhalte sich abseits des Platzes nicht anders als die deutschen Jungprofis. „Aber er kommt im Eins-gegen-eins an seinem Gegenspieler vorbei und schießt den Ball ins Eck. Nur das zählt. Das ist die Wahrheit“, sagte Völler.

          ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky kritisierte vor allem Lahms Experten-Tätigkeit bei der Weltmeisterschaft: „Philipp Lahm in unserem Team zu haben war aufgrund seiner Erfahrung sicher sehr belebend“, sagte Balkausky. „Manchmal hätten wir uns aber noch mehr von diesem Erfahrungsschatz und noch deutlichere Einschätzungen gewünscht.“ Zudem fügte der Sportkoordinator des öffentlich rechtlichen Senders an: „Wir werden mit Philipp Lahm sicherlich noch einmal grundsätzlich über unsere gemeinsamen Sendungen sprechen. Bislang gab es dazu allerdings noch keine Möglichkeit.“

          Klopp nimmt Özil und Gündogan in Schutz

          Liverpool-Trainer Klopp bezog derweil insbesondere zur emotionalen Diskussion um Özil und Gündogan Stellung. Rücktrittsforderungen seien „völliger Quatsch. Die intelligenten Menschen dieses Landes fordern Toleranz. Und die anderen sollten am besten mal den Mund halten und die Jungs nicht infrage stellen.“

          Spielte 2013 noch bei Borussia Dortmund unter Trainer Jürgen Klopp: Ilkay Gündogan.

          Klopp räumte ein, dass Özil (FC Arsenal) und Gündogan (Manchester City) offenbar nicht gut beraten worden sind, als sie sich im Mai mit dem türkischen Präsidenten fotografieren ließen und bezeichnete den Termin als eine „ganz, ganz unglückliche Aktion“. Er betonte jedoch auch, dass nicht vergessen werden solle, „dass die beiden nun mal türkische Wurzeln haben, auch wenn sie hier in Deutschland aufgewachsen sind. Aber es ist wie immer: Wer am lautesten krakeelt, wird am meisten gehört.“

          Gündogan hatte sich noch vor der WM zu dem umstrittenen Termin mit Erdogan geäußert. Özil hat dazu selbst noch nicht gesprochen. Zuletzt waren DFB-Präsident Reinhard Grindel und Teammanager Oliver Bierhoff in die Kritik geraten, weil sie mit Interview-Aussagen den Eindruck erweckt hatten, Özil sei durch sein Verhalten für das frühe WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft mitverantwortlich.

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