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Kickers Offenbach : Nach dem Klassenverbleib die Open-air-Party

  • -Aktualisiert am

Retter-Trainer Frank wird auf Händen getragen Bild: dpa/dpaweb

Es war natürlich nicht mehr als ein frommer Wunsch, als der Stadionsprecher am Bieberer Berg die Anhänger der Offenbacher Kickers in der 85. Minute darum bat, nach dem Abpfiff den Rasen nicht zu betreten. Hunderte feierten eine Open-air-Party.

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          Es war natürlich nicht mehr als ein frommer Wunsch, als der Stadionsprecher am Bieberer Berg die Anhänger der Offenbacher Kickers in der 85. Minute des Spiels gegen Energie Cottbus darum bat, nach dem Abpfiff den Rasen nicht zu betreten - dieser werde auch in der Sommerpause genutzt und könne allzu viel Belastung nicht vertragen. Aber er mußte: Erst waren es einzelne, dann Dutzende, schließlich Hunderte, die, wie zu erwarten war, nach dieser Partie auf ihre Art und Weise den Klassenverbleib feierten - unter Spielern, Trainern, Verantwortlichen des Vereins, hautnah dabei also.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Spieler, den sie nach dem entscheidenden 2:0 gegen den Tabellendritten Cottbus wohl am energischsten bedrängt hätten, hatte sich frühzeitig aus dem Staub gemacht. Regis Dorn, Torschütze in der 41. und 64. Spielminute, war fünf Minuten vor Ende der Partie ausgewechselt worden. Er verschwand erst einmal in der Kabine. Sicher ist sicher, mag sich der treffsichere Franzose gedacht haben. Aber natürlich kehrte er zurück zur Offenbacher Open-air-Party - schließlich konnten seine Teamkollegen nicht ohne ihn ihre Polonaise tanzen.

          Eine Last-minute-Rettung

          Es waren seine Saisontreffer zwölf und dreizehn, die den Kickers bereits einen Spieltag vor Saisonende den Klassenverbleib sicherten. Damit war eine Prognose hinfällig, die Trainer Wolfgang Frank wochenlang unters Kickers-Volk gestreut hatte: Die Entscheidung in dieser heiklen Saison werde am 34. Spieltag in der Partie bei LR Ahlen fallen, so Franks Vorhersage. Sie war lange als Mutmacher gedacht. Die Kickers standen wochenlang auf einem Abstiegsplatz, und Ahlen war einer der unmittelbaren Konkurrenten. Es sollte eine Last-minute-Rettung geben.

          Daß es wenige Wochen später so aussehen würde, konnte keiner ahnen: Die Ahlener sind längst abgehängt, Siegen, Saarbrücken und Dresden auch, und sogar an den etablierten, aber schwächelnden Ligagrößen Unterhaching und München 1860 ist der OFC vorbeigezogen. Platz zwölf in der Tabelle bedeutet nicht nur die Rettung, sondern auch eine Plazierung, die unerreichbar schien, als Frank Ende Januar beim 0:2 gegen Fürth seinen Einstand auf der Bank der Kickers gab. „Er hat hier Großes geleistet“, sagte Kickers-Präsident Dieter Müller nach dem Sieg gegen Cottbus. „Es war eine ganz harte Saison für uns. Wir waren ja fast weg.“ Die Beurlaubung von Boysen sei ihm schwergefallen, aber Frank habe die Wende gebracht. „Es war eine glückliche Entscheidung, ihn zu holen“, so Müller. Während er das sagte, trocknete Frank auf dem Rasen noch mühsam seine Haare und seinen Trainingsanzug - er war hinterrücks mit Apfelwein aus einem Fünf-Liter-Bembel auf Offenbacher Art gefeiert worden.

          „Wir haben die Ruhe bewahrt“

          Die Rückrundentabelle weist die Kickers als Tabellenfünften aus - dabei geht jenes 1:3 gegen Rostock noch in die Rechnung ein, die Boysen Ende Januar den Job kostete. Eine solche Bilanz ist das beste Argument, und deshalb singen inzwischen alle beim OFC - von Präsident Müller über Vizepräsident Thomas Kalt bis Sportmanager Michael Dämgen - das Hohelied auf Frank. Den ohnehin schon zufriedenstellenden Partien in den vergangenen Wochen ließen er und seine Mannschaft die Rettung an den Spieltagen 31 bis 33 folgen: 4:1 gegen Unterhaching, 4:0 in Saarbrücken, 2:0 gegen Cottbus - und schon ist der Dauergast vom Tabellenende im Mittelfeld der Liga angekommen.

          „Es ist phantastisch, daß wir unsere Serie fortgesetzt haben“, sagte Kapitän Markus Happe in einem Pulk lärmender OFC-Fans. „Beide Mannschaften waren nervös, aber wir haben die Ruhe bewahrt.“ Es war tatsächlich nicht gerade mitreißend, was die Kickers an diesem Tag boten, aber das spielte am Ende keine Rolle mehr. Ein träges Sommerspielchen, das lange nach einer einvernehmlichen Einigung auf ein 0:0 aussah, wurde durch zwei sehenswerte Treffer entschieden. Den ersten bereitete Suat Türker gekonnt vor, den zweiten Thorsten Judt.

          Er sei „sehr erleichtert“, sagte Frank, ehe er wieder ganz der analytische Kopf des OFC wurde. Seine Mannschaft habe diszipliniert gespielt und wenig Torchancen zugelassen. Das ist es, was er ihr beigebracht hat: Disziplin, Ordnung auf dem Platz. Mit den ersten Erfolgen wuchs das Selbstvertrauen, der Rest war eine einzige Erfolgsgeschichte für Trainer und Verein. Dieser sei in den vergangenen Wochen „eine ganz große Einheit geworden“, sagte Frank. Er hat einen Großteil dazu beigetragen.

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