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Kevin Trapp beim DFB : Torhüter ohne Aufstiegschancen

  • Aktualisiert am

Kevin Trapp: Der Weg nach oben versperrt, den Weg nach unten abgewendet. Bild: Reuters

Kevin Trapp zeigt gegen Spanien eine solide Leistung. Doch egal, wie gut der Eintracht-Keeper hält, mehr als Nummer drei ist für ihn wohl nicht drin. Auch gegen die Schweiz steht ein anderer im Tor.

          3 Min.

          Auf dem Platz kann Kevin Trapp ein forscher Torwart sein, der sein Glück, wenn nötig, auch mal fernab der eigenen Torlinie sucht. So, wie in dieser 14. Minute im Länderspiel gegen Spanien. Es war ein allzu optimistischer Pass seines Kollegen Emre Can, nicht der einzige des Dortmunders an diesem Donnerstagabend, der Trapp in große Bedrängnis brachte. Der Frankfurter war ein gutes Stück aus seinem Strafraum herausgekommen, doch Cans Rückgabe erwischte nicht er, sondern der Spanier Rodrigo Moreno, und eigentlich sah alles schon nach einem frühen Rückstand für die deutsche Nationalmannschaft aus. Trapp nannte es später „eine komische Szene, keine Frage“, die er lebhaft und ausführlich aus der Innensicht schilderte. In Sekundenbruchteilen hatte er zu entscheiden, was er noch tun könne. Einen Moment zögerte Trapp. „Ich hatte Angst, ein Foulspiel zu begehen“, sagte er. Mit der Folge, womöglich Rot zu sehen nach nicht einmal einer Viertelstunde. Aber dann tat ihm der Spanier den Gefallen, selbst zu zögern.

          Als er gesehen habe, dass Rodrigo gar nicht schieße, obwohl der Weg zum leeren Tor frei war, habe er sich gedacht: „Den hol ich mir noch.“ Was mittels einer beherzten Grätsche auch gelang. „Ich habe versucht, meine Verteidiger-Qualitäten zu zeigen“, sagte Trapp mit einem Augenzwinkern. Auch das, ließ sich hinzufügen, war nicht ohne Risiko gewesen. Aber es ging ja gut.

          Nations League

          Verteidigungsarbeit war noch in einer anderen Hinsicht Trumpf bei Trapp am Donnerstagabend. Verbal ließ der 30 Jahre alte Eintracht-Profi sich nicht aus der Deckung locken in der Pressekonferenz. Auf die Frage, ob er mit seiner Leistung vielleicht nicht nur seinen Status als Nummer drei gefestigt habe, hinter den diesmal pausierenden Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen, sondern vielleicht sogar näher an Position zwei gerückt sei, war es mit Trapps forschem Geist jäh vorbei, er zog sich in die üblichen Formeln und auch Floskeln zurück. „Mein Anspruch ist es immer, eine Top-Leistung zu zeigen“, sagte er, natürlich wolle er „so viele Spiele wie möglich machen“, und letztlich gehe es darum, „die Chancen, die ich bekomme, zu nutzen“.

          Hatte er sie genutzt, in seinem vierten Länderspiel, dem ersten seit zweieinhalb Jahren? Darauf gab es keine glasklare Antwort. Trapp selbst sprach nur über das Spiel insgesamt, das späte 1:1 in der sechsten Minute der Nachspielzeit sei „schon enttäuschend“, auch wenn ihn selbst keine Schuld traf. Ansonsten sei es aber „ein ordentliches Spiel“ gewesen. Das wiederum konnte man auch auf seine Leistung münzen. In der Szene mit Rodrigo sah Trapp zunächst etwas unglücklich aus, ehe er die Sache selbst resolut geraderückte. Ansonsten war er seinem Team ein weitestgehend sicherer Rückhalt, mit einer guten Ausstrahlung, präsent auf der Linie und in Eins-gegen-eins-Situationen, zum Beispiel kurz vor der Pause gegen Rodrigo. Auch gegen Ende, als die Deutschen „viel gelitten“ haben gegen die druckvollen Spanier, gab es an Trapps Basisarbeit nichts auszusetzen.

          Jonglieren mit einer Hand: Kevin Trapp agiert gegen Spanien bisweilen unkonventionell, aber am Ende erfolgreich.
          Jonglieren mit einer Hand: Kevin Trapp agiert gegen Spanien bisweilen unkonventionell, aber am Ende erfolgreich. : Bild: AP

          Es war aber auch nicht zu übersehen, dass Trapp in anderer Hinsicht mehr zu tun bekam, als ihm vielleicht lieb war. Bedingt durch das aggressive Pressen der Spanier, wurde er während der 90 Minuten oft zur Anspielstation für seine Verteidiger, und das sind nicht unbedingt die Situationen, die Trapp auszeichnen – vor allem im Vergleich zu den fußballerisch exzellenten Neuer und ter Stegen. Da schien er schon ein wenig ins Schwitzen zu geraten, was sich zumindest einmal negativ auf die Präzision auswirkte, wenngleich folgenlos.

          Rang drei ist das höchste der Gefühle

          Das Spiel also dürfte an Trapps Status nichts geändert haben. Dass gerade Neuer noch einmal eine Klasse für sich ist, machte Trapp selbst deutlich, als er an die herausragenden Leistungen der deutschen Nummer eins im Saisonfinale mit den Bayern erinnerte. Rang drei unter den besten deutschen Torhütern, um den er sich mit Bernd Leno streitet, das ist für Trapp das höchste der Gefühle, solange niemand verletzt ausfällt. Ob er Signale empfangen habe, dass er am Sonntag in Basel gegen die Schweiz (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Nations League und im ZDF) noch einmal zum Zug kommen könne, wurde er noch gefragt. Nein, sagte Trapp, er wisse noch nichts. Wahrscheinlicher ist ohnehin, dass diesmal der Kollege und Konkurrent Leno dran ist. Aber: „Wenn ich die Chance bekomme, möchte ich sie nutzen.“ Als ob das noch einmal gesagt sein musste.

          Am Samstag bekam er dann Gewissheit: Gegen die Schweiz wird Leno im Tor stehen. „Das haben wir so besprochen“, sagte Bundestrainer Joachim Löw.

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