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Jürgen Klopp und FC Liverpool : Nur noch ein Wunsch offen

Klopp und der Weltpokal: Ein Foto mit dem Henkelpott mit der goldenen Krone, der Trophäe der Premier League, fehlt noch in der Sammlung. Bild: Reuters

Vor dem Spitzenspiel am Boxing Day schaut Liverpools Trainer Klopp ausnahmsweise zurück und erinnert als „glücklichster Mann“ an ein „unglaubliches Jahr“. Schon vor Weihnachten verkündete er eine frohe Botschaft.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Der stressige Spielplan der Premier League mit dem Topspiel am „Boxing Day“, dem zweiten Weihnachtsfeiertag beim ersten Verfolger Leicester City (21.00 Uhr/Sky), hält Jürgen Klopp nicht davon ab, doch einmal innezuhalten und das „unglaubliche Jahr“ 2019 Revue passieren zu lassen. „Ich schaue nicht gerne zurück, besonders dann nicht, wenn noch Arbeit zu tun ist“, schrieb Klopp am ersten Weihnachtsfeiertag an die Fans des FC Liverpool: „Aber wie kann ich das ignorieren, was wir alle in diesem Jahr erlebt haben?“

          Klopp erinnerte an den Champions-League-Erfolg im Finale gegen den Ligarivalen Tottenham Hotspur: „Solange ich lebe, werde ich diese Nacht in Madrid und den nächsten Tag in Liverpool nicht vergessen.“ Als „Teil dieser besonderen Familie“ sei er „der glücklichste Mann überhaupt“, schrieb Klopp, der seit 2015 Teammanager der Reds ist.

          In dieser Saison könnte er mit Liverpool erstmals seit 30 Jahren die englische Meisterschaft gewinnen. Rivale Manchester City schwächelt, und der Vorsprung auf den Zweiten beträgt vor dem direkten Duell zehn Punkte. Klopp will von einer Vorentscheidung aber selbst bei einem Sieg in Leicester nichts wissen. „Alle Diskussionen darüber, was passieren könnte, wenn wir dies oder das machen, sind für uns unwichtig“, sagte er auf einer Pressekonferenz am Heiligabend im Liverpooler Trainingszentrum: „Wir spielen das nächste Match, dann haben wir ein paar Stunden zum Regenerieren, und dann kommt das nächste Spiel. Da ist keine Zeit für irgendetwas anderes.“

          Frohe Video-Botschaft

          Schon vor ein paar Tagen hatte sich Klopp in einer Art verfrühten Weihnachtsansprache direkt an sein Gefolge gerichtet. Die frohe Video-Botschaft: Soeben hatte er sich mit dem FC Liverpool auf die Verlängerung seines Vertrages bis 2024 geeinigt. Das werde bestimmt manche freuen, andere dagegen nicht so sehr, mutmaßte der Fußballtrainer. In Wahrheit aber dürfte es kaum jemanden geben, dessen Herz für Liverpool schlägt, und der darin keinen Platz für Klopp findet. Die Fans sind sich einig über ihr Verhältnis zu Klopp: Verdammt ich lieb dich! „Echte Liebe“ hatte Klopp schon während seiner Zeit in Dortmund entfacht. In England ist ihm das wieder gelungen.

          Weihnachten und Ostern an einem Tag: Siegesumzug in Liverpool nach dem Gewinn der Champions League.

          Erst am Samstagabend hat der FC Liverpool in Doha zum ersten Mal die Klub-WM gewonnen: Mit einem 1:0 nach Verlängerung gegen Flamengo Rio de Janeiro. Doch mehr Wert hatte zweifellos der Gewinn der Champions League. Auch von dem 4:0 im Halbfinalrückspiel gegen den FC Barcelona, mit dem die Reds das 0:3 aus dem Hinspiel sensationell übertrumpften, werden die Fans noch erzählen, wenn Klopp sich längst zur Ruhe gesetzt hat. Sie werden daran erinnern, wie Klopp und sein Kapitän Jordan Henderson nach dem Sieg im Endspiel gegen Tottenham eng umschlungen Männertränen weinten. Von solchen Szenen lebt der Klopp-Kult.

          Klopp ist so beliebt, dass es ihm sogar als besondere Charakterstärke angerechnet wurde, als er sich im Rahmen des Champions-League-Spiels gegen Salzburg zuletzt mit zwei Tagen Verspätung bei einem Dolmetscher entschuldigte, den er zuvor wegen einer aus seiner Sicht unzureichenden Übersetzung angepöbelt hatte. „Ich mochte das nicht, wie es übersetzt wurde, aber die Art und Weise, wie ich es dann angesprochen habe, das muss besser laufen. Entschuldigung“, sagte Klopp. Und dann, lachend und etwas prägnanter auf Englisch: „Sorry, I was an idiot!“ Der Übersetzer nannte die Entschuldigung später eine „wunderbare Geste“. Schwamm drüber!

          Spieler sind bereit, alles für ihn zu tun

          Mit einer nicht ganz so wunderbaren Geste fiel Klopp in der vergangenen Woche bei der Klub-WM auf. Im Halbfinale gegen den mexikanischen Meister CF Monterrey, das Liverpool 2:1 gewann, äffte Klopp den gegnerischen Trainer Antonio Mohamed mit herausgestreckter Zunge und verzerrtem Gesicht nach, weil ihm nicht passte, dass der zuvor die Rote Karte für Liverpools Verteidiger Joe Gomez gefordert hatte. Klopp bekam für seine Provokation vom Schiedsrichter die Gelbe Karte. Auch solche Szenen machen ihn aus.

          Einer der Gründe für Klopps Erfolg mit dem FC Liverpool ist, dass seine Spieler bereit sind, alles für ihn zu tun. Der körperlich anspruchsvolle Fußball, den Klopp spielen lässt, verlangt ihnen alles ab – vor allem in Phasen mit vielen Spielen in wenigen Tagen, wenn die Beine immer schwerer werden. Angreifer Sadio Mané sagte einmal in einem Interview, das Geheimnis sei, dass Klopp von vielen seiner Profis geliebt werde wie ein Vater – „und wie einen solchen fürchten wir ihn auch“.

          Auf der einen Seite gibt es den Klopp, der vor dem verlorenen Champions-League-Finale 2018 gegen Real Madrid seine Team-Ansprache in einer Unterhose der Wäschemarke des gegnerischen Starspielers Cristiano Ronaldo hielt, wie Georginio Wijnaldum später erzählte: „Er hielt das Meeting und hatte sein Hemd in eine CR7-Boxershorts gestopft. Die ganze Kabine lag auf dem Boden und hat sich totgelacht.“ Und das in einem Augenblick maximaler Anspannung. Und auf der anderen Seite gibt es den Klopp, der auch liebgewonnene Spieler ohne zu zögern aus dem Kader streicht, wenn sie nicht mehr ins Team passen: „Ich habe noch nie einen Spieler behalten, nur weil ich ihn sehr mochte“, sagt er.

          Im September ist Jürgen Klopp vom internationalen Fußball-Weltverband Fifa zum weltbesten Trainer gewählt worden. Er war am Höhepunkt seiner bisherigen Trainerkarriere angekommen. In Liverpool hoffen und glauben sie, dass es noch eine Weile so weitergeht. In noch höhere Höhen. Mindestens bis 2024.

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