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Fußball-Nationalmannschaft : „Man muss schon Klartext reden“

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Mesut Özil und Kollegen taten sich schwer – vor allem bei der Chancenverwertung. Bild: dpa

Ende gut, alles gut? Nicht wirklich! Das 2:1 gegen Georgien hinterlässt trotz geschaffter EM-Qualifikation noch mehr Fragezeichen als die Pleite in Irland. Nicht nur die Spieler finden deutliche Worte.

          Mit einem „Ende gut, alles gut“ wollten sich die Weltmeister nicht in die Leipziger Nacht verabschieden. Dafür hatte der Auftritt beim 2:1-Sieg über biedere Georgier noch mehr Fragezeichen hinterlassen als die 0:1-Pleite drei Tage zuvor in Irland. „Die EM ist wieder etwas anderes“, sagte Abwehrchef Jérôme Boateng, ergänzte aber deutlich: „So wie wir heute gespielt haben, brauchen wir nicht anzutreten. Gegen ein Spitzenteam kannst du so nicht spielen. Ich glaube nicht, dass es so passieren wird. Aber man muss schon Klartext reden“, forderte der 27 Jahre alte Münchner.

          Die großen Mühen und Probleme zum Qualifikations-Abschluss werden die deutschen Fußball-Nationalspieler und den Bundestrainer noch eine ganze Weile begleiten. „Wir sind im Moment ein Boxer, der viele Treffer landet, aber nicht frühzeitig den K.o. schafft“, bemühte Bundestrainer Joachim Löw ein Bild aus einer härteren Sportart.

          Der Weg führt nach Frankreich: Eine Glanzleistung zeigte das DFB-Team aber nicht. Bilderstrecke

          Um das größte Defizit gab es im Lager des Weltmeisters keine Diskussionen. „Wir müssen dahin kommen, dass wir diese absolute Geilheit, ein Tor machen zu wollen, wieder haben“, betonte Toni Kroos nach 90 zähen Minuten. Und auch sein Chef Löw sagte deutlich: „Wir wissen, dass wir da in den nächsten Monaten schon noch einige Arbeit vor uns haben, um wieder auf das Niveau wie bei der WM zu kommen.“

          Wie die Korrekturen beim amtierenden Weltmeister bis zum Start der Europameisterschaft am 10. Juni 2016 konkret aussehen sollen, wollten und konnten Trainer und Spieler nach dem mühevollen 2:1-Sieg gegen den Weltranglisten-110. Georgien noch nicht näher erläutern. Auf Knopfdruck wird das kaum gelingen. „Der Schnitt liegt jetzt bei sieben oder acht Torchancen, die wir brauchen“, beklagte Löw abermals die fehlende Effizienz des deutschen Spiels, rätselte aber selbst: „Unsere Spieler haben schon Vollstreckerqualitäten, Marco Reus, Thomas Müller oder André Schürrle normalerweise.“

          Doch gerade die ließen vor 43.630 unzufriedenen Zuschauern in der ausverkaufen Arena den Punch vermissen, obwohl sie sich den Gegner gleich serienweise an den Seilen zurechtgestellt hatten. Allein der Dortmunder Reus versemmelte in der kalten sächsischen Herbstnacht ein halbes Dutzend vorzüglicher Tormöglichkeiten. „Im Verlaufe des Spiels hat sich dann ein gewisser Frust breitgemacht. Der Gegner bleibt in dieser Situation wach, weiß, wir können vielleicht mit einer Aktion einen Gegenschlag machen.“

          Und als Georgien-Kapitän Jaba Kankawa (53. Minuten) die Elfmeter-Führung von Thomas Müller (50.) postwendend ausglich, drohte 20 Minuten lang sogar die totale Blamage. „Man hätte schon denken können, dass das nicht Georgien ist, sondern Italien oder Frankreich“, bemerkte Manuel Neuer. Der Welt-Torhüter verhinderte mit zwei Weltklasse-Paraden, dass Deutschland sogar noch in Gefahr geriet, in die Playoffs zu müssen. Erst Bayern-Stürmer Robert Lewandowski mit seinem 2:1 für Polen gegen Irland, dann Max Kruse mit dem DFB-Siegtreffer bannten schließlich diese Gefahr.

          „Wir haben jetzt die Gruppe gewonnen, damit können wir sicherlich zufrieden sein. Mit den letzten zwei Spielen kann ich und bin ich nicht zufrieden, das muss man mit aller Klarheit sagen. Wie wir gespielt haben gegen Irland und Georgien, das ist nicht unser Anspruch“, fasste Löw die Ausscheidungsrunde zusammen: „Es war in dieser Qualifikation so schwierig wie nie in den letzten zehn, zwölf Jahren. Der Weg war kein einfacher.“

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