https://www.faz.net/-gtl-85s23

Luca Toni : Teurer (Irr-)Glaube

Wollte nur Tore schießen: Luca Toni unterschrieb beim FC Bayern alles, was ihn der Verein vorlegte – jetzt muss er nachzahlen Bild: dpa

Luca Toni muss Kirchensteuern aus seiner Zeit beim FC Bayern in Höhe von 1,7 Millionen Euro nachzahlen. Verstehen kann er das nicht, sein Glaube sei schon wertvoll genug.

          Luca Toni lernt derzeit eine harte Lektion: Wenn der Deutsche an etwas glaubt, lässt er sich das was kosten. Als Italiener ist ihm das fremd. „Ich bin der Meinung, wenn jemand an Gott glaubt, dann muss er nicht die Kirche bezahlen“, beteuerte er am Mittwoch vor dem Münchner Oberlandesgericht – mit all der Ausdruckskraft des Stürmers, der vom Schiedsrichter einen glasklaren Elfmeter fordert. „Hätte ich gewusst, wie teuer es ist, hier Katholik zu sein, wäre ich sofort ausgetreten.“

          Toni muss aus drei Jahren beim FC Bayern Kirchensteuer von 1,7 Millionen Euro, inklusive Säumniszuschlag, nachzahlen. Das ist ungefähr so viel, wie der Umbau des Limburger Bischofssitzes ursprünglich kosten sollte. Toni empfindet das als ungerecht - weil nicht er sich um die Steuern kümmern musste, sondern der Verein. Er hatte einen Nettovertrag. Die Bayern hatten das Bruttogehalt so zu zahlen, dass die garantierte (und inzwischen gerichtskundige) halbe Million Euro jeden Monat auf dem Spielerkonto landete.

          Deshalb erwies sich jener kleine Strich, mit dem eine Klubsekretärin auf einem Fragebogen Tonis Konfession angab, als lukratives Steuersparmodell – für den Verein. In Wirklichkeit war Toni aber nicht kirchenlos, wie später sein Steuerberater in einem weiteren Fragebogen mit dem Eintrag „r.-k.“ angab. Das führte zur Nachforderung der Millionensumme, die der FC Bayern sparte, die aber der Spieler zu zahlen hat. Er stellte im Aufhebungsvertrag 2010 die Bayern von möglichen Forderungen frei.

          Unterschrift trotz Sprachbarriere

          Nun will er das Geld von den Steuerberatern eintreiben, die ihn, wie er sagt, nicht über die Kirchensteuerpflicht aufgeklärt hätten. In erster Instanz bekam er als Kläger recht, nun läuft die Berufung. „Ich habe jeden Tag etwas unterschrieben, das ich gar nicht angeguckt habe, weil ich doch kein Deutsch verstehe“, sagte Toni darin aus. „Ich wollte einfach nur Fußball spielen.“ Hier sprach der idealtypische Fußballer, aufgewachsen im Glauben, nur die Tore liefern zu müssen. Um den Rest kümmern sich andere.

          Seit über zwanzig Jahren liefert er sie, 280 insgesamt für 15 Vereine. Noch mit 38 ist er im Mai Torschützenkönig der Serie A geworden. Keiner hat dabei für Tonis Tore so viel bezahlt wie die Bayern. 500.000 Euro. Pro Monat. Netto. Man stelle sich vor, davon auch noch Kirchensteuer bezahlen zu müssen! Hätte man gewusst, was der Glaube in Deutschland kostet, beteuert Toni, „sogar meine Eltern wären ausgetreten“. Eins sollte er aber nicht vergessen: Nettoverträge gibt es nur mit dem FC Bayern, nicht mit dem lieben Gott.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Golfprofi Kaymer verbessert sich

          US Open : Golfprofi Kaymer verbessert sich

          Nach einer zuletzt schwächeren Vorstellung geht es für Martin Kaymer wieder aufwärts. Der deutsche Golfer spielt vor der Schlussrunde in Pebble Beach auf Platzstandard.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.